Mein Osterwochenende in Kamerun
In Kamerun ist das Osterwochenende etwas kürzer als in Deutschland. Karfreitag ist auch hier Feiertag, aber am Ostermontag geht’s für Angestellte wie mich schon wieder zurück ins Büro. Genug Zeit aber, um dem Alltag zumindest ein bisschen zu entkommen. Am Freitag bin ich zur Abenddämmerung auf den Nkolondom-Berg nördlich von Yaoundé gewandert. Sonntags war ich auf der Ostermesse. Bei beiden Events hatte ich meine Kamera dabei und nehme euch daher jetzt mit durch eine Bilderserie und die dazugehörigen Geschichten.
Wanderung und Höllenritt
Wandern bei Dämmerung ist in Kamerun eine heikle Angelegenheit. Zwischen Nachmittagshitze und Finsternis liegen nämlich nur zwei Stunden. Die ersten Kilometer absolvierten wir demnach schwitzend und schnaufend und mussten uns trotzdem beeilen, um nicht bei Dunkelheit mitten in der Natur zurückzubleiben. Unser Weg führte uns auf den Nkolondom-Berg. Man startet in den jungen und anarchisch anwachsenden Vororten Yaoundés, und steht nach zwei Stunden auf dem noch von Regenwald bedeckten Gipfel.

Wir orientierten unsere Routenführung entlang der heulenden Kettensägen. Es ist wirklich verrückt, wo mittlerweile überall Rohbauten stehen und bald stehen werden. Steile, kürzlich entwaldete Hänge scheinen die einzige noch halbwegs günstige Möglichkeit zu sein, um in Yaoundé ins Immobiliengeschäft einzusteigen. Die Apartmenthäuser wirken wie Wetten auf die Zukunft, auf Stromkabel, Wasserleitungen und asphaltierte Straßen, die der Staat irgendwann auch in diese Vororte wird verlegen müssen.

Irgendwann erreichten wir dann aber doch die fließende Grenze zwischen Wohraum und Natur. Es ging einige Kilometer über rudimentäre Erdpisten steil bergauf, bis wir schließlich vor einem Regenwald standen, durch den weder Allradauto noch Motorrad passte. Doch selbst hier waren wir nicht allein: An einer Waldlichtung steht eine Pilgerstätte. Die wenigen Gläubigen, die hier zeitweise wohnen, sehen in diesem Ort ein Refugium vor dem Großstadtwahn.

Auch später stießen wir immer wieder auf sporadisch gezimmerte Holzbaracken. Niemand da, nur Wäsche auf der Leine, ein Kochtopf über dem Feuer. Wir stiegen langsam über die andere Hangseite hinab, große Felsen wiesen uns den Weg ins Tal. Die Aussicht auf Yaoundé ist von hier aus einmalig. Wir schauten von den stetig wachsenden Vororten, über den Präsidentenpalast bis hinein in das Stadtzentrum. Doch wir mussten uns beeilen: Die Dunkelheit.

Die Sonne tauchte gerade ab, da betraten wir wieder Neubaugebiet. Nun galt es nur noch eine Mitfahrgelegenheit aufzuspüren. Auf den Taxiservice Yango konnten wir uns so weit abseits nicht verlassen und so fiel unsere Wahl auf ein Motorradtaxi. Es wurde ein echter Höllenritt.

Unser Fahrer fuhr, wahrlich als hätte ihn der Teufel geritten, blindlings über die steil-holprige Buckelpiste. Ich saß an letzter Position, klammerte mich an die Sitzstange und malte mir aus, wie mein Hinterkopf auf die Piste aufschlug. Meine verkrampfte Haltung trug übrigens nicht zur Stabilität des Gefährts bei. Mittlerweile war es stockduster und wir hatten keine Ahnung wo wir waren. An einer großen Kreuzung gab uns der Höllenreiter dann endlich zu verstehen, dass wir ab hier ein Taxi finden würden. Geschafft.
Ostermesse mit Kirchenchor
Um mich bei der Ostermesse zu beschäftigen, hielt ich es für eine gute Idee, meine Kamera mit in die Kirche zu nehmen. Den Kirchenchor meiner Freundin kennt ihr schon aus früheren Blogeinträgen. Eine lustige Truppen aus jungen Eltern, dirigiert von einem väterlichen, talentiert-perfektionistischen Chorleiter. So wurden vor der Messe in einem leeren Klassenzimmer noch einmal ohne große Worte die letzten Harmonien einstudiert.

Dass viele der Lieder aus seiner Feder stammten, hatte ich erst neulich erfahren und ließ mich nicht schlecht staunen. Denn oft hallen die in der Kirche gesungenen Texte aus hundert Kehlen zurück. Vor allem heute, da die Kirche rappeldickevoll war, erzeugte die Masse ein jubelndes Fest. Viele Menschen hatten sich aus Platzmangel draußen hingestellt, um wenigstens mithören zu können. Wie früher, wenn ich draußen an der Wuhlheide-Bühne stand, weil die Konzerttickets zu teuer waren.


Wie eine Messe abläuft muss ich euch nicht erklären. Aktuell sammelte die Gemeinde Geld für den Bau eines neuen Pfarrhauses. Ein Plakat vor dem Altar, das eine schicke Villa skizzierte, wirkte auf mich etwas befremdlich. Es wurden erst die Frauen, dann die Männer und schließlich die Kinder zum Spenden gebeten. Fromme Eltern zahlten also dreifach. Mit Taufen und Kommunion gab es heute aber auch das volle Programm.


Vor allem: Es war wieder einmal schön den Kirchenchor in voller Besetzung zu hören. Die Verwandlung von einem quirligen Stimmengewirr in einen einzigen Klangkörper mitzuerleben ist immer wieder beeindruckend. Ich saß dabei direkt hinter den Sängern und musste deren Kinder bei Laune und Disziplin halten, damit nicht auf einmal ein Dreijähriges neben dem Pfarrer steht…schon passiert.


Nach über zwei Stunden war die Messe gelesen und wir bewegten uns wieder nach draußen. Während der Ostertrubel längst in den Straßen von Yaoundé verschwunden war, quatschten wir noch im Schatten des angrenzenden Schulhofs über die Messe und alles, was man in Kamerun lieblich Kongossa nennt.



Wer schreibt hier?
Ich bin André, lebe seit 2022 in Kamerun und bin deine Anlaufstelle für Reisen in Kamerun. Auf Wohinnoch? erkunde ich mit dir die Welt, schreibe Erfahrungen nieder und gebe Reisetipps. Wenn diese Worte nicht meine letzten an dich sein sollen, kannst du meinen Blog abonnieren und mir auf Instagram folgen.





2 Comments
Manuela
Lieber André, deine Reiseberichte sind immer wieder interessant und spannend geschrieben. Sie lassen mich in eine andere Welt eintauchen – weit entfernt von Deutschland. Man bekommt große Lust, das Land Kamerun selber einmal zu bereisen. Vielen Dank und ich freue mich immer, etwas von dir zu lesen.
Liebe Grüße aus deiner Heimat Berlin-Karlshorst.
Manuela
Andre
Hallo Manuela! Schön von dir zu lesen und das freut mich sehr zu hören, danke! In Karlshorst gibt es seit neuestem ja einen Kamerun-Botschafter, der dir bestimmt auch schon Bilder gezeigt hat! 🙂
Liebe Grüße!