Kamerun lesen – Meine fünf Buchtipps
Liebe Leserschaft, dieser dicke Block existiert nun schon seit fast einer Dekade und noch nie gab es Buchtipps! Das muss sich unbedingt ändern. Denn nach zehn Jahren habe ich es geschafft, fünf Bücher zu lesen, die ich euch jetzt alle empfehlen werde! Oder besser gesagt: Wenn ihr etwas über oder aus Kamerun lesen wollt, soll euch dieser Eintrag als Inspiration für euren nächsten Dussmann-Besuch dienen.
Zeit der Pflaumen
Jedes Jahr gegen Juni hängen riesige Pflaumen an den Bäumen Zentralkameruns. So auch 1940: Es ist Zweiter Weltkrieg, und der Dichter und Beamte Pouka kehrt in sein Heimatdorf Edéa zurück. Patrice Nganangs historischer Roman erzählt von den Auswirkungen der sich bekriegenden Kolonialmächte auf das noch von England und Frankreich besetzte Kamerun. Während Pouka versucht, in der Dorfbar einen Poesieklub zu gründen, ziehen seine Freunde als Senegalschützen für die eigenen Unterdrücker in den Krieg. Zusammen mit Der Schatten des Sultans und Spur der Krabbe ist das Buch Teil einer spannenden Trilogie über Kameruns Geschichte im 20. Jahrhundert.
Kalter Thron
Der aus Uganda geflüchtete Peter Ebuk gerät während seiner Polizeiausbildung in Berlin in ein gefährliches Schlamassel. In der Kirche seiner Freundin, einer Pastorin, wurde ein kamerunischer Priester ermordet. Auf der Suche nach dem Täter und seinem Motiv folgt Ebuk einer Spur, die zum Thron des Sultans Ibrahim Njoya führt, jenem Thron, der einst von deutschen Kolonialherren unter Erpressung entwendet wurde und heute im Berliner Schloss steht. Wollte der Priester ihn zurückholen und musste deshalb sterben? Jürgen Seidler führt uns in diesem Krimi nicht nur durch die dunklen Seiten deutscher Kolonialgeschichte, sondern beleuchtet auch mit viel Liebe zum Detail das Innenleben eines Vaters, der für sich und seine Tochter nur eines will: in Deutschland Fuß fassen.
Wer mehr über die Geschichte kolonialer Raubkunst erfahren möchte, dem lege ich außerdem den kolossalen Atlas der Abwesenheit ans Herz!
Zucker, Schnaps und Nilpferdpeitsche
Dietmar Pieper analysiert in diesem Buch, wie hanseatische Kaufleute den deutschen Übersee-Kolonialismus mit der Jagd auf Konsumgüter wie Zucker, Kaffee oder Kakao einleiteten. Das deutsche Kaiserreich unter Bismarck stand der Idee von Kolonien zunächst skeptisch gegenüber, wurde aber schließlich in diese ausbeuterische Form des Welthandels hineingezogen. Dabei beleuchtet der Autor nicht nur Kamerun, sondern auch alle anderen deutschen Kolonien. Ressourcen, Kulturartefakte und Weltbilder, die Geschichte hallt bis heute nach: in noch existierenden Unternehmen ebenso wie in unserer Gesellschaft. Am Ende verstehen wir sogar, woher die Abkürzung EDEKA kommt…
Die Nächte des großen Jägers
Weder ein Buch aus noch über Kamerun, aber Ahmadou Kouroumas gelungener Versuch, die Ursprünge und Auswirkungen repressiver westafrikanischer Regimes differenziert und humorvoll auf den Punkt zu bringen. Wir lernen den Herrscher Koyaga durch die bildreichen Erzählungen seines Griots kennen. Dieser traditionelle Geschichtenerzähler lobt und kritisiert zugleich, sodass wir nie genau wissen, ob wir einen Heldenepos oder eine Glosse lesen. Gut weg kommt dabei eigentlich niemand: weder Koyaga noch seine Amtskollegen, die alten Kolonialmächte oder die scheinbar wehrlose Bevölkerung. Am Ende stellen wir uns Fragen wie: Wann ist Macht legitim? Wer erzählt die Geschichte? Ist jede Tradition bewahrenswert? Und: Wie weit reicht postkoloniale Verantwortung?
Widerstand
Der Comic Widerstand – Drei Generationen antikolonialer Protest in Kamerun ist ein Projekt des Vereins Initiative Perspektivwechsel sowie der Zeichner Franky Mindja und Daniel Assako. Vom Kampf des Königs Rudolf Duala Manga Bell gegen die Deutschen (1910), über das Aufbegehren der Kom-Frauen im Westen Kameruns gegen die Briten (1960), bis zum heutigen Aktivisten André Blaise Essama, der sich für die Dekolonisierung des öffentlichen Raums einsetzt: alle Geschichten erzählen vom Widerstand. Die Comics sind locker erzählt, wirkungsvoll gezeichnet und ein großartiger, afrozentristischer Einstieg in die oft übersehene kamerunische Geschichte.

Wer schreibt hier?
Ich bin André, lebe seit 2022 in Kamerun und bin deine Anlaufstelle für Reisen in Kamerun. Auf Wohinnoch? erkunde ich mit dir die Welt, schreibe Erfahrungen nieder und gebe Reisetipps. Wenn diese Worte nicht meine letzten an dich sein sollen, kannst du meinen Blog abonnieren und mir auf Instagram folgen.




