Afrika,  Äthiopien

Warum wir nach Äthiopien reisen – Neugierde, Zweifel, Minusgrade

Silvester 2026 wird spektakulär…ruhig. Kein Netz, keine Party und erst recht kein Feuerwerk. Stattdessen liege ich auf einer Holzpritsche und blicke in den endlosen Sternenhimmel. Ich war noch nie Freund erzwungener Feiern, aber so den Jahreswechsel zu gestalten ist auch für mich neu. Der Grund: drei Wochen Äthiopien! Doch je näher die Reise rückt, desto mehr kommt dazwischen: Konflikte, Zweifel, sogar ungeahnte Minusgrade. Dieser Text ist ein Einblick in meine Gefühlswelt kurz vor dem Abflug.

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Zwischen Reisefieber und Zweifel

Seitdem ich die Flugtickets nach Addis Abeba gebucht habe, scheint ständig irgendwo etwas auszubrechen. Konflikte, Krankheiten, sogar stillgeglaubte Vulkane. Beim Verfolgen der Nachrichten merke ich, wie wenig greifbar das Land aus der Distanz bleibt. Ist Äthiopien eine stark boomende Wirtschaft mit zahllosen Natur- und Kulturwundern? Ein Land, auf das viele Kameruner früher mitleidig blickten und heute mit Bewunderung. Oder ist Äthiopien das Land der nie endenden Konflikte in Tigray, Oromia und mit Eritrea? Ein Land als Reisewarnung?  

Wer meinen Blog liest weiß, dass ich eher zur ersten Perspektive neige. Doch in den Wochen vor der Abreise ließ sich die zweite nicht ausblenden. Immer wieder ertappte ich mich dabei, die Seite von Ethiopian Airlines zu öffnen, um nach den Stornierungsbedingungen zu suchen. Schließlich überwogen aber meine Neugier und Zuversicht. Das Land ist groß, Konfliktzonen lassen sich meiden. Und vieles anderes lässt sich entdecken. Die Entscheidung stand fest, wir fliegen. Die Frage blieb nur: Warum ausgerechnet Äthiopien?

Warum Äthiopien?

Die Antwort ist simpel, wie ungerecht: Meine kamerunische Freundin Flavy bekommt nur in 54 Ländern unkompliziert ein Visum. Ich in 165. Also saßen wir im Oktober abends zusammen und schauten Reisedokumentationen über die wenigen verbleibenden Optionen. Darunter: Äthiopien.

Was wir sahen, war überwältigend. In Drohnen-Aufnahmen flogen wir über bunt-blubbernde Säurepools und Magmafelder, wir umkreisten vogelnestartige Felskirchen, suchten auf dem höchsten Plateau Afrikas nach dem roten Wolf und schwebten durch die quirligen Märkte wachsender Großstädte. Kaum ein Land hatte uns in so kurzer Zeit so viele Bilder geliefert. Der Gewinner stand schnell fest. Nun blieb nur noch die Frage: Wie plant man eine Reise in dieses riesige Land?

Äthiopien planen – Sicherheit, Karten und Entscheidungen

Jede meiner Planungen beginnt mit einer Karte. Ich markiere Orte, die ich unbedingt sehen möchte, und schaue dann, wie sie im Land verteilt liegen. In Äthiopien ergaben sich schnell zwei Schwerpunkte: der Norden rund um Afar und Ost-Tigray, sowie die Bale Mountains im Süden. Dazwischen liegt praktischerweise Addis Abeba. Doch kaum war die Karte mit Stecknadeln durchlöchert, stellte sich die entscheidende Frage: Sind diese Orte überhaupt besuchbar?

Die Antwort auf die Frage hängt am seidenen Faden namens „Sicherheit“. Also begann ich zu lesen: Deutsches, österreichisches, britisches Außenministerium. Das Ergebnis: widersprüchlich. Regionen, die bei den einen grün markiert waren, waren bei den anderen orange. Ein Hinweis darauf, wie volatil die Lage ist. Ich war nun also informierter und ratloser zugleich. Entscheidend geholfen hat mir schließlich meine Organisation, die auch in Äthiopien arbeitet. Sie prüfte unsere Route, sprach Empfehlungen aus und bestätigte, dass unsere Pläne aktuell vertretbar seien.

Parallel stellte sich die nächste Frage: Allein reisen oder mit Guide? Für die abgelegenen Orte war die Antwort eindeutig. Die Danakil Depression oder die Bale Mountains sind schwer zugänglich und ohne lokale Kenntnisse kaum machbar. Dazu kam der Sicherheitsaspekt. Wir entschieden uns also für geführte Touren. Die passenden Guides fanden wir über persönliche Kontakte. Freunde und Bekannte, die in Äthiopien arbeiten, vermittelten Telefonnummern. Ergänzend half mir der Reiseblog Against the Compass. Umfangreiche Informationen auf Deutsch fand ich bisher nicht. Zeit, hier eine Lücke zu füllen!

Minusgrade – die Sache mit den Winterjacken

Wenige Tage vor der Abreise fühlen wir uns bereit. Zumindest fast. Eine letzte Herausforderung fehlte noch: die Minusgrade. In den Bale Mountains wollen wir auf über 4.000 Metern drei Nächte im Zelt verbringen. Nachts fallen die Temperaturen dort auf minus zehn Grad. Und in Kamerun besitzen wir, wenig überraschend, keine Wintersachen.

Unsere lagen in Deutschland. Die Lösung kam erst, als meine Mutter mich nach einem Weihnachtswunsch fragte. Die Jacken waren bei ihr. Doch per Post hätten sie es nie rechtzeitig zu uns geschafft. Die Rettung kam in Form einer ehemaligen Kollegin, die über Weihnachten nach Kamerun reiste. Skijacken, Pullover, Handschuhe. Sie akzeptierte zum Glück unser fünf Kilogramm schweres Paket! Alles damit wir zu Silvester auf einer Holzpritsche liegen können, den Blick in den Sternenhimmel gerichtet, und nicht frieren.

Wer schreibt hier?

Ich bin André, lebe seit 2022 in Kamerun und bin dein Anlaufpunkt für Reisen in Kamerun. Auf Wohinnoch? erkunde ich mit euch die Welt, schreibe Erfahrungen nieder und gebe euch Reisetipps. Wenn diese Worte nicht meine letzten an dich sein sollen, kannst du meinen Blog abonnieren und mir auf Instagram folgen.

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