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Indikatives Zeitverständnis Teil 1: Douala, die Stadt am Meer
Ich mache eine Liste. Ab jetzt mache ich eine Liste. Nur so kann ich nachverfolgen, wie viel Zeit ich während meines Aufenthalts in Kamerun mit reinem Warten verbracht habe. Nur zur Orientierung: Als ich in einem deutschen Podcast hörte, 30 Minuten Wartezeit wären eine Zumutung, brach ich in schallendes Gelächter aus. Ich lachte nicht aus Unverständnis für diese mir sehr plausibel erscheinende Einordnung. Ich lachte aus reiner Verzweiflung. 30 Minuten sind der Himmel auf Erden, wer braucht da noch das Paradies? Heute geht es um meine persönliche Hölle, das „indikative Zeitverständnis“. Der Blog beginnt mit einem typischen Mittwochmorgen – es gab Haferflockenmüsli zum Frühstück und meine seit zwei Wochen leer…
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Die Glückszahl meines Taxifahrers
Schon ein merkwürdiger Geruch, dem die Kameruner jeden Tag ausgesetzt sind, wenn sie allmorgendlich an mir vorbeilaufen: Eine Mischung aus Schweiß, Sonnencreme, Mückenspray und schließlich Parfüm, um im Büro souverän zu wirken. Doch der Austausch von kuriosen Eindrücken ist beidseitig, denn auch ich wurde innerhalb der letzten Woche mit merkwürdigen und eindrucksvollen Dingen konfrontiert, von denen ich euch in diesem Blogeintrag berichten möchte. Fangen wir am besten mit dem ersten Punkt auf meiner eben genannten Odeur-Liste an: Schweiß. Viele Menschen in Kamerun wirken ziemlich sportlich und fit. Während die Muskeln einiger jungen Männer wie Bögen gespannt sind, sieht man Damen nicht selten in kurviger „S“-Form ihres Weges stolzieren. So kommt…
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Lobeke Nationalpark: Neue Schlangenart im Regenwald Kameruns entdeckt?
Fünf Uhr morgens. Es ist noch stockfinster inmitten des Regenwaldes des Kongobeckens und mein Wecker klingelt mich aus meinem Schlaf. Ich steige aus meinem Zelt, ziehe mir ein langärmliges Hemd über und wecke die anderen: Tim, Fabienne, dazu unseren Waldführer und die beiden bewaffneten Wächter. Wenige Minuten später, es dämmert bereits, verlassen wir unser kleines Basiscamp und schlagen uns hinein in den dichten Urwald. Unser Ziel: Die Waldlichtung Djaloumbé. Wanderung im Morgengrauen – Zur Aussichtsplattform Wir befinden uns am südöstlichsten Zipfel Kameruns, zwei volle Fahrttage entfernt von Yaoundé, im sogenannten Lobéké-Nationalpark. Dieses Schutzgebiet von der Größe des Saarlands ist Teil der zweiten Lunge der Erde – dem Kongobecken – und…
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Ist eine Hebamme an Bord? Abenteuerliche Anreise in Kamerun
Vor kurzem verbrachte ich einen wundervollen Kurzurlaub in Ebodjé, einem seelenruhigen Fischerdorf, welches zwischen Meeresrauschen und Tropengrün auf weichem Sandstrand gebettet liegt. Hier habe ich Riesenschildkröten- und Krabben gesehen und bin mit einer Piroge über den Ozean gepaddelt (hier nachlesen). Klingt beneidenswert? Dann möchte ich euch heute dazu einladen, die Schattenseite dieses Paradieses kennenzulernen: Meine abenteuerliche Anfahrt. Die Hinfahrt: Haben wir eine Hebamme an Bord? Los geht es am Freitagabend in Yaoundé. Mit der Busgesellschaft Men Travel, nebenberuflich eine arge Lobbyistin gegen die Gendersprache, hauptberuflich eine notorische Zuspätkommerin, fuhr ich zwei Stunden nach geplanter Abfahrt aus dem Busbahnhof in Bastos hinaus. Der erste Halt: Die 200 Meter entfernte Tankstelle, wo…
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Römische Tempel in Baalbek und Strandparadies Tyros
Noch nie haben mich römische Tempelanlagen so fasziniert wie hier in Baalbeck. Heute nehme ich euch mit auf unseren Tagestrip in den Nordosten Libanons, wo wir die größten Steine der Welt bewundern werden. Danach geht es zur Entspannung wieder ans Meer nach Tyros. Die Anfahrt von Zahlé nach Baalbek Vor der Reise nach Baalbek wird gewarnt. Wie eigentlich immer, wenn das Ziel in alten Reiseführern als besonders sehenswert angepriesen wird. In diesem Fall geht es um eine römische Tempelanlage und um den größten Baustein der Welt. Wer Asterix gelesen hat, kann einerseits verstehen, warum hier eine Reisewarnung besteht (denn „die spinnen die Römer“) und wiederum auch, weshalb wir nicht anders…
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Gorillas und der Drang nach Schlaf
Nach zwei Stunden Schlaf saß ich im Taxi und aus dem blechernen Autoradio donnerte mir Whitney Houston ein ganzes Album lang ihre Beziehungsprobleme ins Ohr. Ich richtete meinen Blick auf den leidenschaftlich mitsingenden Fahrer und machte nicht nur das sich im Rückraum des Vehikels ansammelnde Kohlenmonoxid für meine Kopfschmerzen verantwortlich. Es war das Wochenende, an dem ganz Kamerun muslimisch wird und sich den Mond herbeisehnt. Schließlich würde das einen weiteren nationalen Feiertag herbeiführen und damit das Wochenende auf vier Tage verlängern. Und als es dann endlich so weit war, wurde am Montagabend wie an einer deutschen Grundschule der Unterrichtsausfall verkündet: In jedem WhatsApp Status erschien das herbeigesehnte Dekret des Präsidenten…
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West-Kamerun aus dem Sattel: Bloß nicht Pferdreten
Unser Marsch führte uns durch das große hölzerne Eingangstor der Range hindurch und für mehrere Stunden erst entlang der Erdstraßen, die die über die Hügel verteilten Gemeinschaften verbinden, bis wir schließlich auf kleinere Pfade abbogen und schlussendlich über üppig grüne, hohe Wiesen ritten. Unsere Blicke richteten sich auf die vielen Maisfelder, die sich von der kürzlich erfolgten Ernte erholten und in deren Gefilden die Bewohner die Pflanzen für die Kommende vorbereiteten...
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Die Unbezähmbaren fahren zur Weltmeisterschaft
Die Weltmeisterschaft steht vor der Tür und im edlen Hilton Hotel riecht es nach Marihuana. Zugegeben, ich habe nicht immer die besten Quellen, doch ich versichere euch: Beides steht im engen Zusammenhang. Fangen wir dazu einfach am 07. November an...
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Mein Weihnachten und Silvester in den Tropen
Mein erstes Weihnachts - und Silvesterfest in Kamerun. Begleitet mich durch mein Weihnachten bei Freunden und ein Silvester auf einer belebten Hochzeit.
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Über die staubigen Straßen Ngaoundéré’s
Ngaoundéré liegt zwischen den dichten Regenwäldern des Zentrums und der Sahelzone im Norden und wird deshalb von vielen Reisenden übersehen. Ganz unverständlich ist das mit Blick auf die vielen Sehenswürdigkeiten im Rest des Landes sicherlich nicht – allerdings auch nicht ganz gerecht gegenüber dem Hochplateau Adamaouas, das durchaus einiges zu bieten hat. Zugfahrt von Yaoundé nach Ngaoundéré Meine Reise Richtung Norden begann mit einer Zugfahrt. Wer damit Reiseromantik verbindet, den muss ich leider enttäuschen. Statt Taschentuchwinken am Bahnsteig gab es eine finstere Nachtfahrt im vollen Sitzabteil der zweiten Klasse. Gute 16 Stunden war ich Gast im alten, aber belebten Waggon. Mein Vierer-Sitzabteil teilte ich mir mit sehr angenehmen und ruhigen…























