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Mein erstes Mal Kamerunisch Kochen – Okok

Wenn man meine Integrationserfolge daran messen möchte, wie sehr ich die kamerunische Küche bereits verinnerlicht habe, wird man mich schwer enttäuscht des Landes verweisen müssen. Ich habe es innerhalb zweier Jahre nicht geschafft, auch nur einmal nach kamerunischer Art zu kochen. Doch dieser Trauerserie habe ich heute endlich ein Ende bereitet. Wenn ihr wissen wollt, wie man kamerunisch kocht und wie das aussieht, wenn es ein Dilettant tut, dann bleibt dran!

Was isst man in Kamerun?

Auf die Frage, was man in Kamerun isst, gibt es wie immer keine einheitliche Antwort. Zu verschieden sind die klimatischen Bedingungen in den Regionen des Landes, und damit auch die dort lebenden Pflanzen und Tiere. Außerdem muss man zwischen traditioneller Küche und Street-Food unterscheiden. Während sich ersteres aus lokalen Zutaten speist und über Jahrhunderte weitergegeben wurde, ist letzteres oft das Ergebnis der Billigimporte aus dem Ausland. Dem Omelette-Spaghetti, in dem der obligatorische Maggi-Würfel nicht fehlen darf, habe ich ja bereits die erste Ausgabe von Kamerun in Kurz gewidmet. Heute jedoch geht es um die traditionelle Küche Zentralkameruns und das Gericht: Okok.

Was ist Okok?

Ohne Okok geht es in Yaoundé nicht. Dieses Gericht, welches seinen Namen aus den Okok-Blättern (auch Eru gennant) ableitet, wird hier überall gegessen. Es ist lecker, billig und überall verfügbar. Es wird von Köchinnen auf der Straße sowie zu Hochzeiten und Staatsbanketten serviert. Ich habe das Gericht das erste Mal neben meinem Arbeitsort gegessen und war danach wie ausgeknockt – es ist also auch noch sehr reichhaltig! Zeit also dieses Gericht einmal selber – natürlich unter Anleitung einer Kamerunerin – zu kochen. Endlich gibt es auf meinem Blog also eine Kochanleitung!

Auf dem Mokolo Markt – Die Zutaten

Die Zutaten kauften wir frisch auf dem Mokolo-Markt, dem wohl größten Zentralkameruns, ein. Meine Freunde waren etwas nervös, als sie mich hier ausstiegen ließen – geht es hier doch sehr trubelig zu. Doch wir haben einen ruhigen Straßenabschnitt gefunden, in dem uns eine Gruppe Frauen mit Babys auf dem Schoß die Zutaten verkauften. Wir brauchten: Okok-Blätter, Palmnüsse und Maniokstäbe. Eine der Verkäuferinnen schnippelte uns dabei die Blätter in solche einer Geschwindigkeit in kleine Fetzen, dass ich Angst um die vegetarische Eigenschaft des Gerichts hatte. Auf ein paar knusprige Fingerkuppen kann ich gut verzichten. Um die Markt-Romantik zu brechen, kauften wir uns dann auch noch Erdnusspaste und braunen Zucker im Hypermarkt Carrefour Playce. Alleine die Erdnusspaste war dabei teurer als der ganze Rest. Insgesamt zahlten wir für alles sieben Euro.

Ran an den Mörser – Die Zubereitung

Kamerunische Küche braucht Zeit. Das berichten mir immer wieder junge, emanzipierte kamerunische Frauen mit einem Augenrollen. Zeit, die sie nicht mehr haben. Eine Menge davon haben wir bereits gespart in dem wir die Erdnüsse als vorgefertigten Muß gekauft haben. Eine gute Idee, da wurden wir wahrscheinlich von der Muse geküsst.

Der nächste Schritt ist das Mörsen der Palmnüsse, die wir bereits circa 30 Minuten vorgekocht haben. Stampft man die Nüsse einige Minuten gut durch, löst sich von den Kernen das faserig-saftige Fruchtfleisch. Fügen wir nun Wasser hinzu, quetschen die Masse im Mörser aus und sieben die Brühe, so erhalten wir eine orange-rote Flüssigkeit. Um auch möglichst viel Geschmack zu extrahieren, wiederholen wir den Vorgang noch ein weiteres Mal. Wobei von Geschmack hier noch keine Rede sein kann, das Palmwasser schmeckt nach nichts. Den ersten Schritt haben wir nun geschafft.

Es folgt die Hitze! Während man gewöhnlich in Swimmingpool großen Töpfen kocht (damit alle satt werden), hatte ich nur einen lächerlichen Nudeltopf parat, der glücklicherweise gerade so den Palmsaft aufnehmen konnte. Während die eisenfarbene Suppe aufkocht und wir nach und nach die Erdnusscreme einrühren, widmen wir unsere Aufmerksamkeit nun den Okok-Blättern. Diese wurden zwar vorgeschnitten, müssen aber dennoch weiter im Mörser zerdrückt werden. Ist das getan, können diese nun ebenfalls in die brodelnde Masse gegeben werden. Die Hauptaufgaben sind erledigt. Zwar fügen wir noch eine Menge braunen Zucker hinzu, sowie etwas Salz, doch die eigentliche Herausforderung besteht jetzt darin den hungrigen Magen darauf zu vertrösten, dass erst in einer Stunde gegessen werden kann.

Der Okok ist fertig, wenn er nicht mehr brodelt, sondern wie ein Goliath-Frosch blobbt, dass einem das herausspringende heiße Öl die Netzhaut versengt. Wir servieren ihn mit Maniok-Stäben. Im Vorteil ist, wer schon einmal ein Baby gewickelt hat, denn ganz ähnlich müssen wir nun die glitschig-weißen Würste von der pflanzlichen Windel befreien. Ist das getan, landen diese direkt neben dem Okok auf dem Teller. Mahlzeit!

Der Geschmack

Okok schmeckt mir wirklich ausgezeichnet. Die zuckerige und vegetarische Variante, die wir heute zubereitet haben, hat viel von seinem Erdnuss-Aroma behalten und dazu noch eine ölig-waldige Note. Ganz ehrlich: Ich bin ein mieser Food-Blogger. Doch was zählt ist doch, dass es schmeckt!

Noch nicht genug?

Ich bin André und lebe seit 2022 in Kamerun. Jeden Sonntag schreibe ich auf meinem Blog über meine Reisen und mein Leben im „Afrika in Miniatur“. Wenn du mehr erfahren willst, dann schau doch gerne hier auf meinen unterschiedlichen Reise-Seiten vorbei:

Libanon

Meine Libanon-Reise zu römischen Tempeln, weiten Stränden und verschneiten Skigebieten!

Kamerun

Seit April 2022 lebe ich in Kamerun und bin seitdem immer wieder von seinem touristischen Potential überrascht!

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Wohinnoch? ist ein Reiseblog, in dem wir mit ausgiebig Zeit die weniger beachteten Orte dieser Welt besuchen.

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