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Ist eine Hebamme an Bord? Abenteuerliche Anreise in Kamerun

Vor kurzem verbrachte ich einen wundervollen Kurzurlaub in Ebodjé, einem seelenruhigen Fischerdorf, welches zwischen Meeresrauschen und Tropengrün auf weichem Sandstrand gebettet liegt. Hier habe ich Riesenschildkröten- und Krabben gesehen und bin mit einer Piroge über den Ozean gepaddelt (hier nachlesen). Klingt beneidenswert? Dann möchte ich euch heute dazu einladen, die Schattenseite dieses Paradieses kennenzulernen: Meine abenteuerliche Anfahrt.

Die Hinfahrt: Haben wir eine Hebamme an Bord?

Los geht es am Freitagabend in Yaoundé. Mit der Busgesellschaft Men Travel, nebenberuflich eine arge Lobbyistin gegen die Gendersprache, hauptberuflich eine notorische Zuspätkommerin, fuhr ich zwei Stunden nach geplanter Abfahrt aus dem Busbahnhof in Bastos hinaus. Der erste Halt: Die 200 Meter entfernte Tankstelle, wo wir nochmal 30 Minuten verbrachten. Mein Ziel war Kribi, das Usedom Kameruns (wenn du wissen willst warum: hier nachlesen). Nach ungefähr fünf Stunden und damit um drei Uhr Nachts kam ich dort auch endlich an. Hier erst beginnt das Abenteuer.

Fahrt mit dem Buschtaxi: Überladen mit Guiness-Bier

Von Kribi nach Ebodjé, das sieht auf Google Maps ganz einfach aus. Und hat man ein eigenes Auto, dann ist es das auch. Doch ohne ein solches stellt sich die Sache als schwieriger heraus: Man ist auf Busch- oder Motorradtaxis angewiesen. Meinem erster Plan war, die 50 Kilometer mit dem Motorrad zurückzulegen. Diesem wurde jedoch just in dem Moment ein Strich durch die Rechnung gemacht, als wir beim Verlassen des Hotels von einem kleinen Ameisenhaufen zu Fall gebracht wurden und in bizarrer Slow-Motion auf den Boden sanken. Ich wertete das als Zeichen.

Also auf zur Busstation. Ich suchte ein Clando, so nennt man die Buschtaxis hier. Die Theorie ist leicht verstanden: Ein Fahrer mit Fahrzeug nimmt so viele Personen und Fracht wie möglich an Bord, sodass aus einer privaten Fahrt ein lukratives Geschäft wird. Die Praxis sieht dann wie folgt aus: In einem Pick-Up mit sechs Sitzen fuhren wir zu neunt plus unser Gepäck. Träumte ich. Denn gerade hatten wir den Busbahnhof verlassen, da hielten wir noch einmal an, um weitere 40 Bierkästen Guiness aufzuladen. Immerhin weiß ich jetzt, warum es in Ebodjé kein Trinkwasser gibt. Die Prioritäten liegen einfach woanders. Um aber auch mal Komplimente zu verteilen: Der Fahrer hatte das Gepäck so gut gestapelt, es erinnerte an einen Jenga-Turm im Anfangsstadium. Um kein zusätzliches Risiko einzugehen setzten sich zwei Personen, die im Auto ohnehin keinen Platz mehr fanden, auf den Turm und behielten das Balance-Spiel im Blick.

Von Kribi nach Ebodjé: Mit Hochschwangerer Frau über die Erdpiste

Wir fuhren los. Nochmal zusammengefasst: Ich teilte mir den Beifahrersitz mit einer weiteren Person, hinten saßen vier Menschen und auf der Ladefläche, auf den gestapelten Bierkästen zwei weitere Passagiere. Nach wenigen Metern rief ein Mann „Haben wir eine Hebamme an Bord?“. Ich hatte es bisher nicht gemerkt, doch hinten saß eine hochschwangere Frau. Die Huckel auf der Erdpiste schlugen mir solche Löcher in den Bauch, mich hätte es nicht gewundert, wenn wir innerhalb weniger Minuten zu zehnt an Bord gewesen wären.

Es war bereits zwölf Uhr Mittags, doch immerhin rollten wir nun. Bis zur ersten Straßenkontrolle jedenfalls. Hier ließ man sich bei der Prüfung unseres Wagens ausgiebig Zeit – anscheinend gab es den Verdacht, dass wir überladen seien. Dieser Verdacht sollte sich nach einem Gespräch zwischen Fahrer und Kontrollbeamten jedoch als nicht haltbar erweisen. Toll, was doch Gespräche alles bewirken können! Im Clando war man sich jedoch einig: Die Machenschaften des Präsidenten Paul Biya ziehen sich bis in den entlegensten Landstrich, es sei Zeit ihn und seine Sippe wegzurasieren! (Zitat Ende).

Gegen 14 Uhr wurde ich endlich in Ebodjé rausgeworfen. Die Männer auf der Ladefläche stiegen hinab und blickten mich mit völlig verstaubten, roten Gesichtern an. Einer scherzte zu mir: „Jetzt seh ich aus wie du!“ „Moment Mal!“ dachte ich, „Ich bin vielleicht weiß, aber doch nicht rot!“…bis ich meine von der Sonnencreme vernachlässigten Hummer-Arme begutachtete. Egal, ich war endlich da!

Ebodjé – Strandurlaub und Schildkröten in Kamerun

Folge mir auf meiner Reise nach Ebojdé, einem abgeschiedenen Dorf mit lokal aufgebauter Ökotourismus-Anlage, sowie der Möglichkeit Riesenschildkröten in der Natur zu sehen.

Die Rückfahrt: Geschenke und Matchogehabe

Während ich also auf der Hinfahrt ein Clando genommen habe, fand sich für die Rückfahrt eine noch etwas abenteuerlichere Alternative. In Ebodjé bot mir ein kräftiger Mann an, mit ihm und seiner Frau gegen eine faire Bezahlung mitzufahren. Ich willigte ein – was konnte ich anderes tun? Es gab keine Alternativen. Der kräftige Mann, nennen wir ihn Louis, hatte aber noch großen Durst. Und mit solch großem Durst lässt sich nicht gut Autofahren. Also leerte Louis in drei Bärenschlücken das 0,66 Liter Bier und schmiss sich in seinen so weit nach hinten geschraubten Fahrersitz, dass seiner Frau auf der Rückbank die Beine abgeschnürt wurden.

Was folgte war eine Mischung aus netten Gesten und Ultramatcho-Männergehabe. Wenige hundert Meter hinter dem Dorf wichen wir kurz vom Weg ab, denn Louis bestand darauf, dass wir frische Kochbananen von seinen Plantagen nach Hause mitbringen – als Geschenk. Schnell also stiefelte Louis in das Dickicht und schmiss kurz darauf eine die Staudenfrüchte in den Kofferraum. Die Reifen seufzten kurz, dann drehten sie sich wieder in gewohnter Manier. Es ging weiter.

Es war extrem trocken, also wollte ich das Fenster schließen, um zu verhindern, dass der Staub ins Auto gelangt. Das ließ sich – so interpretierte ich jedenfalls Louis‘ lautes Lachen, als hoffnungsloses Unterfangen einordnen. „Der Staub muss ein bisschen arbeiten! Wenn du keinen Staub auf der Haut hast, wird man sich in Yaoundé fragen, ob du wirklich in Ebodjé warst!“ Es ging also weiter auf der huckeligen Piste, auf der immer dann mein Herz liegen blieb, wenn wir über die bröckeligen Holzbrücken holperten.

Louis und seine Frau waren total nett. Ihr Angebot mich zu fahren, das Geschenk, lustige Gespräche. Doch die Art wie Louis nicht mit, sondern über seine Frau sprach, wie er schon da saß, in Liegeposition, seine Frau hinter ihm eingequetscht und dann die ganzen Nachfragen in meine Richtung: Wie kamerunische Frauen so sind, wie man mit ihnen umzugehen hat – sehr sehr unangenehm. Seine Frau sprach eigentlich nur einmal richtig. Sie stimmte mir und meinem Weltbild zu, dass in einer Beziehung der Mann nicht alles alleine entscheiden sollte. Ich habe mich auch nach zwei Jahren nicht an das Rollenverständnis vieler Teile der kamerunischen Gesellschaft gewöhnt. Und das betrifft nicht nur viele Männer, sondern auch Frauen.

Die Straßenkontrollen regelte Louis übrigens auf eine andere Weise als unser Buschtaxi auf dem Hinweg. Kein langes Gemauschel hinter verschlossenen Türen, sondern: Lautes Lachen, dem Kontroll-Polizisten einen Geldschein in die Hand gedrückt und frech nachfragen, ob man dafür nicht noch einen Kaffee ins Auto serviert bekommt. Schließlich kamen wir in Kribi an. Das Ehepaar setzte mich direkt am Busbahnhof ab, packte die Kochbananen in eine Tüte und verabschiedet sich von mir. Ab hier standen noch sechs Stunden Busreise bis nach Yaoundé vor mir.

Noch nicht genug?

Wenn du mehr über meine Reisen erfahren willst, dann schau doch gerne hier auf meinen unterschiedlichen Reise-Seiten vorbei:

Libanon

Meine Libanon-Reise zu römischen Tempeln, weiten Stränden und verschneiten Skigebieten!

Kamerun

Seit April 2022 lebe ich in Kamerun und bin seitdem immer wieder von seinem touristischen Potential überrascht!

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