Naxos Reisebericht – Drei Tage auf der größten Kykladeninsel
„Ihre Fähre fällt heute leider aus.“ Genau die Ansage, die man sich im Urlaub so sehr wünscht. Urlaub? Ja, zwei Wochen Griechenland! Zusammen mit Flavy geht es für uns nach Naxos, Amorgos und zum Abschluss nach Athen. Ich melde mich mit einem ersten Reisebericht aus Naxos, der größten Insel der sogenannten Kykladen. Was es mit dem Schiffsausfall auf sich hatte und wie wir die Zeit auf der Insel verbrachten, erfahrt ihr in diesem Blogeintrag!

Nächtliche Anfahrt
Der Weg nach Naxos beginnt noch abends in Berlin: Nachtflug nach Athen, Ankunft um zwei Uhr, dann in den Nachtbus Richtung Piräus. Unserem Plan ist Müdigkeit ins Gesicht geschrieben, denn nun sind es fünf Stunden Wartezeit am Hafen, bis die „Blue Ferry“ um 7:25 Uhr ablegt. „In irgendeiner Spelunke wird man schon unterkommen“, dachten wir. Am Ende ist es eine harte Holzbank, geteilt mit zwei texanischen Rentnern, die uns wachhält. Mit Lays Chips („fantastic“) zwischen den Zähnen erzählen sie uns von ihren pflegebedürftigen Eltern, die ihre Rente verschlingen und sie am Reisen hindern. So geht Familienzusammenhalt!

Endlich hopsen wir aufs Schiff, eine schwimmende Dachterrasse von über hundert Metern Länge. Hier treffen sich alle, die sich sonst lieber aus dem Weg gehen: Backpacker mit Schlafsäcken, Pauschalreisegruppen und LKW-Fahrer. Ein lautes Nebeneinander in Allzweckkleidung, das nach der Ankunft sofort wieder auseinanderstrebt.

Kaum in Naxos gelandet, schnappen wir uns einen Mietwagen. Ein klappriges Gefährt, das wir nach wenigen Minuten „Madonna“ taufen. Bluetooth und Radio sind kaputt, aber ein Lied ist einprogrammiert und startet automatisch: La Isla Bonita. Fortan messen wir unsere Distanzen nicht in Minuten, sondern in „Madonnen“. Vom Hafen zur Unterkunft sind es nur zwei Madonnen.
Ankommen bei Alexandra und Antonis
In einem abgeschiedenen Winkel der Insel erwarten uns Alexandra und Antonis, mit einem Empfang, der nach Urlaub schmeckt: frisches Gemüse aus dem Garten, Zitronenkuchen und ein Kartoffel-Omelett. Noch besser: Ihre Unterkunft verfügt über den vielleicht schönsten Fernseher der Welt. Pünktlich um 19:20 Uhr läuft das immer gleiche Programm: Sonnenuntergang über dem tiefblauen Meer, untermalt vom Geklingel der Schafsglocken.


Die beiden sind Unikate. Alexandra stört die Sprachbarriere nicht daran, es uns so bequem wie möglich zu machen. Ständig holt sie ein neues Gemüse aus dem Garten und legt es vor unsere Tür. Antonis ist ein rüstiger Mann mit Sonnenhut und Dauerschmunzeln. Als er uns seine Französischkenntnisse von vor fünfzig Jahren vorführt „Venez effacer le tableau“ muss ich lachen. Genau denselben Satz hatte mir einmal ein kamerunischer Taxifahrer auf Deutsch vorgesprochen: „Wischen Sie die Tafel ab!“ Traumata scheinen den Lernprozess zu fördern.

Chora – Masken aus dem Kongobecken
Am nächsten Tag besuchen wir Chora, die Hauptstadt der Insel. Weiß glänzende Häuser mit babyblauen Fensterläden umrahmen die engen Gassen voller Schmuckläden, Boutiquen und Souvenirshops. Über Treppenstufen steigen wir zum Castro hinauf, besuchen die katholische Kirche aus der Venezier-Zeit und landen schließlich in einer Kunstgalerie.


Dort stehen Masken aus Gabun, Kongo und Nigeria zum Verkauf. Als wir den Preis sehen, müssen Flavy und ich schlucken: 4.000 Euro. Gleich daneben sitzt ein französischer Händler, der uns auf unser kritisches Nachfragen versichert: „Keine Kolonialobjekte, alles legaler Kunsthandel.“


Für Flavy war das ab da an auch kein Problem mehr, jedem sein Geschäftsmodell. Typisch war eher, dass der Händler Flavy noch schnell aufklärte, wie arm die Menschen in Afrika seien. Immer wieder ein Genuss, wenn Fremde einem die eigene Welt erklären.

Zurück am Hafen schauen wir beim Tempel des Apollon vorbei. Von einstiger Pracht ist wenig geblieben, nur ein Torbogen, ein paar verstreute Säulen und ein antiker Stuhl der Marke „IKERUS“. Angeblich sammeln sich hier zum Sonnenuntergang die Massen. Wir überlassen den Ort den anderen und machen uns lieber auf die Suche nach Strand.


Den finden wir auf den Tipp einer Verkäuferin im windgeschützten Süden bei Alkylo. Das Wasser liegt wellenlos vor uns, so salzig, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben den „toten Mann“ schaffe. Fett schwimmt nun mal oben. Nach siebeneinhalb Madonnen sind wir wieder in der Unterkunft, salzverkrustet, aber glücklich.


Wanderung auf den Mount Zas
Tag zwei beginnt mit Frühstück und Mittagsschlaf. Danach fühlen wir uns bereit für den höchsten Gipfel der Kykladenm, den Mount Zas, oder Zeusberg, 1.004 Meter hoch.

Der Aufstieg beginnt an einer Kapelle. Ein Holzmarker schätzt die Dauer bis zum Gipfel auf 55 Minuten. Wir allerdings brauchen mit unseren neuen Wanderschuhen gute zwei Stunden. Wir sind in Form!

Für die Wanderung haben wir die besten Witterungsbedingungen ausgesucht. Wir müssen mächtig aufpassen, dass die Nordwinde uns nicht die Sonnenbrillen von den Nasen wehen. Und auch die Mittagssonne glüht so stark, dass selbst die Sonnencrème um eine Schicht bittet. Crème de la Crème, sozusagen!

Als Belohnung für die harte physische Arbeit, wartet der Gipfel. Oben kreisen Steinadler majestätisch über unsere Köpfe, der Wind scheint sie weniger zu stören. Von hier können wir fast alle Kykladeninseln sehen, darunter auch Amorgos, unser nächstes Ziel. Das ist aber noch Zukunftsmusik.


Bouzouki Musik für Touristen
Nach all der Bewegung wollten wir den Abend etwas ruhiger angehen, mit Musik, Wein und Kultur. Am Abend landen wir dafür wieder im Castro, diesmal zu einem Bouzouki-Konzert. Leider sind wir da in eine klassische Touristenfalle getappt. Bouzouki, das ist die Musik, die vor allem Touristen hören, wenn sie in Griechenland sind. Genau die Melodie, die ihr jetzt im Ohr habt.

Trotzdem: Die beiden Virtuosen auf der Bühne spielen großartig. Während die Klänge durch den nach Basilikum riechenden Burghof schweben, hat der Moment etwas Erhabenes. Erhaben sind allerdings auch die Preise: Die kostenlosen Getränke mussten wir uns mit 25 € Eintritt teuer erstehen. Als ich den Wirt mit „Saft?“ nach dem Inhalt seines Kelchs frage, lächelt er nur: „Ja, ein göttlicher.“

Schlechte Neuigkeiten – Fähre gestrichen
Am Morgen der Abreise erreicht uns die Schreckensnachricht: Die Fähre nach Amorgos fährt nicht. Der Meltemi, so heißen die typischen Nordwinde, sind zu stark. Es heißt also schnell umplanen. Wenn wir bei dem Sturm nochmal auf den Zeusberg klettern, könnten wir von dort womöglich mit ausgestreckten Armen und einem mutigen Absprung bis nach Amorgos gleiten. Doch wir entscheiden uns für die weniger abenteuerliche Option.

Wir verlängern unseren Aufenthalt. Zum Glück zeigt sich Griechenland flexibel. Antonis und Alexandra bestehen darauf, uns noch eine Nacht kostenlos bei sich aufzunehmen. Den Mietwagen können wir um Mitternacht einfach am Hafen abstellen. Besser geht es kaum.

So können wir den unerwarteten Extra-Tag auf Naxos mit einem weiteren Strandbesuch ausdehnen. Abends gönnen wir uns ein festliches Abschiedsessen im italienischen Restaurant Etere. Weiße Pizza mit Ziegenkäse, Walnüssen, Feigen, Honig und Rucola. Basilikum-Hühnchen mit Gnocchi. Molto buono! Schließlich steigen wir gegen 4 Uhr Nachts auf die Fähre Richtung Amorgos.

Bye, Naxos
Drei Tage auf Naxos waren zu kurz, vieles haben wir nicht besuchen können. Uns haben besonders die Vielseitigkeit der Insel, sowie die herzlichen Menschen gefallen, allen voran Alexandra und Antonis. Die Insel ist perfekt für einen ausgedehnten Aktivurlaub, voller Ausflüge, Wanderungen und Entdeckungen.

Für einen reinen Strandurlaub war uns die Insel aber zu groß. Bei so vielen Optionen fällt es schwer, guten Gewissens am Strand zu liegen und die starken Winde machen es nicht leichter. Zwar verteilen sich die vielen Touristen gut auf der großen Insel, jedoch fühlte es sich im Vergleich zu Kamerun immer noch ziemlich überfüllt an.

Zum Glück folgt nun Amorgos: Ruhig, tiefenentspannt und so klein, dass man sie mit einer einzigen Madonna durchqueren kann.

Wer schreibt hier?
Ich bin André, lebe seit 2022 in Kamerun und bin dein Anlaufpunkt für Reisen in Kamerun. Auf Wohinnoch? erkunde ich mit euch die Welt, schreibe Erfahrungen nieder und gebe euch Reisetipps. Wenn diese Worte nicht meine letzten an dich sein sollen, kannst du meinen Blog abonnieren und mir auf Instagram folgen.





One Comment
Pingback: