Afrika,  Kamerun,  Kamerun Reisetipps

Sicher durch Kamerun: Politische Lage, persönliche Risiken & Verhaltenstipps

Die Frage, die ihr mir vor euren Kamerun-Reisen am häufigsten stellt ist: Ist eine Reise nach Kamerun sicher? Die Antwort und was du für deine Sicherheit tun kannst, erfährst du in diesem Blogeintrag! In drei Teilen schildere ich erst die politische Sicherheitslage – also Konflikte, Unruhen und Terrorismus. Der zweite Teil betrifft deine persönliche Sicherheit – beeinflusst zum Beispiel durch Krankheiten, Kriminalität oder den Straßenverkehr. Im dritten Teil schließlich präsentiere ich dir alltägliche Szenen -z.B. eine Straßenkontrolle und erkläre, wie du dich am Besten verhälst. Als Fazit gibt es von mir eine 10-Punkte Checkliste für deine Sicherheit.

Disclaimer

Dieser Beitrag spiegelt meine persönlichen Erfahrungen als weißer, männlicher Reisender in Kamerun seit 2022 wieder (Stand: Juni 2025). Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Objektivität. Für verlässliche und aktuelle Informationen bitte die Website des Auswärtigen Amtes nutzen. Ziel ist es, Reisenden ein Gefühl für Möglichkeiten und Risiken vor Ort zu vermitteln.

Politische Sicherheitslage

Über die politische Sicherheitslage informiert dich vor deiner Reise das Auswärtige Amt, sowie oft etwas detaillierter und aktueller das britische Foreign Office. Kurz zusammengefasst galt Kamerun lange Zeit als Stabilitätsanker in Zentralafrika. Ein Beispiel ist der soziale Zusammenhalt trotz verschiedener Religionsgemeinschaften (Islam, Christentum), Bevölkerungsgruppen (über 200 Sprachen) und kolonialer Vergangenheit (Deutschland, Frankreich, England). Jedoch hat Kamerun in den letzten Jahren an Stabilität eingebüßt. Was heißt das für deine Reise? Ein Blick auf die Karte gibt Orientierung.

Karte des UK Foreign Office Stand Juni 2025

Die grünen Gebiete sind politisch stabil, du kannst dich dort frei bewegen. Sie umfassen die Städte Yaoundé und Douala, den Badeort Kribi, die beliebte Westregion um Bafoussam sowie den Süden und Osten. In diesen Gebieten kannst du mehrere Wochen abwechslungsreichen Urlaub verbringen.

Die roten Gebiete solltest du auf keinen Fall bereisen. Sie umfassen fast den gesamten Nord- und Südwesten (NOSO), wo seit fast 10 Jahren englischsprachige Separatisten gegen Regierungstruppen kämpfen. Auch der extreme Norden ist ein No-Go, hier besteht durch Boko Haram ein Entführungsrisiko. Zudem sind die Grenzgebiete, besonders zur Zentralafrikanischen Republik, wegen bewaffneter Gruppen unsicher.

Zwischen den roten und grünen liegen noch die orangenen Gebiete. Hier gilt eine eingeschränkte Reisewarnung. Das betrifft aktuell den Südwesten um Buea, Limbé und Mount Cameroon, sowie das Adamaoua und Teile des Nordens (um Garoua) und des Extremen Nordens (Maroua). Eine Reise solltest du hier genau abwägen. Bei ruhiger Großwetterlage ist eine Reise durchaus möglich. Vorkehrungen wie einen zuverlässigen Fahrer/Guide, ein gutes Auto und Hotel, oder eine Reisegruppe erhöhen in jedem Fall deine Sicherheit. Ist die Lage unruhig – wie höchstwahrscheinlich während der im Oktober 2025 anstehenden Präsidentschaftswahlen – solltest du eine Reise hierhin vermeiden.

Fazit: Der beste Weg politische Risiken zu vermeiden besteht daran, den risikobehafteten roten Regionen fern zu bleiben. Da die Konflikte regional begrenzt sind, steht einer ausgiebigen Reise durch die grünen und – nach Abwägung – orangenen Gebiete Kameruns nichts im Wege.

Persönliche Sicherheit

Hältst du dich an die genannten Empfehlungen, hast du das größte Risiko bereits aus dem Weg geschafft. Jetzt geht es um deine persönliche Sicherheit. Die größten Gefahren sind Krankheiten (Malaria) und Verkehrsunfälle. Was du tun kannst, um diese Risiken zu minimieren, besprechen wir jetzt.

Medizinischer Schutz

Vor der Reise

Vor deiner Reise solltest du unbedingt eine Auslandskrankenversicherung abschließen – diese bekommst du schon für unter 50 € – z. B. bei Hanse Merkur oder der Halleschen. Einige Wochen vor deiner Reise solltest du dich beim deinem Hausarzt oder im Tropeninstitut über die empfohlenden und Pflichtimpfungen informieren. Pflicht bei der Einreise ist die Gelbfieberimpfung.

Das größte Gesundheits-Risiko vor Ort ist eine Malariaerkrankung. Malaria wird durch Stechmücken übertragen – das Risiko ist bis auf den Norden und Westen überall sehr hoch. Daher solltest du dich bereits in Deutschland mit Malariatabletten eindecken und die Prophylaxe starten. Die Tabletten können bei ausgebrochener Krankheit in höherer Dosis auch als Gegenmittel genommen werden. Daher genügend Vorräte mitnehmen. Für langfristige Aufenthalte in Städten macht eine Prophylaxe weniger Sinn. In den Apotheken Kameruns kannst du dich mit Malaria-Schnelltests eindecken. Außerdem mitnehmen: Sonnencreme, Choleratabletten, und eine kleine Medikamententasche.

Während der Reise

Während der Reise schützt du dich vor Mücken am Besten durch lange Kleidung, Mückenspray und Moskitonetze bzw. Klimaanlagen im Zimmer. Bemerkst du einen Stich, besteht kein Grund zur Panik. Solltest du jedoch Symptome wie Gliederschmerzen, Schwindel oder Fieber bemerken, führst du am Besten einen Schnelltest durch. Bei positivem Resultat Malariamedikamente einnehmen und bei starken Symptomen einen Arzt aufsuchen.

Leitungswasser solltest du in Kamerun nicht trinken. Auch empfehle ich beim Essen langsam einzusteigen, um Magenprobleme zu vermeiden (am Anfang wenig Fleisch und Fisch oder frische Salate). Generell gilt: Das Essen in schlecht besuchten Edelhotels ist oft weniger frisch, als der Fisch in einer gut besuchten Strandküche.

Schutz vor Kriminalität

Du kannst dich in Kamerun relativ problemlos zu Fuß oder mit Taxi fortbewegen. Jedoch führen Kameruns schnell anwachsende Städte und die daraus enstehenden Konflikte zu erhöhter Kriminalität, die du ernst nehmen solltest.

Die Art der Fortbewegung hat den größten Einfluss auf deine Sicherheit. Tagsüber sind Spaziergänge und Taxifahren recht sicher. Sammeltaxis sind für einen kurzen Lift ok, aber nicht für eine Fahrt mit Gepäck zum Flughafen. Verhalte dich dabei stets low-profile. Das heißt: Sei unauffällig, respektvoll und achtsam. Trage keine Wertgegenstände offen mit dir herum und erkundige dich im Voraus über den Ort, den du besuchen willst. Ortskundige Begleitung (Guide, Fahrer) hilft, umso mehr, wenn du die Sprache nicht sprichst. Große Märkte oder Demonstrationen sollten wenn möglich umgangen werden.

No Gos sind Spaziergänge oder Sammeltaxifahrten in der Nacht. Hier unbedingt die Taxi-App Yango benutzen. Ein verifizierter Fahrer holt dich innerhalb weniger Minuten von deinem Standort ab und bringt dich unkompliziert an deinen Zielort. Ich benutze Yango täglich und hatte bisher keine größeren Probleme. So hast du das größte Risiko bereits stark reduziert. Nächtliches und begleitetes Ausgehen in Clubs ist relativ unproblematisch.

Straßenverkehr

Transport ist ein so wichtiges Thema, ich habe ihm einen eigenen Blogeintrag gewidmet, denn: Verkehrsunfälle sind ein richtiges Problem in Kamerun. Pro Jahr sterben doppelt so viele Menschen bei Verkehrsunfällen wie in Deutschland. Und das obwohl Deutschland drei Mal so viele Einwohner hat. Das Risiko lässt sich mit ein paar Faustregeln recht leicht senken:

  1. Kein Mototaxi in der Großstadt. Ich kenne viele Kameruner mit Brandnarben am rechten Schienbein. Diese entstehen, wenn das Motorrad nach rechts umkippt und dein Bein zwischen Boden und heißem Auspuff eingequetscht wird. Keine Seltenheit im engen Stadtverkehr.
  2. Reise nie Nachts! Die meisten Unfälle auf der Straße ereignen sich bei Dunkelheit. Landstraßen haben meist nur eine Spur pro Richtung und sind umgeben von dichtem Buschwerk. Riskante Überholmanöver, Müdigkeit und Drogeneinfluss am Steuer sind nicht auszuschließen.
  3. Ein vertrauenswürdiger Fahrer an deiner Seite bei längeren Reisen durch das Land wird deine Sicherheit und deinen Komfort ungemein erhöhen.
  4. Buche VIP-Busfahrten: VIP heißt im Grunde nicht mehr, als dass der Bus eine Klimaanlage hat. Doch oft korreliert dieser Luxus auch mit der Anwesenheit eines Gurts, den du umschnallen solltest.

Bekannte Situationen

Nun gehen wir ein paar Situationen durch, die dir auf deiner Reise wahrscheinlich begegnen werden. Vorher zu wissen, wie du dich verhälst, steigert das eigene Wohlbefinden und Sicherheit ungemein.

Vom Flughafen ins Hotel

Ankunft spätabends in Yaoundé. Du hast kein Internet und keinen Plan, wie du zu deinem Hotel kommst? Darum solltest du diesen Transport vor deiner Reise planen! Oft bieten Hotels Shuttle-Leistungen an. Auf meinem Blog findest du außerdem eine Liste vertrauensvoller Fahrer. Kosten ca. 10-15k FCFA. Doch selbst wenn das geklärt ist, gibt es noch einiges zu beachten.

Der Flieger landet und du verlässt das Flugzeug. Auf dem Weg zur Gepäckabgabe werden von Flughafenmitarbeitern Bordkarte und Impfausweis (Gelbfieber-Impfung) kontrolliert. Danach reihst du dich an den Schaltern zur Visum-Kontrolle ein (die Aufschriften Locals/Ausländer spielen keine Rolle!). Meist wird dir kurz vorher eine weiße Karte mit Fragen zu deiner Reise in die Hand gedrückt – einfach ausfüllen und beim Schalter abgeben. Hast du ein E-Visum beantragt, musst du dir vorher an den Schaltern rechts noch den Stempel abholen.

Hast du an der Gepäckabgabe deinen Koffer bekommen, geht es stichprobenartig durch die Zollkontrolle. Wenn dich ein Mitarbeiter bittet den Koffer zu öffnen: Kooperieren und low-profile verhalten. Dann lassen sie dich meist schnell weiter. Dann mit Koffern durch die Eingangshalle und nach deinem Fahrer (Namensschild wichtig!) Ausschau halten. Alle anderen Taxi-Angebote freundlich aber deutlich ablehnen. Mit deinem Fahrer mitgehen, rein ins Auto (meist auf dem Parkplatz draußen) und ab ins Hotel!

Straßenkontrolle

Auf der Landstraße siehst du in der Ferne eine Schranke und ein Holzhäusschen – eine Straßenkontrolle. Aus Deutschland sind wir weder Kontrollen noch bewaffnete Männer im Alltag gewöhnt. Doch Straßenkontrollen sind in Kamerun ganz normal und kein Grund zur Panik. Die Offiziere machen ihren Job. Daher: Ruhig bleiben und kooperieren. Doch einen Haken gibt es: Staatsdiener sind in Kamerun schlecht bezahlt, was viele dazu veranlasst, ihr Gehalt über Umwege aufzubessern. Daher werden manche versuchen, die Gültigkeit deines korrekten Visums anzuzweifeln, Pannen am neuen Land Rover zu finden oder frei heraus ein Bier zu verlangen. Kurz: Sie wollen Beschleunigungsgeld. Das ist wahnsinnig frustrierend und hat schon manchem Reisenden den letzten Nerv gekostet. Doch es ist wichtig zu wissen:Du bist hier nicht in Gefahr. Bleibe höflich, ruhig, stark und geduldig. Dann lassen sie dich irgendwann weiterziehen. In einen offenen Schlagabtausch solltest du dich auf keinen Fall begeben – das macht es nur noch schlimmer! Und wenn du in Eile bist und keinen Lust auf das Drama hast, gibt es immer noch die Möglichkeit, in den Geldbeutel zu greifen…

Nächtlicher Heimweg

Eine Nacht im Club, einige Drinks intus und nur noch ein Ziel: Nach Hause. Verlasse den Club nicht, ohne zu wissen, wie du diesen Weg bewerkstelligst. Rufe noch im Club ein Yango. Oft helfen dir die Türsteher oder Barkeeper dabei, dem Chauffeur den Abholort zu schildern. Erst wenn der Fahrer da ist, verlässt du den Club und steigst direkt ins Auto. Der Fahrer soll dich direkt vor deiner Haustür absetzen.

Malaria?

Seit heute Morgen ist dir schwindelig, du hast Durchfall und leichtes Fieber. Du fragst dich: Habe ich Malaria?  Mache einen Schnelltest. Negativ? Dann bleibe erstmal ruhig, nimm dir einen Tag Pause, iss nur „sichere“ Speisen und beobachte deine Symptome. Im Regelfall geht es dir am Folgetag direkt besser. Ist der Test jedoch positiv, solltest du sofort mit deiner Malariabehandlung (Tabletten) beginnen. Verschlechtern sich die Symptome, solltest du unbedingt einen Arzt aufsuchen. In Kamerun weiß man, wie man Malaria behandelt. Im Krankenhaus gibt es meist eine Infusion und man ist innerhalb weniger Tage wieder fit.

Wichtig zu wissen: Eine Malaria verläuft wellenartig, das heißt selbst nach überstandenem Fieber an Tag 1, bist du noch nicht fein raus. Gehe es die folgenden Tage langsam an, sei achtsam und nimm weiter deine Medikamente. Zurück in Deutschland solltest du die Malaria-Tabletten je nach Packungsbeilage noch ein paar Tage weiter einnehmen, um einen Ausbruch zu verhindern.

Fazit: 10-Punkte Checkliste

  1. Reise nur durch grüne (und ggf. orangene) Regionen.
  2. Verhalte dich unauffällig („low-profile“) und respektvoll.
  3. Nimm Malaria-Prophylaxe (Tabletten) ein – vor allem bei Touren durch ländliche Gebiete.
  4. Informiere dich regelmäßig über die aktuelle Sicherheitslage (z. B. Auswärtiges Amt / UK Foreign Office).
  5. Trage abends lange Kleidung als Mückenschutz.
  6. Schlafe unter einem Moskitonetz oder in einem klimatisierten Raum.
  7. Reise möglichst nicht allein – idealerweise zu zweit oder mit ortskundiger Begleitung.
  8. Miete dir bei Überlandreisen einen ortskundigen Fahrer mit zuverlässigem Fahrzeug.
  9. Vermeide nächtliche Überlandfahrten – sie sind das größte Verkehrsrisiko.
  10. Nutze in Städten ausschließlich verifizierte Fahrdienste wie die Taxi-App Yango oder vertrauensvolle Privatfahrer.

Wer schreibt hier?

Ich bin André, lebe seit 2022 in Kamerun und bin dein Anlaufpunkt für Reisen in Kamerun. Auf Wohinnoch? erkunde ich mit euch die Welt, schreibe Erfahrungen nieder und gebe euch Reisetipps. Wenn diese Worte nicht meine letzten an dich sein sollen, kannst du meinen Blog abonnieren und mir auf Instagram folgen.

Reiseblog

Zum Reiseblog über mein Leben als Teil einer Familie in Kamerun.

Reisetipps

Planst du selber eine Reise nach Kamerun? Hier findest du alle Infos über Anreise, Aufenthalt und bekommst Kontakte und Tipps.

Wohinnoch? ist ein Reiseblog, in dem wir mit ausgiebig Zeit die weniger beachteten Orte dieser Welt besuchen.

Kommentar verfassen

Translate »

Entdecke mehr von wohinnoch?

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen