Kamerun,  Kamerun in Kurz

Gibt es in Kamerun Brettspiele? – Kamerun in Kurz #3

Nicht nur in Deutschland liebt man Brettspiele, sondern auch in Kamerun. Songo heißt ein uraltes Strategiespiel, welches in Südkamerun und seinen meridionalen Anrainern, aber auch in Malaysia oder Brasilien gespielt wird! Was es mit dem Spiel auf sich hat und wie meine allererste Partie gegen einen waschechten Profi verlief, das erfahrt ihr in dieser Ausgabe von Kamerun in Kurz!

Die Herkunft des Spiels

Laut den Bulu, einer Bevölkerungsgruppe im Süden Kameruns, ist Songo vielmehr als nur ein Spiel. Das erklärt mir Thomas, mein Führer im Museum „des arts nègres“ in Nkolandom, einem Erholungsort eingebettet in undurchsichtigem Regenwald. Songo ist Leben! Das verkörpern allein die Spielmaterialien.

Alles aus Holz: Das Mbek und die sogenannten Ezan-Körner

Die Spielregeln

Lokales Holz ist das Spielmaterial der Wahl. Gespielt wird auf einem Brett, dem sogenannten Mbek, in welches vierzehn Kästchen eingekerbt wurden. Hinein kommen 70 Körner, die Spielfiguren, die die Spieler im Uhrzeigersinn von Kasten zu Kasten bewegen. Das Spielprinzip ähnelt ganz entfernt dem von Fang-den-Hut, ist aber deutlich komplizierter. Ehrlich gesagt, die Regeln, die mir Thomas in einem akkurat vorbereiteten Schachtelsatz erklärte, habe ich kurz darauf wieder vergessen. Immerhin aber habe ich kapiert: Gewonnen hat, wer mehr Körner als der Gegner eingefangen hat. Meine erste Songo-Partie, sie kann beginnen!

Mein erstes Spiel

Meine Stirn wirft dunkle Falten auf, während Thomas lässig ein paar Steine von A nach B schiebt. Es ist wie ein Schlachtplan, der da vor uns ausgebreitet liegt und ich muss entscheiden, welche meiner Soldaten ich wie verschiebe um den Kampf zu gewinnen. Thomas strahlt über meine Interpretation, denn es zeigt, was das Spiel so beliebt macht: Es bietet eine Reflexionsfläche für alle Bereiche des Lebens. Und Therapiematerial für meinen Psychologen.

Songo-Partien werden sowohl schlicht gespielt als auch zu besonderen Anlässen von Tanz, Gesang und philosophischen Diskursen begleitet. Einzig Frauen haben am Spielbrett leider keinen Platz.

Unsere Partie ist fast vorbei und es sieht gut aus. Ich habe mich darauf beschränkt Thomas verunsichernde Blicke zuwerfen, während ich willkürlich nach ein paar Steinchen griff und diese irgendwo über dem Feld verstreute…und, es hat funktioniert! Ich habe gewonnen! Ohne die Regeln richtig verstanden zu haben. Das nennt man Können. Denn jemanden so unauffällig gewinnen zu lassen und ihm dabei noch so gutes Gefühl zu geben: Das kann nur Thomas! Danke!

Siegerfoto

Noch mehr?

Ich bin André, lebe beruflich in Kamerun und liebe alle Arten von Abenteuerreisen. Auf Wohinnoch? erkunde ich mit euch die Welt, schreibe Erfahrungen wieder und gebe euch Reisetipps, wie zum Beispiel zu Marienberg. Wenn ihr noch mehr Kamerun in Kurz Episoden lesen wollt dann schaut mal hier: Was ist ein Omelette Spaghetti? und Warum heißt Kamerun Kamerun?

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Wohinnoch? ist ein Reiseblog, in dem wir mit ausgiebig Zeit die weniger beachteten Orte dieser Welt besuchen.

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