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Briqueterie – Spaziergang durch historisches Viertel Yaoundés

Auf deiner Reise durch Kamerun wirst du ziemlich sicher in der Hauptstadt Yaoundé vorbeikommen und dich fragen, was du hier eigentlich besichtigen kannst. Ich lebe seit 2022 in Kamerun und nehme dich heute mit auf einen Spaziergang durch ein ganz spezielles Stadtviertel: Die Briqueterie. Gemeinsam erkunden wir seine Sehenswürdigkeiten und ich gebe dir Hintergrundinfos zur Geschichte, sowie hilfreiche Tipps für deine eigene Reise. Los geht’s!

Start des Spaziergangs

Wir starten unseren Spaziergang an der Tankstelle Total Energies Tsinga. Von dieser trubeligen Straße biegen wir in die Brique ein, wie das Viertel gemeinhin genannt wird. Seinen Namen hat die Brique von einer alten Ziegelbrennerei, deren Erbauung 1895 vom deutschen Offizier Hans Dominik beauftragt wurde. Bis zu 600 Tonziegel wurden hier pro Tag unter der skrupellosen deutschen Kolonialherrschaft für die rasant wachsende Stadt produziert. Doch es ist weder die alte Ziegelbrennerei noch die deutsche Vergangenheit, die das Stadtviertel von anderen unterscheidet.

Sicherheitshinweise für deinen Brique-Besuch:
Der Besuch ist sicher, wenn du ein paar grundlegende Verhaltensweisen beachtest:
Low Profile Regeln: Meide die Dunkelheit, trage Wertgegenstände nicht oder nicht offensichtlich mit dir herum, lass deinen Rucksack zuhause etc.
– Suche dir einen ortskundigen Begleiter
– Besuche die Brique wenn möglich am Sonntag, dann ist es ruhiger

Die Zentrale Moschee

Es ist vielmehr die Tatsache, dass wir im christlich geprägten Yaoundé auf einmal mitten in einem rein muslimischen Viertel stehen. Das sehen wir schon am Kleidungsstil der Menschen: Die Männer tragen Boubous und auf dem Kopf einen Fez. Manche haben im Gesicht Ziernarben. Die Frauen sind in bunte oder schlichte, aber immer elegante Kleider gehüllt, die Haare mit lockeren Kopftüchern bedeckt. Spätestens als wir nach wenigen Metern vor der 1952 erbauten, zentralen Moschee stehen, stellt sich uns die Frage: Wie kommt dieses muslimische Viertel nach Yaoundé?

Die Antwort hat Ismael parat, der Concierge der Moschee, der mich mit einem Lächeln anspricht, als ich mir auf dem Vorplatz die Widmungen durchlese. Yaoundé absorbiert seit seiner Zeit als Verwaltungssitz der französischen Kolonialregierung große Migrationsbewegungen, zum Beispiel aus dem muslimisch geprägten Norden Kameruns. Bevölkerungsgruppen wie die Haussa waren bereits in den 30er Jahren so zahlreich vertreten, dass sie einen klaren Siedlungsraum benötigten. Und so beschloss die französische Kolonialverwaltung im Jahr 1936 die muslimische Bevölkerung Yaoundés in der Brique anzusiedeln. Seitdem hallt der Gesang des Muezzin fünf Mal täglich über die vielen Wellblächdächer. Seitdem ist das Viertel muslimisch.

Das alles erzählt Ismael während er uns durch die Moschee führt. Sogar das Obergeschoss hat er geöffnet und nur für uns beleuchtet. Als wir an der Ballustrade ankommen und über die Briqueterie schauen, deutet er auf einen kleinen blauen Turm, der sich schwach im Dunst der Großstadt abzeichnet. Das ist die älteste Moschee Yaoundés. Dort müsst ihr hin!

Gastronomie: Grillstände & Chai Tee

Der Weg zur ältesten Moschee ist kurz, aber dank des hilfsbereiten Ismael voll mit Entdeckungen, zum Beispiel der kulinarischen Sorte. Der Höhepunkt dabei: Brochettes. Das sind pikant gewürzte Fleischspieße, der Verkaufsschlager im Viertel. Bei der Wahl des Grillstands sollten wir uns übrigens nicht von den vielen abgehackten Schädeln, aufgetürmten Darmschläuchen und Rinderkufen irritieren lassen. In Kamerun arbeiten die Fleischer eben transparenter als in Deutschland. Ist diese Abschreckung einmal überwunden, lassen sich die Spieße am besten mit einem Chai-Tee oder einem süßen Trinkjoghurt Koussam verspeisen. Vegetarier (wie ich) gehen leider leer aus. Meine Bestellung „Kochbananen mit Zwiebeln“ wurde auf rein persönlicher Ebene abgelehnt. Halte jedoch Ausschau nach Räuchertofu, den es an einigen Ecken gibt (Soja, „sodscha“).

Am Grillstand und im Hintergrund die kleine Speisekammer

Die Älteste Moschee Yaoundés

Schließlich stehen wir vor der ältesten Moschee Yaoundés. Und was soll ich sagen? So sieht sie auch aus. Klein, bröckelig und gerade deshalb wahnsinnig schnuckelig. Ein Schild am Eingang verrät uns, dass diese Moschee bereits 1936 erbaut wurde. Ich bin mir erst nicht sicher, doch ein außenstehender Mann signalisiert mir, dass ich die Moschee als Mann betreten darf. Ich betrete den Innenraum daher alleine, setze mich auf den roten Teppich und schaue auf eine dunkle Holzvertäfelung, geflieste Säulen und ganz wichtig: Ventilatoren. Die Geschlechterregel wird übrigens nicht überall sonderlich strikt gehandhabt. Ismael zum Beispiel erlaubte meiner Begleiterin das Betreten des normalerweise für Männer reservierten großen Saals. Nach der kurzen Abkühlung geht es hinaus auf die Straße und wieder gemeinsam zur nächsten Entdeckung.

Die älteste Moschee Yaoundé’s

Nähstuben und Tuchkauf

Immer wieder streifen wir nämlich Nähstuben, in denen eifrige Schneiderinnen unter lautem Rattern bunte Stoffe aus West- und Zentralafrika zu Hochzeitskleidern, Geburtstagsanzügen oder schlicht Vorhängen verarbeiten. Unweit entfernt, in der Rue de la Briqueterie, werden diese Kleider, sowie noch unverarbeitete Tücher verkauft. Wer sich eine besondere Erinnerung aus Kamerun mitbringen möchte, kauft hier einen Stoff und bringt ihn zu einer Schneiderin, die daraus in wenigen Tagen ein schönes Hemd oder Kleid näht.

In einem Tuchgeschäft.

Reisetipps für deinen Brique-Besuch:
– Nimm dir einen Guide, z.B. Ismael (+237 693 53 86 67)
– Nimm dir einen verlässlichen Fahrer. Hier einige Fahrer, mit denen ich schon viele Reisen unternommen habe. (M. Dickson: +237 675 334318, Marc: +237 699 947915). Preis ca. 7-10€/Stunde.
– Finde hier auf Komoot meine vorgeschlagene Route durch die Brique

Palais de Sport und Hypermall

Die letzten Meter führen uns entlang der Rue de la Briquetterie. Hier gibt es nochmal alles, was das Sammlerherz begehrt: traditionelle Medizin, Elektronik- und Metallwaren, Musikequipment und Möbelläden. Alles selbstredend in „amerikanischer Qualität und zu chinesischen Preisen“. Am Palais de Sport, dem Sportspalast, schließt sich dann, wenn man so möchte, der Kreis. Streiften wir Anfangs die Kolonialgeschichte Kameruns, so blicken wir nun hoch zu den Bauwerken der heutigen globalen Hauptakteure: Der Sportspalast, mit seinem konisch geformten Dach, wurde vor zwanzig Jahren in Zusammenarbeit mit den Chinesen errichtet. Er bietet eine beliebte Stätte für Sportereignisse und Konzerte. Auf der anderen Straßenseite breitet sich seit zwei Jahren ein weiterer Riese aus: Playce, die erste Supermall Kameruns, mit der französischen Kaufhauskette Carrefour. Die Mall mit ihren Fast-Food Ständen und Spielehallen ist mittlerweile zu einem beliebten Ausflugziel für Kameruns Oberschicht geworden.

Ende des Spaziergangs

Hier endet unser Spaziergang durch die Brique. Wie du sehen konntest, hat dieses Viertel eine reiche Geschichte, die täglich weitergeschrieben wird. Trau dich dabei ruhig, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Viele Menschen sprechen oft ein paar Brocken bis perfekt Englisch. Ein freundliches Gespräch mit ihnen ist oft der Schlüssel für ein einmaliges Erlebnis. Wenn dir der Blogeintrag gefallen hat und du über neue Einträge informiert werden willst, dann abonniere Wohinnoch? hier:

Wer schreibt hier?

Ich bin André, lebe seit 2022 in Kamerun und liebe alle Arten von Abenteuerreisen. Auf Wohinnoch? erkunde ich mit euch die Welt, schreibe Erfahrungen nieder und gebe euch Reisetipps. Wenn diese Worte nicht meine letzten an dich sein sollen, kannst du meinen Blog abonnieren und mir auf Instagram folgen.

Libanon

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Kamerun

Seit Anfang 2022 lebe ich in Kamerun und wurde dabei vom großen touristischen Potential dieses Landes überrascht!

Wohinnoch? ist ein Reiseblog, in dem wir mit ausgiebig Zeit die weniger beachteten Orte dieser Welt besuchen.

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