Afrika,  Kamerun,  Südkamerun

Ebodjé – Strandurlaub und Schildkröten in Kamerun

Ein Blick auf die Landkarte Kameruns hat bei mir vor einiger Zeit eine Frage aufgeworfen: Bei 400 Kilometern Küste, wieso redet man immer nur von den selben zwei Orten mit Strand? Kribi und Limbé. Kann man nirgendwo anders in der Hängematte baumeln und sich vom Meeresrauschen berieseln lassen? Doch! In Ebojdé, einem abgeschiedenen, seelenruhigen Dorf mit einer kleinen, lokal aufgebauten Ökotourismus-Anlage, sowie der Möglichkeit Riesenschildkröten in der Natur zu sehen. Letztes Wochenende war es dann endlich soweit: Ich stattete Ebodjé einen ersten Besuch ab! Hier geht es zu meiner abenteuerlichen Anreise.

Reiseinfos zu Ebodjé

  • Kosten
  • Anfahrt
  • Aktivitäten
  • Kontakte
An- und Abfahrt Bus
32
Unterkunft & Verpflegung
100
Aktivitäten
45

Summierte Kosten für 2 Personen bei 3 Übernachtungen (ja, es ist wirklich so billig).

Am besten von Yaoundé mit eigenem Auto anfahren (6 Stunden). Alternativ mit Bus von Yaoundé (Men Travel Bastos) nach Kribi und dann mit einem privaten Taxifahrer oder mit einem Buschtaxi (Clando) nach Ebodjé. Ausreichend Trinkwasser mitbringen! Moskitonetze sind da.

  • Entspannen am Strand
  • Nächtlicher Spaziergang zu eierlegenden Schildkröten
  • Pirogentour auf dem Meer und auf einem Fluss durch den Regenwald
  • Schildkröten-Museum
  • Ausflug nach Campo

Emile Mambo (Leiter Eco-Lodge): +237 691 16 39 99

Lokal verwalteter Eco-Tourismus

Ebodjé liegt 50 Kilometer südlich von Kribi, dem beliebtesten Strandort Kameruns. Von hier fährt man in Richtung des neuen Tiefseehafens und dann weiter auf einer Erdpiste, bis man endlich Ebodjé erreicht. Über meine An- und Abreise möchte ich nicht groß sprechen. Die waren nämlich so abenteuerlich, dass ich ihnen einen ganz eigenen Blogeintrag widmen werde. Ebodjé ist ein kleines Dorf, eingebettet zwischen Meereswellen und Tropenwald. Direkt am Strand steht eine kleine Eco-Tourismus Lodge. Diese wurde vor vielen Jahren von Tropenbos International initiiert und wird mittlerweile selbstständig von den Bewohnern verwaltet. Bei meiner Ankunft war die Lodge bereits ausgebucht, glücklicherweise hat uns der Besitzer Emile aber bereits im Vorhinein ein privat vermietetes Haus nebenan vermittelt. Der Preis pro Nacht war zwar doppelt so hoch wie in der Lodge, aber weiterhin lächerlich niedrig: Zehn Euro.

Das Haus gehört einem Deutsch-Kameruner, der es bevorzugt den Winter in Deutschland zu verbringen (logisch). Die Zimmer werden unterdessen vermietet. Ich hauste also zusammen mit einer jungen französischen Familie in der großen, aber spartanisch gehaltenen Casa. Wichtig zu wissen: Es gibt kein Trinkwasser! Also unbedingt mitbringen. Auch Strom und Netz gibt es nur im Dorfkern weiter oben. Ich lebte also ein erleichternd einfaches Leben im Rhythmus des Sonnenlichts, zog mir das Wasser mit einem Eimer aus einem Brunnen und hatte endlich wieder mehr Zeit zum Lesen. Drei Mal am Tag kochte eine Dame zu niedrigen Preisen riesige Portionen Fisch, Reis, Nudeln, Kochbananen und Gemüse auf.

Kilometerlanger Einsamer Sandstrand

Wenige Barfuß-Schritte vom Haus entfernt lag bereits das Meer. Dazwischen, von den Gezeiten bestimmt, ein mal kleinerer und mal größerer Strand. Nur wenige Reisende verirren sich hier her. Und so war ich nach wenigen gelaufenen Metern bereits ganz alleine unterwegs. Hier und da erspähte ich einen Fischer, wie er an seiner Piroge werkelte, um am Abend aufs Meer auszusetzen. Dann sah ich sie im Schimmer der untergehenden Sonne, wie sie auf der Piroge stehend ihre Netze ins Wasser werfen. Über mir huschten derweil Zwergmeerkatzen auf den Ästen von links nach rechts.

Ist die Sonne dann untergegangen, setzte ich mich jeden Abend in die Dorfbar. Wenig überraschend wurde hier zum Finale des Afrika-Cups der Stromgenerator angeworfen. So wurden also alle Plastikstühle des Dorfes zusammengetrieben, um für die überwiegend männliche Besucherschaft genügend Sitzmöglichkeiten zu schaffen. Da Kamerun jedoch bereits im Achtelfinale ausgeschieden war, wurde dieses Spiel mit großer Gleichgültigkeit verfolgt. Ihr merkt: Das Leben in Ebodjé ist entspannt. Jedoch habe ich hier auch einige aufregende Aktivitäten unternommen!

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Lokaler Schutz von Riesenschildkröten

Ebodjé ist nicht nur Heimat weniger hundert Menschen, sondern auch zahlreicher Riesenschildkröten. Jedes Jahr legen sie am Strand ihre Eier ab, aus denen wenig später kleine Baby-Schildkröten schlüpfen und ihren riskanten Weg ins Meer antreten. Auf geführten nächtlichen Spaziergängen kann man die Schildkröten zwischen Oktober und April bei diesem jährlichen Ritual beobachten. Organisiert wird das alles von der Assoziation Tube Awù, welches auch ein kleines Museum zur Sensibilisierung über die Lebensweise der Reptilien betreibt.

Ich hatte bei meinem Besuch so viel Glück, dass ich nicht selber zu den Schildkröten gehen musste, sondern dass eine von ganz alleine zu mir kam. Ein benachbarter Fischer hatte zufällig ein großes Exemplar in seinem Netz gefangen und sie sofort Tube Awù gemeldet. Kurz darauf wurden wir alle informiert und konnten sie wenige Minuten später aus nächster Nähe beobachten. Eine tolle Erfahrung!

Auf der Piroge über den Ozean

Gegen Abend verabredete ich mich dann mit Emile zu einer Pirogentour. Geplant war auf einem Fluss durch den Regenwald zu gleiten. Da die Flut das Wasser jedoch bereits bis an den obersten Rand des Strands spülte und der Fluss zu Fuß unerreichbar wurde, hatten wir nur noch eine einzige Möglichkeit: Eine Pirogenfahrt auf dem offenen Meer. Ohne die Bauart des Einbaums in Zweifel ziehen zu wollen, war mir recht mulmig zu Mute, als die Piroge beunruhigend weit nach steuerbord kippte. Dabei hatte ich doch nur meinen rechten Zeigefinger gehoben. Immerhin hatte ich das Glück, dass mich Emile auf der Fahrt nicht mit Fischen bewarf – diesen Scherz erlaubt er sich anscheinend nur mit weniger nervösen Passagieren.

Schließlich surften wir auf einer brechenden Welle in den Fluss hinein. Plötzlich war Ruhe. Kein Rauschen mehr, kein wildes Paddeln. Einzig und allein der sich mächtig neben uns auftürmende Regenwald wachte mahnend über unsere Wenigkeit. Die Dämmerung war schon fortgeschritten und tauchte die grüne Kullisse in blutrotes Licht. Ein einsamer Milan zog einsam seine Kreise. Und im dichten Gebüsch deutete das Knistern der tausenden Insekten die Undurchdringlichkeit der Waldes an. Ein Gänsehautmoment.

Auf dem Rückweg dann – es war schon finster und das Wasser hatte sich etwas zurückgezogen – mussten wir ungeheuer aufpassen, dass unsere Füße nicht in die Zangarme der Riesenkrebse gerieten. Denn was ist schlimmer als sich den kleinen Zeh am Türrahmen zu stoßen? Richtig! Eine Amputation von einem Krebs mit fragwürdiger Beinbehaarung. Diese waren im Übrigen so zahlreich über den Strand verteilt, man müsste hier nur einmal mit dem Kescher durchgehen, schon könnte das Dorf ein riesiges Festmahl feiern.

Ebodjé – Fazit eines langen Wochenendes

Das lange Wochenende in Ebodjé ging schnell vorüber. Ich bin mir sicher, dass ich sehr bald wieder zurückkommen werde. Zugegeben: Ohne eigenes Auto ist die Anfahrt müßig und nichts für Reisende ohne große Afrika-Erfahrung. Und auch die Standards ohne Trinkwasser, Strom und Internet sind wohl nicht jedermanns Sache. Jedoch ist Ebodjé verträumter, romantischer und naturbelassener als das expandierende Kribi. Ruhige Tage am Strand, gutes Essen und nette Menschen wird man hier mit ziemlicher Sicherheit erleben. Und das alles zu einem Bruchteil der Preise in Kribi. Ich zahlte für den gesamten viertägigen Trip insgesamt pro Person nur knapp über 100€.

Noch nicht genug?

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Libanon

Meine Libanon-Reise zu römischen Tempeln, weiten Stränden und verschneiten Skigebieten!

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Seit April 2022 lebe ich in Kamerun und bin seitdem immer wieder von seinem touristischen Potential überrascht!

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Wohinnoch? ist ein Reiseblog, in dem wir mit ausgiebig Zeit die weniger beachteten Orte dieser Welt besuchen.

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