Nkolandom – Erholungort eines Ministers, und mehr?
Yaoundé, die Hauptstadt Kameruns, in der ich seit einiger Zeit lebe, ist nun mal eine Großstadt: Man kommt um Menschenmassen, Lärm und Abgase nicht herum. Gut nur, dass es außerhalb der Metropole einige Rückzugsorte gibt. So zum Beispiel Nkolandom, ein Erholungsort im Süden des Landes, perfekt für Wochenendausflüge oder Urlauber geeignet. Was der Ort mit dem Geld eines Ministers zu tun hat, erzähle ich euch heute auf meinem Ausflug in das seelenruhige Nkolandom.
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Reiseinfos zu Nkolandom
Anreise
Unterkunft
Aktivitäten
Mit Bus von Yaoundé (Carrefour Mvan) nach Ebolowa und dann Abholservice des Centre Touristique Nkolandom für 10.000 FCFA oder weiter mit Taxis/Moto. Alternativ mit Fahrer von Yaoundé nach Nkolandom (Hin-und Rückfahrt plus Aufenthalt 2 Tage ca. 65.000 FCFA).
Centre Touristique de Nkolandom (+237 691803163). Nicht klimatisiertes Einzelzimmer für 15.000 FCFA. Klimatisierte Doppelzimmer ab 25.000 FCFA (in Bungalows). Appartments ab 60.000 FCFA. Zimmer sauber. Sehr ruhige Umgebung, riesige, idyllische Anlage eingebettet in eine bergige Regenwaldlandschaft.
Die Anlage bietet verschiedenste Aktivitäten, wie Fischfang in den umliegenden Teichen, geführte Touren zu besonderen Ausflugszielen (Grotten, Spaziergänge, Reiten), ein eigenes Kulturmuseum, ein Restaurant, Swimmingpool und Sportanlagen.
Anfahrt von Yaoundé
An einem typischen Freitagnachmittag wuseln sich tausende gelbe Toyota-Taxis durch die Innenstadt Yaoundés. In einem davon: Mein Fahrer Felix und ich, auf dem Weg nach Nkolandom. Ungefähr 175 Kilometer haben wir noch vor uns, also 3 Fahrtstunden und die Sonne berührt bereits die ersten Spitzen der sieben Hügel, in die Yaoundé eingebettet ist. Wir biegen auf die Nationalstraße 2 Richtung Südkamerun ab, und plötzlich rollt unser Vehikel wie von alleine. Der Straßenabschnitt zwischen Yaoundé und Ebolowa ist wahrscheinlich der am besten instand gehaltene in ganz Kamerun. Und das nicht aus Zufall, führt die Straße doch zu zwei der drei Lieblingsorte des Präsidenten der Republik, Paul Biya: Sein Geburtsort Mvomeka’a und der internationale Flughafen. Es ist schon dunkel, da kommen wir endlich in Ebolowa, einem Zwischenstopp an.
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Zwischenstopp in Ebolowa
Ebolowa ist die Hauptstadt Süd-Kameruns. Laut Felix bedeutet Ebolowa so viel wie „Verfaulter Schimpanse“, warum weiß er aber auch nicht. Vielleicht, so sinnieren wir, weil wir hier im Süden schon mitten im Regenwald-Gebiet sind. Jede Straße, jedes Dorf und jede Stadt ist nur eine Schneise in dem sonst dichten, von Affen bewohnten Dschungel.
Die Kathedrale der Landeshauptstadt
Ebolowa begrüßt uns wie viele andere Großstädte auch: Wir rollen an Snacks und Wohnhäusern durch die Außenbezirke, biegen dann einmal an einem großen, begrünten Kreisverkehr ab, streifen an einer breiten Straße die schon lang verwaiste Präsidententribune und befinden uns dann plötzlich in einem dichten Netz aus Marktständen und Restaurants, an dessen einem Ende eine Moschee und dem anderen eine Kirche steht. Dabei ist Ebolowa jedoch auch eine sehr saubere Stadt geblieben, in der sich die beschrieben Szenen nicht selten an hübsch gewellten Berghängen abspielen. Vor allem die wunderschöne Cathédrale Saints Anne & Joachim d’Abang hat es uns angetan.
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Koloniale Vergangenheit
Ebolowa blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Seit Ewigkeiten Siedlungsgebiet der Bulu, eroberten die Deutschen um 1900 gewaltsam das Gebiet, bauten es als ihre Militärbasis aus und sicherten sich die Hoheit über die Rohstoffe wie Kakao und Kautschuk. Eine wichtige Persönlichkeit aus der Zeit war Mebenga m’Ebono, ein Bulu, der in Deutschland als Unteroffizier und Sergeant ausgebildet wurde und lange Zeit im Dienste deutscher Interessen diente. Als er schließlich skeptisch gegenüber den Kolonialherren wurde und Widerstandbewegungen organisierte, wurde er von den Deutschen kurzerhand ohne Prozess hingerichtet. Heute, fast 65 Jahre nach der politischen Unabhängigkeit, steht seine Statue als Erinnerung an einen der ersten Freiheitskämpfer Kameruns im Zentrum Ebolowa’s.
Apropros Historie: Unser gelber Toyota mit Yaoundé-Kennzeichen muss auf die Einwohner Ebolowa’s wie ein Anachronismus wirken. Vor ein paar Jahren noch war die Stadt voll mit diesen Taxis, nun haben sich die günstigeren Motorradtaxis durchgesetzt. Dementsprechend erstaunte Blicke bekommen wir zugeworfen. Da wir das Rampenlicht nicht mögen, heißt es also nichts wie weiter nach Nkolandom!
Ankunft am Ferienort Nkolandom
Die Ortsschilder, ein Werbebanner und beleuchtete Engelsfiguren, die uns von schroffen Felsen zuwinkten, erinnern mich an die Ankunft in einem österreichischem Ski-Ort. Doch ich bin hier nicht in den Alpen, sondern in Nkolandom. Einem fast erstaunlich gut ausgebauten und gepflegten Touristenort inmitten der waldigen Bergketten Südkameruns.
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Es ist für alles gesorgt: Die Rezeption, die mich in einer atmosphärisch ausgeleuchteten Stilhütte erwartete, sowie das Restaurant sind die beiden einzigen Orte, die ich an diesem Abend noch ausmachen kann. Doch ich spürte, dass ich morgen, mit den ersten Sonnenstrahlen, weit mehr als das entdecken sollte.

Ein Tag Erholung
Von wegen, die ersten Sonnenstrahlen. Ich wachte um 10 Uhr auf und fühlte mich endlich mal wieder ausgeschlafen. Als ich die Balkontür meines Bungalows öffnete, sah ich akkurat gepflanze Palmen und gemähten Rasen. In der Ferne lagen still kleine Teiche, die der Fischzucht zu dienen schienen. Dazwischen wölbte sich eine (asphaltierte) Straße durch ein Tal, und kletterte an dessen Ende zu einer Schule hinauf. Touri-Ort? Fischerei? Uni? Was ist dieses Nkolandom eigentlich?
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Die Geschichte von Nkolandom: Ein reicher Minister
Es ist eigentlich ganz simpel: Der kamerunische Minister für weiterführende Bildung Jacques Fame Ndongo erblickte hier 1950 das Licht der Welt. Nkolandom musste damals ein einfaches Dorf mit Trampelpfaden, ohne Strom und fließend Wasser gewesen sein. Doch das sollte nicht so bleiben. Dank der Zuwendungen des Ministers hat der Ort eine außerordentliche infrastrukturielle Behandlung erfahren. Die eigens errichtete Hotelanlage neben Ndongo’s eigenem Wohnkomplex ist dabei noch längst nicht alles.
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Bei meinem Spaziergang über das Gelände übertraf sich das Dorf ein ums andere Mal selbst. Neben den schroffen Felsen, die ich gestern Nacht schon gesehen hatte, verbargen sich noch eine für den Ort fast dekadent riesige Kirche, inklusive kurzen Wanderwegen auf denen man anhand von Glaubensbildern die Kreuzigung Jesus‘ nacherleben konnte. Auf der anderen Straßenseite, direkt hinter den Palmenplantagen, lag das Hydropole, ein auf Stelzen errichteter Konferenzsaal inmitten eines Sees. Und es geht noch weiter.
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Kulturmuseum „Des arts nègres“
Nicht weit entfernt vom Hypodrole befindet sich das Museum „des arts nègres“. Es ist eine Sammlung des Ministers Ndongo, der aus allen Ecken Kameruns hunderte Sammlungsstücke zusammengetragen hat. Von einem äußerst aufgeweckten Guide Thomas bekamen wir eine private Tour, durch die verschiedenen Korridore.
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Wir erkundeten die hitzebeständigen Häuser der Sahelvölker, tauchten ein in die vom Meer geprägte Welt der Sawa, nahe des heutigen Douala, lernten über die Symbolik der Bamoun und Bamiléké im Westen und spielten schließlich eine Partie Songo, Lieblings-Brettspiel der Beti, hier im Zentrum und Süden Kameruns. Über das Brettspiel Songo, welches bei Dussmann im Spieleregal Kalaha heißt, habe ich übrigens auch eine Folge Kamerun in Kurz geschrieben: Hier.
Zum Fußballstadion
Einen habe ich noch: Als ich bereits den ganzen Tag damit verbracht hatte, die besagten Sehenswürdigkeiten abzulaufen, war mir am Abend nach einem ruhigen Spaziergang durch das 100-Seelen-Dorf. Hier wurde ich mit einer interessanten Vision konfrontiert: Ländliche Moderne. Wo trotz Aspahltstraße, Strom und Arbeitsmöglichkeiten im Tourismus keine Entwurzlung stattgefunden zu haben scheint. Sprich: Ein Ort, an dem man nicht automatisch arm ist, nur weil man auf dem Land wohnt. Grüße an die deutschen Bauern!
Eigentlich wollte ich mich heute von nichts mehr überraschen lassen. Doch als ich mittlerweile am Dorf vorbei, irgendwo zwischen hohen Kapokäumen eine Erdstraße hinaufstieg, war diese Mission eindeutig gescheitert: Vor mir breitete sich ein Fußballplatz mit Zuschauertribüne aus. Um den Fußballplatz in der Regenzeit ausreichend zu befestigten, waren an seinem Fundament tausende zur Absorption bereite Sandsäcke ausgebreitet. Darauf ein kräftiger Bäckersmann, der mir mit seinen hochgekrempelten Ärmeln sein vitaminreiches Weizenmehl verkaufen wollte. Ein schöner Moment.
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Nkolandom Fazit
Wie war mein Aufenthalt in Nkolandom? Jedenfalls besser als erwartet. Mein Reiseführer-Büchlein, in dem ich mich vorher informierte, hatte für Nkolandom nämlich nur einen sarkastisch-genervten Kommentar über Korruption und Vetternwirtschaft übrig. Dem Urteil stehe ich sehr kritisch gegenüber. Ich sehe das als unsere westliche Eigenart, anderen Ländern ihre Erfolgsprojekte schlechtzureden. Würde der Reiseführer auch vom Besuch der Münchner Allianz-Arena abraten? Wer hat die eigentlich bezahlt?
Ich habe den Aufenthalt in Nkolandom als einen sehr ruhigen und erholsamen wahrgenommen. Als Ausflugsziel für ein verlängertes Wochenende eignet er sich meiner Ansicht nach perfekt, zumal er nicht zu überteuert ist, wie einige andere Alternativen. Aber ich muss mir nach meinem zweitägigen Aufenthalt kein Urteil über die Existenzberechtigung dieses Ortes erlauben, möchte dafür lieber von der Aussichtsplattform auf die Hügelkette schauen, wo in Hollywood-Manier der Schriftzug „N K O L A N D O M“ thront.

Ende.

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