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Campo Ma’an Nationalpark – Alles was du über deine Reise wissen musst

Der Schweiß brennt mir in den Augen, als wir uns durch das dichte Blätterwerk des Dschungels schlängeln. Ein Rauschen in der Ferne. Es kommt immer näher. Endlich lichtet sich der Wald und wir stehen an einem tosenden Wasserfall. Die lang ersehnte Erfrischung! Und damit herzlich Willkommen im Nationalpark Campo Ma’an! Hier, in diesem riesigen Regenwald mit einzigartiger Biodiversität – darunter Gorillas, Elefanten und Büffel – verbrachte ich zwei Tage. Die Vielfalt an Flora und Fauna macht den Park zu einem spannenden Reiseziel für Abenteuertouristen und Naturliebhaber. In diesem Blogeintrag erfährst du alles, was du vor deiner Reise in den Campo-Nationalpark wissen musst.

Flavy und ich im Wald

Was erwartet dich?

Der Nationalpark Campo Ma’an liegt an der Mündung zum Atlantischen Ozean, direkt an der kamerunischen Grenze zu Äquatorialguinea. Der Nationalpark umfasst ein Regenwaldgebiet mit einer gewaltigen Biodiversität: Gorillas, Elefanten, Büffel, sowie unzählige Vogel-, Reptilien- und Insektenarten. Hier kannst du dich auf Regenwald-Wanderungen, Zelt-Übernachtungen in Forschungscamps und mit etwas Glück sogar auch auch Tierbeobachtungen einstellen. Und: Deine Lunge wird selten so viel frische Luft atmen. Aber der Reihe nach.

Der Eintritt in den Park erfolgt über den Wasserweg. Mit einer motorisierten Piroge fährst du von Campo Beach eine dreiviertel Stunde – immer begleitet von deinen Guides – über den Grenzfluss Ntem und hinein in den Regenwald. An einer grünen Bucht mitten im Park endet die Flussfahrt und die Wanderung beginnt. Sie führt dich immer tiefer hinein in das dunkle Dickicht – vorbei an Baumriesen, Brettwurzeln, bunten Waldfrüchten. Du überquerst auf morschen Ästen kleine Bächlein und hörst dabei den Pflanzen beim Atmen zu.

Auf deiner Wanderung kommst du an zwei Camps vorbei. Das erste liegt nur eine halbe Stunde entfernt von der Anlegestelle. Es besteht aus einer großen Holzhütte, einer Kochlaube, kleinen Beeten und Wäscheleinen. Zehn Kilometer weiter (2-3 Stunden) befindet sich die zweite Übernachtungsmöglichkeit, eine Art Forschungscamp, welches auch die Parkmitarbeiter beherbergt. Hier fühlte ich mich tatsächlich wie auf einer Mars-Siedlung, weit weg von meinem gewohnten Lebensraum. Auch hier stehen ein paar Holzhütten und das Nötigste zum Überleben, wie eine Kochstube, Zelte und ein Plumpsklo.

An diesem Camp kommst du je nach Tempo gegen 15 Uhr an und richtest dich dann in Ruhe ein. Hier verbringst du auch den Abend und die Nacht. Essen wird dir – je nach vorheriger Absprache – gekocht. Nach einer warmen Nacht kannst du am nächsten Tag noch einen gesonderten Waldspaziergang ohne Gepäck machen, bevor es zurückgeht. Gegen Nachmittag wartet die Piroge auf dich und fährt dich zurück nach Campo.

Sehenswertes: Natur, Pflanzen, Tiere

Riesige Artenvielfalt schön und gut, aber was kannst du tatsächlich im Nationalpark sehen? Die Antwort hängt davon ab, was du suchst! Bist du ein Naturliebhaber, der sich daran begeistert, gerade an einem der ursprünglichsten Orte der Welt zu sein? Liebst du es, auf Erkundungstouren seltene Baumarten zu entdecken, dich dem meditativen Vogelgezwitscher hinzugeben oder dich an brausenden Wasserfällen zu erfrischen? Dann kommst du in Campo voll auf deine Kosten.

Die Chance, Wildtiere zu sehen, ist jedoch gering. Die Parkpfade werden regelmäßig von Mitarbeitern genutzt und wo Menschen sind, da halten sich Tiere oft fern. Dazu kommt, dass ein Aufenthalt im Regenwald keine Savannen-Safari ist. Neben der feuchten Hitze, wird deine Sicht dauernd vom dichten Zweigwerk beeinträchtigt. Du folgst streng den Schritten deiner Guides und bist besser damit beschäftigt zu überleben. Wir hatten Glück und entdeckten beim Ausruhen im Camp zwei Meerkatzen in den Baumkronen. Dazu noch eine Baby-Viper, die unser aufmerksamer Guide auf einem Ast erspähte.

Das soll sich bald ändern: Der WWF arbeitet derzeit daran, die hier lebenden Gorillas an Menschen zu gewöhnen. Im Forschungscamp, wo du übernachten wirst, werden die Gorillas täglich beobachtet und ihr Verhalten analysiert. Ziel ist die Errichtung eines Ökotourismus, von dem die lokale Bevölkerung profitieren soll. Als wir im Februar 2025 im Park waren, war es leider noch nicht möglich die Gorillas offiziell zu besuchen. Das könnte sich bald ändern, frag am besten deinen Guide vor Ort nach dem neuesten Stand.

Die beste Reisezeit?

Wer nach Campo reisen möchte, sollte dies in der Trockenzeit zwischen November und März tun. Grund sind die Verhältnisse der Erdpiste zwischen Kribi Hafen und Campo. Die Straße läuft in den Regenzeiten nicht selten komplett aus ihrer Backform. Die anliegenden Dörfer werden so von der Außenwelt isoliert.

Campo Town

Kontakte für Planung

Eine Reise nach Campo solltest du ein paar Wochen im Voraus planen. Dazu kontaktierst du zum Beispiel:
📞 Xavier (Unterkunft): +237 97214070
📞 Thierry (Guide) : +237 696619784
📞 Madame Stella (Parkverwaltung): +237 697648524
Sie senden dir daraufhin eine Preisliste zu und klären mit dir Fragen zur Unterkunft, Verpflegung und Aktivitäten im Park. In unserem Fall gab es eine weitere Reisegruppe bestehend aus drei Franzosen, der wir uns anschlossen. Dadurch ist der Preis pro Person für den Transport in den Nationalpark etwas gesunken.

Wie kommst du hin?

Die Anfahrt in den Nationalpark erfolgt mit dem Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus und Buschtaxi. Mit dem eigenen Auto beträgt die Fahrzeit von Douala 6 Stunden, von Yaoundé 8 Stunden. Bis zum Hafen in Kribi ist die Straße asphaltiert, danach fährst du noch knappe drei Stunden auf einer roten Erdpiste. Allradantrieb und gute Federung sind unbedingt zu empfehlen.

Im Reisebus nach Kribi

Wir sind mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Campo gefahren. Los ging es mit der bequemen Business-Class Busgesellschaft Men Travel (Nlongkak) um sechs Uhr morgens in Yaoundé. In Kribi kamen wir gegen 13:30 an. Nach der Reservierung unserer Bustickets für die Rückreise (wichtig!), haben wir ein Moto-Taxi zum ZOB von Kribi genommen. Von dort fahren täglich mehrere Buschtaxis nach Campo. Los geht es erst, wenn das Taxi voll ist – also bei sechs Fahrgästen. Auf diesen Moment warteten wir ganze zweieinhalb Stunden. Gegen 17 Uhr brachen wir dann zu fünft nach Campo auf, wo wir gegen 20 Uhr ankamen.

Eine spontane Mitfahrgelegenheit

Aufgrund des Warenverkehrs zwischen Äquatorialguinea und Kamerun, der von Campo nach Kribi und weiter erfolgt, gibt es regelmäßig spontane Mitfahrgelegenheiten von Kaufleuten, die den Warentransport durch ein paar weitere Passagiere profitabler gestalten wollen.

Vergiss auf keinen Fall deinen Reisepass und Impfausweis mitzunehmen! Straßenkontrollen sind an der Tagesordnung und Touristen werden nicht selten als Sponsoren für das Feierabendbier betrachtet. Geduld ist gefragt!

Wo übernachtest du?

Ob mit Auto oder Bus: Am Ende kommst du erschöpft in Campo an und brauchst ein bequemes Bett. Wir haben damals in der Auberge „Chez Thierry“ geschlafen. Neben Trümpfen wie Zimmern mit Klimaanlage und nahegelegenen Restaurants, ist das Hotel auch mit der Parkverwaltung in Kontakt. Madame Stella vom Nationalparkbüro traf uns so ohne vorherige Absprache im Restaurant um die Ecke, um unseren Plan für den morgigen Tag durchzugehen.

Wie viel kostet das?

Aufgelistet die Kosten für eine Reise von Yaoundé nach Campo und zurück. Eine Nacht in Campo, eine Nacht im Park, zwei Nächte in Ebodjé. Kosten summiert für zwei Personen. Summiert man die Einzelbeträge unten auf, landet man bei ca. 350 € für zwei Personen. Inklusive Essen und weiteren kleinen Ausgaben landet man bei 400€. Ein Aufenthalt in Kribi lässt die Kosten auf 500€ anwachsen.

Transport

  • Bus Yaoundé – Kribi – Yaoundé: 25 € pro Person
  • Buschtaxi Kribi – Campo – Kribi: 12 € pro Person

Unterkunft

  • Campo Town (chez Thierry): 15 € Zimmer 2 P / klimatisiert
  • Ebodjé Eco Lodge: 5 € Zimmer 2 P.
  • Kribi: 30-100 € Zimmer 2 P.

Nationalpark

  • Eintritt Park: 8 € / Person & Tag
  • Verpflegung: 35 € für 2 P. (inklusive ECO Guard & Guide)
  • Zeltmiete: 11 € pro Zelt 2 P.
  • Benzin Piroge Eintritt Park: 140 €

Aktivitäten in der Umgebung

Campo liegt unweit der Badeziele Kribi und Ebodjé und lässt sich damit sehr gut in einen größeren Reiseplan integrieren. Kribi (hier geht es zu meiner Blogseite „Alles was du wissen musst“) ist dabei der bekannteste Erholungsort Kameruns mit unzähligen Hotels, Restaurants und Stränden. Von Standard bis Luxus triffst du hier auf jedes Preissegment.

Ebodjé dagegen ist ein kleines, idyllisches Stranddorf, welches zwar immer mehr Bekanntheit erlangt, jedoch – anders als Kribi – durch sein restriktives Tourismuskonzept weiterhin traumhaft abgeschieden und ruhig geblieben ist. Alle Infos inklusive Kontakte zu Ebodjé findest du hier. Neben meditativem Nichtstun kannst du hier zur richtigen Jahreszeit Meereschildkröten beim Eischlüpfen zusehen. Es gibt auch ein süßes Schildkrötenmuseum. Der Nachteil an Ebodjé ist – wenn man so will – seine schlechte Erreichbarkeit und der fehlende Komfort (kaum Strom, Netz und kein fließend Wasser).

Welchen Park besuchen: Campo oder Lobéké?

Bist du nur einmal in Kamerun und fragst dich, welchen der vielen Nationalparks du besuchen sollst? Wenn es in den Regenwald gehen soll, musst du dich wahrscheinlich zwischen Campo Ma’an an der Küste und Lobéké im Osten entscheiden. Die Wahl hängt dabei von deinen sonstigen Reiseplänen. Zusammengefasst: Wer Tiere sehen möchte und komplett in die Wildnis abtauchen möchte, der ist in Lobéké richtig. Wer seine Reiseplanung aber nicht komplett auf einen Regenwaldbesuch ausrichten möchte und wem es eher um die Natur, als um die Tiererfahrung geht, dem empfehle ich Campo.

Vorteile Campo

Der größte Vorteil Campo’s ist seine (vergleichsweise) gute Erreichbarkeit. Vom Strandziel Kribi sind es nur drei Stunden Autofahrt. Dadurch lässt sich der Besuch gut in eine erste Kamerunreise integrieren. Auch ein kurzer Aufenthalt lohnt sich dadurch. Und: Es spart Kosten: Du brauchst weder einen Fahrer noch ein Mietauto, sondern kannst mit Bus und Buschtaxi reisen. Undenkbar für Lobéké, wo man auch mit Fahrer und Auto mindestens zwei Fahrttage in jede Richtung einplanen muss. Die Anreise in den Park ist außerdem aufgrund der Pirogenfahrt einzigartig. Im Park ist der Komfort etwas höher als in Lobéké: Überdachte Holzhütten und ein kleines Camp mit Küche gibt es dort nicht.

Vorteile Lobéké

Im Lobéké-Nationalpark stehen deine Chancen Wildtiere zu sehen deutlich höher. Das liegt daran, dass der Park viel seltener besucht wird und die Forschungsstation hier nicht im Park liegt, sondern außerhalb. Dadurch gibt es weniger menschengemachte Geräusche. Wir haben regelmäßig Affen in den Baumkronen erspäht und bekamen sogar einen Gorilla und eine kleine Büffelherde vor Gesicht. Bei der ruhigen Tierbeobachtung (und Fotografie) hilfreich sind außerdem die hölzernen Aussichtsposten. Sie erlauben einem fast schon eine meditative Walderfahrung. Dazu sind die ECO-Guards hier besser ausgerüstet, um dich im Fall der Fälle zu beschützen.

Fazit

Eine Reise nach Campo lohnt sich, wenn du ein Naturabenteuer suchst, ohne deine ganze Kamerun-Route darauf auszurichten. Du kannst den Besuch mit Reisezielen wie Kribi oder Ebodjé verbinden. Im Park selbst tauchst du in einen endlosen Regenwald ein. Du bist umgeben von einer reichen Pflanzenwelt und siehst mit Glück sogar ein paar Tiere. Die Kosten halten sich dabei für 2 Personen in Grenzen (p.P. 200€ für 4 Tage).

Auf der Gegenseite siehst du in Campo vielleicht nicht so viele Tiere, wie in anderen Parks. Wie überall in Kamerun ist die Anreise mitsamt der ermüdenden Straßenkontrollen nicht für jeden gemacht. Auch sind für die Planung die richtigen Kontakte unerlässlich. Sprich, wie immer: Es braucht etwas Afrika-Reiseerfahrung und Belastbarkeit.

Ein Besuch des Parks lohnt sich meine Ansicht nach allemal! Würde ich jedoch zum ersten Mal für drei Wochen nach Kamerun reisen, würde ich den Park nicht in meine Route aufnehmen. Dafür gibt es zu viele andere TOP-Reiseziele in Kamerun. Welche das sind und wie meine Reiseroute aussehen würde, das erfährst du hier auf meiner Übersichtsseite.

Dein Feedback und Fragen

Hast du Fragen an mich? Oder möchtest du mir mitteilen, ob dir diese Seite bei deiner Reiseplanung geholfen hat? Welche Infos fehlen noch? Oder warst du bereits in Campo und siehst einige Sachen anders? Ich freue mich auf deine Rückmeldung!

Wer schreibt hier?

Ich bin André, lebe seit 2022 in Kamerun und bin deine Anlaufstelle für Reisen in Kamerun. Auf Wohinnoch? erkunde ich mit dir die Welt, schreibe Erfahrungen nieder und gebe Reisetipps. Wenn diese Worte nicht meine letzten an dich sein sollen, kannst du meinen Blog abonnieren und mir auf Instagram folgen.

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Wohinnoch? ist ein Reiseblog, in dem wir mit ausgiebig Zeit die weniger beachteten Orte dieser Welt besuchen.

2 Comments

  • Simone

    Hallo Andre, tolle und ausführliche Berichte.Vielen Dank.
    Mich würde interessieren ob man von Kribi aus einen Ausflug mit einer Übernachtung im Campo Nationalpark machen kann. Als Tagesausflug vermutlich zu anstrengend, oder?
    Herzliche Grüße
    Simone

    • Andre

      Hallo Simone, als Tagesausflug ist der Campo Nationalpark zeitlich nicht machbar. Eine Übernachtung geht, dann aber sehr früh (5Uhr) in Kribi losfahren, um gegen 8 in Campo am Ufer zu sein. Weil ihr dann ja noch mit der Piroge reinmüsst. Vorher am Besten auch alles mit der Parkverwaltung klären, damit sie dann schon alles organisiert haben 🙂
      Viel Spaß auf dem Trip und liebe Grüße!

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