Kamerun,  Kamerun in Kurz

Mit dem Zug durch Kamerun – Kamerun in Kurz #4

Kamerun verfügt über ein über tausend Kilometer langes Schienennetz, von der Atlantikküste bis aufs Hochplateau Adamaouas. Die Eisenbahn ist dabei gleichermaßen altes, wie auch heißes Eisen. Sie blickt auf eine über hundert Jahre alte Geschichte zurück, sowie in eine ambitiöse Zukunft. In der heutigen Ausgabe Nummer 4 von Kamerun in Kurz tauchen wir ein in die Welt der Schienen.

Musik: Ndolo L’amour von Pierre de Moussy

Die Geschichte der Kamerunischen Eisenbahn

Die Geschichte der kamerunischen Eisenbahn beginnt mit der Ankunft der deutschen Kolonialisten Anfang des 20. Jahrhunderts. Ihre Motivation ein Schienennetz zu errichten war dabei rein extraktiv – die Schmalspurbahn verband die Plantagen deutscher Pflanzungsunternehmen mit dem Hafen von Limbé. Während die Deutschen durch die Niederlage im ersten Weltkrieg ihre großen Projekte wieder mal nicht umsetzen konnten, verbanden schließlich die französischen Besetzer den ersten Fernabschnitt von Douala nach Yaoundé. Später war es dann der junge kamerunische Staat, der, gerade unabhänig geworden, den letzten Abschnitt in den Norden, nach Ngaoundéré fertigstellte. Heute befindet sich das Bahnunternehmen CAMRAIL im Besitz des französischen Großkonzerns Bolloré.

Meine Reiseerfahrungen im Zug

Eine Zugfahrt in Kamerun ist ein Erlebnis. Ich erinnere mich noch sehr gut an meine Fahrt vom Regenwald Yaoundés ins Hochland nach Ngaoundéré. An jeder Haltestellte strömten Händler in den Zug, verkauften alles über Holzkohle-Zahnpasta bis Gesetzesbüchern. Besonders in Erinnerung ist mir eine ältere fliegende Händlerin im Gedächtnis geblieben, die riesige Papayas und Bananenstauden durch das Abteil schleppte. Beim Gang auf die Toilette hörte ich sie im Türbereich des Waggons eine bedächtige Melodie summen (hier gehts zum Blog-Eintrag).

Da war auch der Pfarrer in der ersten Klasse Richtung Douala, der es sich auf meinen Sitzplatz gemütlich gemacht hat. Meiner Bitte, den Sitzplatz zu räumen, kam er höflich nach, jedoch nicht ohne mir indirekt zu verstehen zu geben, dass es eine ziemliche Anmaßung ist, einen Pfarrer um solch eine Banalität zu bitten. Ich habe es nicht bereut. Denn wenige Minuten später rollten wir über die Hochbrücke von Éséka und vor mir eröffnete sich ein einmaliger Panoramablick über den undurchdringlichen, endlosen Regenwald Südkameruns. Doch der Ort birgt auch eine traurige Geschichte: Erst 2016 kamen hier bei einem Zugunglück 79 Menschen ums Leben.

Die Zukunft der Züge in Kamerun

Die Geschichte der kamerunischen Eisenbahn ist noch nicht auserzählt. In ihrem Entwicklungsplan SND30 visiert die Republik den Bau von 1500 weiteren Kilometern an, möchte die Tiefhäfen von Kribi und Limbé, sowie die Hauptstadt Tschads ans Netz anbinden. Davon erhofft sich der Staat sinkende Transportkosten, eine Entlastung der überfüllten Landstraßen und nicht zuletzt einen Aufschwung der Industrialisierung des Landes. Die Daumen sind gedrückt.

Noch nicht genug?

Ich bin André und lebe seit 2022 in Kamerun. Jeden Sonntag schreibe ich auf meinem Blog über meine Reisen und mein Leben im „Afrika in Miniatur“. Wenn du mehr erfahren willst, dann schau doch gerne hier auf meinen unterschiedlichen Reise-Seiten vorbei:

Libanon

Meine Libanon-Reise zu römischen Tempeln, weiten Stränden und verschneiten Skigebieten!

Kamerun

Seit April 2022 lebe ich in Kamerun und bin seitdem immer wieder von seinem touristischen Potential überrascht!

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