Afrika,  Kamerun,  Ostkamerun

Lobeke Nationalpark: Neue Schlangenart im Regenwald Kameruns entdeckt?

Fünf Uhr morgens. Es ist noch stockfinster inmitten des Regenwaldes des Kongobeckens und mein Wecker klingelt mich aus meinem Schlaf. Ich steige aus meinem Zelt, ziehe mir ein langärmliges Hemd über und wecke die anderen: Tim, Fabienne, dazu unseren Waldführer und die beiden bewaffneten Wächter. Wenige Minuten später, es dämmert bereits, verlassen wir unser kleines Basiscamp und schlagen uns hinein in den dichten Urwald. Unser Ziel: Die Waldlichtung Djaloumbé.

Wanderung im Morgengrauen – Zur Aussichtsplattform

Wir befinden uns am südöstlichsten Zipfel Kameruns, zwei volle Fahrttage entfernt von Yaoundé, im sogenannten Lobéké-Nationalpark. Dieses Schutzgebiet von der Größe des Saarlands ist Teil der zweiten Lunge der Erde – dem Kongobecken – und beherbergt eines der ursprünglichsten Ökosysteme, die es auf der Welt noch zu bestaunen gibt. Es ist die Heimat von Büffeln, Gorillas und Elefanten. Und wir, an diesem noch frischen Märzmorgen, stehen mittendrin. Unter uns das dunkle, raschelnde Laubwerk, über uns gigantische, von den Wetterleuchten aufflackernde Baumriesen. Das nächste Krankenhaus ist hundert Kilometer entfernt.

Im schwachen Blaulicht dieses Morgens können wir die Weite dieses Waldes nur erahnen. Wir steigen über tote Baumstämme, schlagen hier und dort einen dornigen Zweig aus unserem Sichtfeld und blicken nur so weit wie unser Atem reicht. Plötzlich kommt dieser zum Stocken. Affen huschen kreischend durch verborgene Baumkronen über unsere Köpfe hinweg. Kurz halten wir inne, mustern erfolglos das dunkle Dickicht und marschieren dann weiter. Wir wollen noch vor Sonnenaufgang den Aussichtspunkt der Waldlichtung erreichen.

Aussicht und Geduld – Tiere Beobachten im Mirador

Kurz vor sechs besteigen wir die hölzernen Stufen dieses in den Urwald gezimmerten Miradors. Er kommt ein bisschen wie eine zu groß geratene Jägerhütte daher und ist aus mir unbekannten Gründen blau lackiert. Oben erwartet uns eine Sitzbank und ein großes Fenster mit abgegriffenen Metallgittern. Es zeigt hinaus auf eine friedliche Waldlichtung. Die Lichtung ist umrandet von dichtem Regenwald, vor uns schlängelt sich ein Fluss durch den nahrhaften Boden und am hinteren Ende der Lichtung ragt ein riesiges Palmentor empor, groß genug, um mehreren Elefanten gleichzeitig Einlass zu gewähren. Doch in diesem Moment ist die Lichtung leer, kein Tier ist zu sehen. Es herrscht absolute Ruhe. So setzen wir uns hin und warten auf unsere erste Begegnung.

Tiere zu beobachten erfordert viel Geduld und Disziplin. Und so haben wir Zeit uns an der Reiche der Natur zu begeistern. Gestern Nacht noch regnete es stürmisch auf unser Camp hinab. An diesem Morgen nun schauen wir dem Tau zu, wie er sich als Wasserdampf von den Blättern löst und sich dann in majestätischer Geduld über die Bäume hinweg zum Himmel erhebt. Die Morgensonne taucht die sich bildenden Wolken in goldenen Schimmer. Da betritt auch schon ein erstes Tier die Szene!

Die erste Tier-Begegnung – Stolz aber Langweilig

Es ist ein Reiher. Dünne Beine, grau-schwarzes Federkleid – man kennt es. Er stolziert so langsam über die Lichtung, man könnte meinen, er versuche die verzögerte Ankunft der Hauptdarsteller zu überspielen. Nach fünf Minuten geht er uns schon auf den Geist. Hau ab, blödes Vieh! Am Ende bist du vielleicht sogar der Grund, warum sich hier niemand blicken lässt!

Ich schaue auf die ins Holz geschnitzten Malereien der vorherigen Besucher: Elefanten mit fünf Beinen, geflügelte Pferde, Phönix-gleiche Kreaturen. Wie viele Stunden haben die steinzeitlichen Touristen hier verbittert gewartet? Wurden sie verrückt und dachten sich in ihrer Verzweiflung Fabelwesen aus, die sie dann mit einem geklauten Werbe-Kugelschreiber auf die Tischbank kritzelten? Höhlenmalereien werde ich ab heute unter ganz anderen Vorzeichen betrachten. Dreißig weitere Minuten vergehen. Zählt man noch die Ente und den Schwarm Tauben hinzu, kann man die beobachtete Fauna, mit der des Treptower Parks vergleichen. Um 6:30 jedoch erklingt der Weckruf.

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Auf den Weckruf – Ein Affe im Gezweig

Es ist Fabienne’s Wecker, der jeden Tag um diese Uhrzeit klingelt. Nur heute eben nicht in einem Betonbau eines kamerunischen Außenbezirks, sondern über eine stille Waldlichtung schallend. Klasse, denke ich mir, nun sind die Tiere wach und können kommen. Und tatsächlich: Ohne, dass wir es merken, postiert sich ein Mantelaffe gut sichtbar auf einen dicken Ast neben uns. Mantelaffen gehören zu den Stummelaffen und haben neben ihren namensgebenden stummeligen Daumen eine markante weiße Gesichtsumrandung im sonst schwarzen Fell. Für fast eine halbe Stunde sitzt er dort, fast reglos, bis er dann auf einmal ganz plötzlich wieder im Unterholz verschwindet.

Bis um elf Uhr sitzen wir noch im Mirador – ein jeder schiebt hier und dort ein Nickerchen ein – da beschließen wir zum Mittagessen zu unserem Basiscamp zurückzulaufen. Jetzt erst sehen wir den Wald deutlich in all seiner Faszination. Unter uns gibt es nicht nur altes Laub, sondern auch Pilze, Würmer und frische Elefantenspuren von letzter Nacht. Die schwarzen Baumriesen verwandelten sich in unserer Abwesenheit in grünes Laubwerk, massige Stämme und knorrige Lianen. Schnell entwickele ich auch hier meine Alltagsroutinen: Schon wieder diese Dornenpflanze, die an meinem Bein hängen bleibt, noch einmal dieses Gezweig, das mir im Weg hängt. Routiniert also schneidet unser vorauslaufender Führer den Ast mit seiner Machete ab, da bleibt er plötzlich alarmiert stehen.

Gefährliche Begegnung mit einer Giftigen Schlange

Eine Schlange hing im Gezweig, genau auf unserer Kopfhöhe und liegt jetzt, von der Machete hinuntergeschleudert verwundet auf dem Boden vor uns. Die Szene ereignete sich so schnell, wir sind alle ineinander gerauscht wie die marschierenden Elefanten aus dem Dschungelbuch. Der Führer zeigt mit seiner Machete auf die Schlange und befiehlt uns Abstand zu wahren. Hoch giftig. Dann hebt er sie mit einem langen Stock ins Gebüsch nebenan und öffnet den Weg für das ängstliche Fußvolk.

Um der Geschichte etwas vorwegzugreifen: Wir zeigten das Bild später dem Park-Konservator, der die Schlange noch nie im Leben gesehen hatte. Womöglich, sagte er in etwas zu ernstem Ton, wird diese neue Gattung später mit unserem Namen in die Tier-Lexika dieser Welt eingehen. Natürlich, so stellte sich später heraus, wurde diese Schlangenart bereits vor langer Zeit identifiziert und klassifiziert – von einem gewissen Hallowell. Ihr Name lautetet aber nicht Serpentus Hallowellus, sondern Thelotornis Kirtlandi, nach Jared Potter Kirtland, einem amerikanischen Politiker und Weichtierforscher. Eine schöne Kombination übrigens. Ach, und sie ist tödlich.

Einkehr im Basiscamp – Teil 2 Folgt

Es war wirklich Zeit in die Basis einzukehren und die Eindrücke sacken zu lassen. Unser Camp, eine einfache Schutzhütte mit Wellblechdach und ohne Wände, war nun zum Leben erwacht. Mamma Cosette, die in eine Sportjacke mit der Aufschrift „Gasthof Goldener Hahn Waldsassen“ gekleidete Köchin, bereitete uns unsere mitgebrachten Instant-Nudeln zu, ein wenig gewürzt mit einem hier geernteten Riesenpilz. Der Träger Apila pflückte uns derweil frische Zitronen von einem Baum. Wir sind erst seit einem Tag im Lobéké-Nationalpark und es fühlt sich zugleich surreal und alltäglich an. Schließlich hatten wir eine lange, unebene und mit Unannehmlichkeiten gespickte Anreise…doch das, erzähle ich euch ein andern Mal…

Noch nicht genug?

Wenn du mehr über meine Reisen erfahren willst, dann schau doch gerne hier auf meinen unterschiedlichen Reise-Seiten vorbei:

Mount Cameroon Besteigung

Komm mit auf 4090 Meter Höhe, auf den Vulkan Mount Cameroon! Zwischen Sandstrand und Regenwald liegt dieser mystische Krater, den ich mit einem Freund bestiegen habe.

Strandurlaub in Ebodjé

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Wohinnoch? ist ein Reiseblog, in dem wir mit ausgiebig Zeit die weniger beachteten Orte dieser Welt besuchen.

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