Fotograf auf einem katholischen Kirchenkonzert in Yaoundé
Jeder Blog hat die Verpflichtung seine Leserinnen und Leser in eine vorweihnachtliche Stimmung zu versetzen. So auch Wohinnoch? Ich erzähle dir daher heute vom Kirchenkonzert meiner Freundin und ihres Chores, zeige dir Bilder und zum Schluss auch eine Videoaufnahme, die dir hoffentlich ein angenehmer Begleiter zum vierten Advent sein wird. Nimm dir ein Kirschkernkissen und setz die Plüschohren auf, denn es geht los!

Die Kirche Nkoayos
Die Kirche Nkoayos hat keinen großen Glockenturm, keine goldverzierten Waschbecken, nein, eigentlich nimmt man sie von der Hauptstraße aus nicht einmal wahr. Die Innengarnitur ist nicht viel spektakulärer. Holzbänke, ein paar bunte Gemälde aus Jesus Leben und eine kleine Empore, jedoch ohne Orgel. Auch wenn sie vor ein paar Jahren renoviert wurde und nun ein großer Stern aus einer farbigen Steinplatte, direkt über dem Altar, ragt: Das Wichtigste ist nicht wie in manchen europäischen Ablegern der materielle Bombast. Das Wichtigste ist: Sie ist der religiöse Mittelpunkt einer ganzen Gemeinschaft, die hier mehrmals wöchentlich zu den Messen eintrifft.
Der Kirchenchor
Wie du vielleicht schon weißt, ist ein großer Teil der Bevölkerung in Kamerun christlich. Vor allem im Zentrum, also hier in Yaoundé, dominieren sie – bis auf wenige Viertel wie die muslimische Briqueterie – das Stadtbild. Darunter fällt auch eine große Gemeinschaft Katholiken. Von Pfarrern, Kirchengängern und Sängerinnen – die Religion wird aktiv gelebt. So singt meine Freundin im Chor ihrer Gemeindekirche. Er bildet fernab vom Papst den wahren Bezugspunkt zu der Religion – Gesang und Gemeinschaft. Denn sie kommt nie alleine, sondern singt hier mit ihren Schwestern, Nachbarn und Freunden. Der Leiter des Chors heißt Vater Kasimir. Der rüstige Herr stellt als Dirigent und Komponist sicher, dass die vielen Stimmen mehrmals wöchentlich und in richtiger Tonlage zusammenfinden.


Das Konzert
Einmal im Jahr gibt der Chor abseits von jeglichen Messen ein Konzert. Ich erinnere mich vor zwei Jahren an ein Weihnachtskonzert am 22. Dezember, als die dunkle Kirche mit Kerzen stimmungsvoll ausgeleuchtet wurde. Dieses Mal findet kein offizielles Weihnachtskonzert statt, sondern einfach ein Konzert zum Jahresende. Neben Gabriel Fauné’s Requiem wurden vor allem Lieder des Chorleiters Kasimir gesungen – auf Latein, Französisch und Ewondo. Begleitet wurde der Gesang vom Mann der Schwester meiner Freundin, ein professioneller klassischer Klavierspieler, der sogar schon in der deutschen Botschaft vorgespielt hat.


Zum Konzertbeginn kamen die Choristen mit weißen Kerzen und ebenso weißen Gewändern zum Hochaltar gelaufen. Nachdem sie sich in einer Reihe aufgestellt hatten, und der Pfarrer ein Einstiegsgebet gesprochen hatte, passierte etwas Kurioses: Eine Sängerin bat das Publikum, nicht bei jeder Pause zu klatschen, schließlich verdirbt das so manch anmutige Melodei. Das führte jedoch dazu, dass wir Zuhörenden trotz unserer Begeisterung so voller Erfurcht waren zu klatschen, dass es vierzig Minuten brauchte, bis eine Mama endlich einen Freudenschrei hinauslies. Das war als meine Freundin gerade ihren Solo gesungen hatte! Ich war stolz und von nun an trauten wir uns alle nach jedem Lied zu klatschen.


Am (zweit)besten haben mir dann die etwas schwungvolleren Lieder in der Zugabe gefallen. Statt andächtigem an die Decke gucken, konnten wir hier tanzen und mitklatschen. Hierfür kam sogar der Bruder vom Chorleiter auf die Bühne und sang ein paar Verse mit. Das siehst du im Video ab Stunde 1:08.


Meine Rolle beim Konzert
Vor dem Konzert wurde ich gebeten, ein Video aufzunehmen und ein paar Fotos zu schießen. Ich kenne die Chormitglieder seit über einem Jahr – wir waren zusammen bei Geburtstagen, Babyshows und Hochzeiten. Es ist derselbe Chor, der auch damals bei der traditionellen Hochzeit der Schwester meiner Freundin gesungen hat. Auch dieses Mal hatte ich wieder große Freude dabei, in einer Mischung zwischen Andacht und Neugierde durch die Kirche zu laufen und Fotos vom Konzert zu machen.


Als es dann vorbei war, gingen wir noch – ohne uns vorher umzuziehen – in einen Nachtclub. Ihr seht: Nicht nur in Berlin kann man n’importe comment in einen Club gehen! Nur wird die langweilige schwarze Techno-Kleidung hier nicht so bevorzugt 🙂


Zum Video

Wer schreibt hier?
Ich bin André, lebe seit 2022 in Kamerun und bin dein Anlaufpunkt für Reisen in Kamerun. Auf Wohinnoch? erkunde ich mit euch die Welt, schreibe Erfahrungen nieder und gebe euch Reisetipps. Wenn diese Worte nicht meine letzten an dich sein sollen, kannst du meinen Blog abonnieren und mir auf Instagram folgen.





4 Comments
wolkenbeobachterin
frohe weihnachten lieber andré und ein dankeschön fürs teilen deiner schönen beiträge und fotos.
Andre
Dankeschön, frohe Weihnachten dir auch ☺️
wolkenbeobachterin
danke 🙂
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