Kamerun wurde vom Lonely Planet zum Reiseziel Nummer eins für 2025 gekürt, eine spannende Wahl! Als jemand, der seit Jahren in Kamerun lebt und das Land intensiv bereist, teile ich hier meine Einschätzung mit dir: Was hat Lonely Planet richtig erkannt, was wurde übersehen, und welche Insider-Tipps machen deine Kamerunreise zu einem unvergesslichen Erlebnis?

Positiv: Die Auswahl an Reisezielen
Starten wir mit den positiven Aspekten: Der Lonely Planet schlägt eine abwechslungsreiche Reiseroute vor, von einem Architektur- und Tanzausflug in Yaoundé über das Bronzekunsthandwerk in Foumban, hin zu Tierbeobachtungen im Nationalpark Campo Ma’an und schließlich zur Entspannung an den Stränden von Kribi, Ebodjé oder Limbé. In zehn bis vierzehn Tagen lässt sich diese Route realistisch umsetzen und ist wirklich gut gewählt!


Besonders überrascht hat mich der Tipp zu Ebodjé. Dieses kleine Fischerdorf liegt fernab gut ausgebauter Straßen (mehr zu meiner abenteuerlichen Anreise findest du hier), mit sporadischer Netz- und Stromversorgung. Das Wasser kommt aus dem Brunnen. Die einzige Unterkunft ist eine ECO-Lodge – zwei oder drei einfache Holzhütten direkt am Strand, wo du völlig ungestört bist. Wenige Hundert Meter entfernt schützt eine NGO Meeresschildkröten, die hier ihre Eier legen. Bei unserem Besuch hatten wir sogar das Glück, eine Schildkröte zu sehen! Dieser Ort ist für mich ein absoluter Geheimtipp. Doch Vorsicht: Die kleine Lodge ist oft zwei Monate im Voraus ausgebucht. Den Kontakt findest du in meinem Ebodjé-Eintrag.“


Meine Verbesserungsvorschläge – Reiseroute
Die Vielfalt: Vom Regenwald in die Savanne
Das erste was man über Kamerun hört ist: Afrika in Miniatur. Kontinent. Vielfalt! Doch davon ist im Lonely Planet nichts zu lesen. Ich hatte eher das Gefühl Kamerun sei ausschließlich Regenwald. Doch weit gefehlt! Was ist mit den Savannen im muslimischen Norden? Dem Tafelberg Tenguelin, den Gesteinsformationen Kola, dem Stausee Lagdo oder den berühmten Nationalparks in denen man Löwen und Giraffen beobachten kann?


Meine Freundin ist überzeugt: Wer nicht im Norden war, hat Kamerun nicht wirklich erlebt. Deshalb empfehle ich auf meinem Blog eine dreiwöchige Reiseroute, die auch den Norden einschließt. Allein die Zugfahrt dorthin wirst du so schnell nicht vergessen. Außerdem ticken die Menschen hier ganz anders, ruhiger als ihre Mitbürger im Süden. Stöbere auf den Märkten in Garoua, suche dir bunte Stoffe aus und lass dir daraus wunderschöne Kleider nähen. Alles, was du über Nordkamerun wissen musst, findest du hier!
Ein anderer Plan für Foumban
In Foumban empfiehlt der Lonely Planet den Besuch der Kunsthandwerk-Ateliers. Interessant, aber ich fühlte mich dort etwas unter Kaufdruck gesetzt. Schöner und spannender fand ich den Besuch des Palastes und Museums des Sultans Njoya. Im historischen Palast, der nach dem Vorbild eines deutschen Landhauses gebaut wurde kann man tiefreichende Einblicke in die gut dokumentierte, über eintausend Jahre zurückreichende Kultur der Bamoun erhalten. Kunsthandwerk siehst du hier ebenso wie in den Ateliers, nur ohne die Verkäufer im Rücken.


Reist du im Dezember, solltest du das Nguon-Festival nicht verpassen. Diese jahrhundertealte Tradition der Bamoun, der Bevölkerungsgruppe in Foumban, vereint Kultur und Politik: In einer volksnahen Zeremonie wird über den Verbleib des Sultans entschieden. Ich hatte das Glück, als heimlicher Pressefotograf hautnah an der Zeremonie teilzunehmen. Ein unvergessliches Erlebnis! Mehr dazu findest du hier.“


Nicht erwähnte Reiseziele
Der Lonely Planet stellt uns ein paar schöne Orte vor – doch liegen auf deiner Reiseroute noch so viele weitere Ziele, die deinen Besuch wert sind! In Yaoundé empfehle ich dir einen Ausflug nach Ebogo. Dort kannst du entspannt auf der Piroge den Nyong Fluss entlanggleiten und versuchen einen riesigen Mammutbaum zu umarmen – viel Glück, das Ding hat einen Durchmesser von 12 Metern.


In der Nähe von Foumban kannst du den Vulkankrater Mbapit erklimmen – eine halbtägige Wanderung mit fantastischer Aussicht in den tiefen Kessel. Irgendwie erinnert mich der Krater an ein Mineralwasserlogo… welches war das noch gleich? Zum Übernachten gibt’s die Domaine de Petepenoun, teuer, aber luxuriös, eingebettet zwischen Kaffeeplantagen an einem stillen See. Oder wie wäre es mit einem Abstecher zu den Tarzan-Wasserfällen Ekom Nkam? Alles über Westkamerun findest du hier.“


Wenn du dich für die ‚schokoladenbraunen Strände‘ Limbés entscheidest, solltest du unbedingt über eine geführte Besteigung des 4000 Meter hohen Mount Cameroon nachdenken. Für mich war das eine unvergessliche Erfahrung! In zwei bis drei Tagen wanderst du vom dichten Regenwald durch die Bergsavanne bis hinauf zu den mondartigen Kraterlandschaften und wieder zurück. Am Tag danach kannst du deine müden Waden am Strand von Limbé ins warme Atlantikwasser oder ins erfrischende Bergwasser tauchen.


Praktische Informationen
Der Lonely Planet will dich inspirieren und nicht mit Details langweilen, deshalb verschweigt er viele organisatorische Fragen, die für deine Reise aber essenziell sind. Vorweg: Kamerun ist kein klassisches Ziel für Reiseeinsteiger. Etwas Reiseerfahrung, idealerweise im nicht-westlichen Kontext, ist hilfreich, besonders, wenn du vor Ort niemanden kennst. Meist wird Französisch gesprochen, aber mit Englisch kommst du ebenfalls zurecht. Kommen wir zu den wichtigsten Themen: Visum, Sicherheit und die beste Reisezeit.
Visum und Anreise
Thema Anreise: Hin- und Rückflüge nach Kamerun kosten etwa 850 €, das Visum schlägt mit 180 € zu Buche, und eine Gelbfieberimpfung ist Pflicht. Eine Kamerunreise ist also nicht gerade günstig. Thema Fortbewegung: Mit Bussen und Sammeltaxis kommst du zwar günstig durchs Land, aber das empfehle ich nur Reisenden mit etwas Afrikaerfahrung und ausreichend Zeit. Andernfalls solltest du auf einen Fahrer zurückgreifen. Kostenpunkt: etwa 50 € pro Tag. Mehr Infos zum Transportwesen findest du hier.


Deine Sicherheit
Viele von euch fragen mich nach der Sicherheit in Kamerun. Der Lonely Planet streift dieses Thema nur am Rande. Kurz zusammengefasst: Reisen in Kamerun ist generell sicher, solange du dich von bestimmten Gebieten fernhältst. Der Südwesten und Nordwesten (aufgrund des Bürgerkriegs), der extreme Norden (wegen Boko Haram) und die Grenzgebiete zur Zentralafrikanischen Republik sollten gemieden werden. Außerhalb dieser Regionen gibt es keine besonderen Gefahren. Das größte Risiko sind Verkehrsunfälle und Malaria, vermeide Nachtfahrten und sorge für eine Malariaprophylaxe. Halte dich an die Low-Profile-Regeln und informiere dich regelmäßig über die aktuelle Lage beim Auswärtigen Amt.
Die beste Reisezeit
Das Urteil des Lonely Planet zur besten Reisezeit (November bis Februar) sehe ich anders. In Kamerun gibt es zwei Regen- und zwei Trockenzeiten. Die große Regenzeit ist von April bis Juni, die kleine von September bis Oktober, trotzdem scheint oft die Sonne. Wenig Regen und angenehme Temperaturen bietet die kleine Trockenzeit im Juli und August, während es von November bis März trocken, aber sehr heiß ist. Jede Reisezeit hat ihre Vor- und Nachteile.
Fazit
Kamerun auf Platz eins zu setzen, ist eine überraschende, mutige, aber richtige Entscheidung des Lonely Planet. Gerade weil das Land noch keinen ausgeprägten Tourismus hat und dennoch alles bietet, was das Herz von Abenteurern höherschlagen lässt. Der Lonely Planet fasst die wichtigsten Reiseziele zu einer praktischen Route zusammen und liefert sogar ein paar Insidertipps. Dennoch läufst du Gefahr, die Vielfalt Kameruns zu verpassen, wenn du dich zu strikt an die Tipps hältst. Mit einer Reisezeit von drei Wochen und einem Aufenthalt im Norden kannst du das jedoch ausgleichen. Die Sicherheitslage solltest du dabei immer im Blick behalten. Wenn du Abenteuer liebst und die gesamte Vielfalt Afrikas in einem einzigen Land erleben möchtest, ist Kamerun genau das richtige Reiseziel für dich.
Wie sieht’s bei dir aus? Warst du schon einmal in Kamerun oder steht das Land vielleicht auf deiner Liste? Wo lässt du dich zu deinen Reisen inspirieren? Und vor allem: Wo geht es für dich dieses Jahr in den Urlaub? Teile gerne deine Erfahrungen, Fragen oder Reisepläne in den Kommentaren. Ich bin gespannt, von dir zu hören! Wenn du Tipps für Kamerun brauchst oder einfach neugierig bist, helfe ich dir gerne weiter.

Wer schreibt hier?
Ich bin André, lebe seit 2022 in Kamerun und bin dein Anlaufpunkt für Reisen in Kamerun. Auf Wohinnoch? erkunde ich mit euch die Welt, schreibe Erfahrungen nieder und gebe euch Reisetipps. Wenn diese Worte nicht meine letzten an dich sein sollen, kannst du meinen Blog abonnieren und mir auf Instagram folgen.


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