Europa,  Italien

Kampanien & Neapel – Höhepunkte auf meiner Reise

Wer sich fragt, warum bereits im September Weihnachtsgebäck in deutschen Supermarktregalen liegt: Wegen mir! Für die Adventszeit in den Tropen möchte ich natürlich nicht darauf verzichten müssen. Doch in meinem Koffer befinden sich diesmal nicht nur Lebkuchen und Spekulatius, sondern auch etwas, auf das ich ganz besonders stolz bin: ein Kilo Parmesan. Mitgebracht aus Kampanien, wo ich zwei Wochen meines Sommerurlaubs verbrachte. In dem heutigen Blogeintrag nehme ich euch mit nach Neapel, Pompeji und den Pfad der Götter und erzähle euch von einigen meiner Höhe- und Tiefpunkte.

Neapel & Seine Bahnhöfe

Neapels Bahnhöfe sind weltweit für ihre künstlerische Ausgestaltung bekannt – jedenfalls wenn man die richtigen Leute fragt. Renommierte Künstler entwarfen aufwendig verzierte Stationen, wie Museo oder Toledo, die von ebenso renommierten Tageszeitungen zur schönsten U-Bahn Station Europas deklariert wurde. Nach den verheißungsvollen Ankündigungen war ich von der Realität jedoch etwas enttäuscht. Statt endloser Bahnhofshallen, mit Skulpturen und Kandelabern – wie man es vielleicht von Bildern aus Moksau kennt – spielten die Stationen auf dem künstlerischem Niveau der Berliner Magdalenenstraße. Umso komischer war es, dass mich dann aber die Station am meisten begeisterte, die in Reiseführern am wenigsten beworben wurde: Napoli Centrale Garibaldi, der Hauptbahnhof.

Auf den ersten Blick ist der Bahnhof nichts weiter als eine riesige Sfogliatella, eine neapolitanische Blätterteigspezialität. Nur, dass man statt Mehl, Wasser und Honig eben Beton, Eisen und Glas übereinander gegossen hat. Die Füllung – leicht gehetzte Städter – trifft nicht jedermanns Geschmack. Den eines Möchtegern-Streetfotografen jedoch schon. Und darum hat mir der Bahnhof auch so gut gefallen! Das Glas und seine Spiegelungen an allen Stellen des Bahnhofs machten ihn zum perfekten Fotopunkt. Ganz zum Leidwesen meiner Freunde, die ich, in ihrer Vorfreude Neapel zu erkunden, zwanzig Minuten lang auf eine Bank verdammte, während ich mich in dem Kellergebäude austobte.

Irgendwann hatten sie mich dann aber doch an die Oberfläche gezogen. Und was soll ich sagen, es war keine schlechte Idee! Neapel ist mir sofort mit seiner sprudelnden Lebendigkeit aufgefallen. In den engen Gassen der Altstadt drängen sich Passanten vorbei an Gemüsehändlern, Puppenfabrikanten, Taschenkrämern und anderen Hökerern. Eine ungeheure Lebenskraft durchströmt diese pulsierenden Gassen: der kleine Junge, der ohne Anleitung seine ersten Runden auf dem Motorrad dreht und sich wenig darum schert, ob er einem Touristen die Füße planiert, genauso wie die Großmutter, die auf der Schwelle ihres Ladens sitzend Gemüse schnippelt. All diese Lebenskraft fließt hier zusammen und belebt die pumpenden Straßen. Und das natürlich immer unter dem Blick San Gennaros und Diego Maradonas – den beiden heiligen Neapels. Neapel, ich komme wieder!

Der Pfad der Götter

Der Pfad der Götter wird seinem Namen mehr als gerecht – er reiht sich ein in die Liste der schönsten Wanderwege, die ich jemals gelaufen bin. Der Wanderweg beginnt in Bomerano, einem beschaulichen, hochgelegenen Ort, in dem wir unser Auto einfach abstellen konnten. Beim Betreten den alten Saumpfads wurden wir von einer steinernden Inschrift willkommen geheißen: „Benvenuti sul sentiero degli dei“.

Wir setzten unsere ersten Fußschritte auf den Schotterweg und waren umgeben von schroffen Kalkfelsen, die sich teils neben, teils über uns in knorpeligen Formationen auftürmen. Hier entlang wanderten einst Hirten und Händler von einem amalfitanischen Dorf zum Nächsten und schlugen sich zur Unterkunft kleine Scharten in das weiche Gestein. Von der Felslandschaft führte uns der Weg nun in ein Waldstück hinein, in dem uns Steineichen herzlich willkommenen Schatten spendeten. Wenig später kraxelten wir empor zum höchsten Punkt und blickten über ein monumentales Panorama. Alte Steinmauern lenkten unseren Blick durch die Olivenhaine hinunter zu den Dörfern, deren unzählige Häuser wie achtlos von den Göttern geworfene bunte Würfel wirkten. An ihren kleinen Häfen tummelten sich vor Jahren wahrscheinlich die Fischerkähne – heute sind es Yachten. Sie ziehen endlose weiße Streifen in das türkis schimmernde Meer.

In Nocelle angekommen, machten wir eine Mittagspause. Wir bissen in einen Piave Mezzano Käse, dann in einen Laib Brot, aufgewertet von ein paar frischen Tomaten, die uns ein vorbeilaufender Bauer aus seinem riesigen Korb reichte. Auf dem Rückweg gingen wir fast den gleichen Weg, jedoch nun unter dem weichen, milderen Licht des Sonneruntergangs.

Pompeji – Muss nicht sein

Ich bin ehrlich: Pompeji hat mich nicht aus den Socken gehauen. Natürlich ist allein das Wissen, dass die Anlage bis vor Kurzem noch von Schutt und Asche vergraben war, beeindruckend. Die versteinerten Menschen, im Moment ihres Todes in bewegungslose Statuen verwandelt, sind furchterregend und faszinierend zugleich. Doch irgendwie fühlte ich mich auf dem riesigen Gelände verloren. Vielleicht lag es an den wenigen schriftlichen Informationen, dem langweiligen Audioguide, dem fehlenden Schatten in der Mittagshitze und den endlosen Menschenmassen.

Als ich vor gut einem Jahr im Libanon war und mit meinem Kumpel Jonas über die römischen Tempelanlagen in Baalbek kletterte, war ich total baff: Einen Tag vorher wusste ich nicht um die Existenz der riesigen Jupitertempel mitten im Einzugsgebiet der Hisbollah und auf einmal stand ich vor den Kolossen eines vergangenen Zeitalters. Mit Pompeji war es genau das Gegenteil: Unzählige Schulstunden befassten wir uns mit dem Untergang Pompejis. Unser Lehrer schraubte die Erwartungshaltung für einen späteren Besuch so hoch, dass jetzt, da der Moment gekommen war, kaum noch Platz war für Überraschung und kindliche Neugierde. Schade eigentlich.

Na‘ Pasta – Köstliches Essen

Na‘ Pasta ist ein kleines, einfaches Restaurant in den Straßen der Neustadt Pompeji. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Das Essen in Kampanien ist überall fantastisch, selbstgemacht und lokal. Doch Na‘ Pasta hatte die leckersten selbstgemachten Nudeln, die wir in den zwei Wochen gegessen haben. Ein weiterer Höhepunkt auf unserer Reise: Unser Gastgeber im AirBnB hatte vergessen vor unserer Ankunft die Betten zu beziehen. Zur Wiedergutmachung kam er eines Tages bei uns vorbei und legte vier dicke, schwabbelige Büffelmozzarella in unseren Kühlschrank. Wir machten kurzerhand eine leckere Caprese draus. Der Käse schmeckte so prägnant gut, ich kann es kaum beschreiben. Vielleicht, wie wenn man einem Bio-Büffel mit der Zunge übers Fell leckt? Nur in wahnsinnig köstlich natürlich!

Hier sind weitere typisch kampanische Speisen:

  • Parmigiana di Melanzane (Überbackene Aubergine)
  • Spaghetti alla Nerano (Spaghetti mit gebratenem Zucchini)
  • Süßspeisen: Babà und Sfogliatelle
  • Getränkte: Limoncello (zusammen mit Aperol Spritz in Neapel für nur einen Euro!)
  • Und natürlich die Königin: Die Pizza Margherita.

Einen Reinfall gab es dann aber doch: In unserem Ort Boscoreale bestellte ich mir eine Kartoffelpizza – in meiner Vorstellung eine weiße Pizza mit Kartoffeln, Zwiebeln, Mozzarella und Rosmarin. Serviert wurde mir jedoch eine Margherita mit labbrigen Pommes oben drauf, das Kindermenü…

„Ehhh…“

„Ehh“ stöhnte der Signore am Bahnhofscafé, schob seinen Unterkiefer ein wenig nach vorn, hob die müden Augenbrauen und seine schmalen Schultern. Zigarette in der einen und Espresso in der anderen Hand haltend fuhr er fort: „Wir wären überrascht, wenn er mal pünktlich fahren würde.“ Was war passiert?

Wir waren in Eile, als wir gegen 10 Uhr morgens am Bahnhof „Villa Regina“ ankamen. In drei Minuten würde unser Zug abfahren, doch auf den Parkplatz passte kein noch so kleiner Fiat mehr. Jeder Platz war belegt und nicht einmal die Feststellung, dass sich selbst die Italiener nicht mit ihrem Auto nach Neapel reintrauten konnte uns jetzt trösten. Da sahen wir plötzlich eine unbeparkte Nische. Freilich, sie wirkte etwas dubios, so ungepflastert und an einen alten Bauzaun angrenzend. Rückblickend betrachtet, erregte sie sogar eher den Anschein einer Abschleppfalle. Doch sie erschien uns in diesem Moment unserem Stress vertrauenswürdig genug. Wir stellten unser Auto ab und hetzten Richtung Bahnhofshäuschen.

Wir betraten das kleine Gebäude und blickten in ein süditalienisches Stillleben: Links der sporadisch besetze Fahrkartenschalter, vor uns eine kleine Bar und davor ein Signore mit Zigarette und Espresso. Mit müden Augen den Caffè schlürfend sah er uns zum Schalter hasten, sah wie wir drei Karten nach Neapel kauften und ohne einen Espresso zu trinken an ihm vorbei durch die Schleuse zum Bahnsteig flitzten. Doch zu spät: Dieses eine Mal ist der Zug pünktlich abgefahren, der nächste Zug kam erst in einer Stunde. Was nun?

Unser Stress fiel ab und in uns kam der plötzliche Wunsch auf, das Auto umzuparken. Doch unsere Tickets waren bereits gelöst und das Verlassen und Wiederbetreten des Gleisgeländes mit demselben Ticket waren uns faktisch untersagt. Da winkte Signore mit einem „Ehhh…kein Problem“ zu uns herüber und versicherte uns, dass wir auch ohne neues Ticket wieder durch die Sicherheitsschleuse kommen würden – „wir regeln das schon“. In Deutschland würde man eine solche Intervention eines Wildfremden ohne erkenntlichen Befugnisse ignorieren. Hier in Süditalien sagte mir mein Bauchgefühl aber, dass ich lieber auf den Mann hören sollte.

Und so gingen wir hinaus, parkten unser Auto um – die Barista machte dafür sogar ihren Parkplatz direkt vor dem Eingang frei – bestellten dann in Seelenruhe einen Espresso und setzten uns zu unserem neuen Freund. Nach kurzem Plausch über die Unterschiede zwischen Süd- und Norditalien sagte uns Signore sinngemäß „Nun… jetzt ist es Zeit. Der Zug kommt in zwei Minuten, also in etwa fünfzehn. Ehhh…“ Wir standen auf, nickten dankend und bewegen uns zur Schranke. Der Mann winkte kurz zu seinem Kumpel am Fahrkartenschalter und die Schleuse öffnete sich wie von Zauberhand. Wir gingen erleichtert zum Bahnsteig, wo wir uns nochmal weitere zehn Minuten gedulden mussten.

Zwanzig Stunden Auto fahren

Die Hinfahrt von Berlin nach Neapel hat ganz schön lange gedauert. Zwanzig Stunden um genau zu sein. Um 19 Uhr ging es in Berlin los. Gegen fünf Uhr waren wir bereits über den Brenner. Da wir zu dritt waren, mussten wir keine größeren Pausen einlegen und sahen den Vesuv so gegen 14 Uhr am Horizont erscheinen. Meine wesentlichen Erkenntnisse auf der langen Autofahrt: Der Service auf italienischen Tankstellen ist deutlich besser, als der in Deutschland. Erstens sind die Toiletten kostenlos. Zweitens gibt es ein frischeres Essensangebot (Focaccia vs McDonalds). Drittens sind die Parkflächen oft schattig, weil von Solaranlagen überdacht, mit denen Elektroautos aufgeladen werden können.

Unsere Unterkunft in Roncato

Unsere Unterkunft in der Nähe von Roncato war ein Traum: Ein Haus zwischen Weinreben und Kräutergärten und mit direkten Blick auf Capri und den Sonnenuntergang. Fast schon schade, dass wir tagsüber oft Pläne hatten und uns nicht länger in der Unterkunft aufhielten. Am zweiten Tag jedenfalls trafen wir unseren Gastgeber Alfredo mit seiner Tochter im Garten, zur Weinlese. Meine Frage, ob sie Wein oder Essig produzierten, brach das Eis zwischen uns. Essig, das produziere man, wenn die Ernte schlecht sei, erklärte mir ein schmunzelnder Alfredo.

Jedenfalls stattete er uns mit einem Sammelsurium an Tipps für die Umgebung aus, darunter eine kleine Wanderung an die Baia di leranto. Bevor wir die Wanderung starteten, wollten wir uns noch mit ein wenig Verpflegung eindecken. Im einzigen offenen Kiosk belegte uns ein altes Ehepaar fast zwei Kilo dicker Panini, mit salzigem Brot, Büffelmozzarella, Tomaten, Öl und frischen Kräutern. Noch nie hatte ich anschließend auf einer Wanderung so gut aus meinem Rucksack gegessen. Die Wanderung war im Übrigen auch nicht schlecht.

Wer schreibt hier?

Ich bin André, lebe beruflich in Kamerun und liebe alle Arten von Abenteuerreisen. Auf Wohinnoch? erkunde ich mit euch die Welt, schreibe Erfahrungen nieder und gebe euch Reisetipps. Wenn diese Worte nicht meine letzten an dich sein sollen, kannst du meinen Blog abonnieren und mir auf Instagram folgen.

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Seit Anfang 2022 lebe ich in Kamerun und wurde dabei vom großen touristischen Potential dieses Landes überrascht!

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