Tour zur einsamen Schimpanseninsel Marienberg – Reisebericht
Millionen Liter Wasser fließen minütlich den Sanaga-Fluss vom Hochplateau Adamaouas hinunter in den Atlantischen Ozean. Er ist die Lebensader Kameruns, tränkt die Böden und lässt die Rotoren in Hochgeschwindigkeit drehen. Doch nicht nur die Menschen profitieren vom Lauf des längsten Flusses Kameruns. Auf einer tropischen Insel leben seit Jahren Schimpansen in einem einzigartigem Schutzgebiet. Dorthin geht unsere Reise heute, auf deren Weg ich euch auch Reise-Infos zum Nachmachen mit auf den Weg gebe.
Anreise nach Edéa
Unterkunft in Edéa
Tour nach Marienberg
Von Yaoundé (12€/erste Klasse) oder Douala (4€) täglich Zugverbindung CAMRAIL. Alle Busse von Yaoundé nach Douala passieren Edéa und können einen absetzen.
(1) Hostellerie de Sanaga: Höchster Standard in Edéa, direkt am Sanaga. etwas laut an der Straße. 50€. Tel: +237 699 80 18 30; +237 243 21 09 31.
(2) Eveque Sacre Coeur: Guter, einfacher Standard zu guten Preisen am Stadtrand Richtung Yaoundé gelegen. 23€. Tel: +237 690 73 36 35; +237 694 61 07 24
Anreise mit Auto oder Piroge möglich. Auto für einen Tag An- und Abreise 60€. Eintritt Schutzgebiet 16€/Person. Tel: +237 697 11 51 11; +237 697 331 880; +237 694 059 128. Übernachtung Stand 2023 nicht möglich, bald aber wieder, Bauarbeiten laufen. Zelt aufschlagen möglich. Guide nicht notwendig. Wir (3 Personen) zahlten insgesamt für Guide, Auto und Trip 150€ + Trinkgelder (9-15Uhr).

Tag 1: Foumban – Besuch Sultanspalast, Museum, Bronzewerkstatt. Nacht in Foumban
Tag 2: Mt. Mbapit – Wanderung. Nachmittags Abstecher zum See Petpenoun zum Entspannen und Übernachten.
Tag 3: Chefferien – Kultureller Besuch. Übernachten in der NoneNa Mountain Range.
Tag 4: Reitausflug in der NoNeNa Range und Entspannung.
Tag 4: Ekom Nkam Wasserfälle – Roadtrip und Weiterreise z.B. nach Douala.
Ankunft in Edéa – Kolonialgeschichte am Sanaga
Edéa liegt an den Ufern des letzten noch schiffbaren Abschnitts des Sanaga’s. Ehemalig ein Dorf, entwickelte es sich mit der Ankunft der Deutschen um 1890 zu einem strategischen Posten. Bis heute zeugt ein altes Bauwerk von der deutschen Kolonialzeit: die bogenförmige Stahlbrücke, Symbol der Stadt. Während diese mittlerweile von einer breiteren aber weniger imposanten Brücke ersetzt wurde, hat Edéa ihren Status als Knotenpunkt der Republik bewahrt. Heutzutage keuchen hunderte hupende Laster mit schweren Baumstämmen beladen in Richtung Douala Hafen. Auch ihren Status als erste elektrifizierte Stadt Kameruns „Stadt der Lichter“ und ihre Aluminiumfabrik verdankt die Stadt dem ewig fließenden Sanaga.



Anreise zur Schimpanseninsel Marienberg
Trotz des Regenfalls, der allen physikalischen Gesetzen zuwider auch noch Mitte November auf uns herabprasselt, winden wir uns in kreativen Kurven vorbei an den tiefen Rinnsalen über die schlammigen Straßen in Richtung Affeninsel. Nachdem wir Edéa hinter uns gelassen haben, passieren wir endlose Palmöl- und Gummibaumplantagen von Safacam, einem kamerunischen Großproduzenten in belgisch-luxemburgischem Besitz.


Wir sind fast das einzige Auto weit und breit. Als wir an den 10,000 Hektar Plantagen vorbei sind, finden wir eine nur noch rar besiedelte Gegend, mit vereinzelten kleinen rosafarbigen Villen vor. Und plötzlich ein Ortsschild: Marienberg!


Ankunft in Marienberg – Die erste Kirche Kameruns


Wir sind da. Auf dem ersten Blick ist uns klar, dass das kein gewöhnliches Dorf ist. Der deutsche Name ist nicht etwa Zufall, sondern Zeichen für eine bewegte Geschichte. Im Jahr 1890 ließen sich hier deutsche Pallotiner-Missionare nieder, erbauten die erste Kirche Kameruns und gaben dem Ort seinen heutigen Namen. Viel Zeit hatten sie dazu nicht: Alle Ankömmlinge starben im Jahr ihrer Ankunft an Malaria. Doch ihr Erbe blieb.


Heute begrüßt uns der ältere Herr Rudolf auf dem alten Fundament und erklärt uns, dass der Ort noch immer Christen aus aller Welt als Pilgerstätte dient. Einen Steinwurf entfernt, auf dem alten Friedhof, ruhen die alten Priester, deren Gräber Rudolf wie die alter Freunde in den Arm nimmt. Hier in Marienberg sind wir nur noch wenige Minuten von der Affeninsel entfernt.
Mit der Piroge zur einsamen Affeninsel
Am Flussufer bestiegen wir die einzige motorisierte Piroge und setzen über zur Insel. Trotz des lauten Getöses können wir bereits die Schreie der Affen ausmachen, die unsere Ankunft sehnlichst zu erwarten scheinen. Beziehungsweise die der Mangos, Papayas und Bananen, die wir im Gepäck haben. Unser Steuermann schaltet den Motor aus und lässt uns keine zehn Meter von den Primaten entfernt im Wasser treiben. Wir werfen die Früchte an Land und sorgen damit für mächtig Aufruhr in der Gruppe wild herumspringender Schimpansen.


Die Geschichte der Affeninsel, so weiß es mein Reise Know-How Büchlein, geht auf eine Französin zurück. Aus Mitleid kaufte sie ein Babyäffchen auf einem Wildtiermarkt und stellte bei der Suche nach einer geeigneten Unterkunft fest, dass keiner der hiesigen Zoos für das Wohl der Affen sorgen konnte. So entstand die Idee, eine unbewohnte Insel im Lauf des Sanagas als künstliches Habitat für die Schimpansen zu nutzen. Hier haben sie den hohen Tropenwald für sich. Die Organisation Papaye Internationale kümmert sich, auch mit den Einnahmen der (wenigen) Touristen um die Versorgung. Im Gegenzug kommen wir zu einmaligen Tiererlebnissen.
Vor allem die sozialen Strukturen der Menschenaffen faszinieren uns. Gab es am Anfang noch mächtig Wirbel um die Aufteilung der Speisen, schreitet kurz darauf der Chief Victor mit herrischerem Getue ein, um die Neider voneinander zu trennen. Er stellt sicher, dass die Damen mit ihrem Nachwuchs genügend abbekommen, ohne sich selbst eine Diät aufzuzwingen. Um es nochmal allen zu beweisen, begattet er vor den Augen aller ein Weibchen, welches gerade dabei war ihr Mittag zu verspeisen. Das hat die Szene sichtlich beruhigt. Von den Halbwüchsigen, die entweder auf den Mangrovenknollen hocken oder sich ganz in die Baumkromen verzogen haben, kommt kein Pieps mehr.


Natürlich geht es bei dem Projekt auch um Sensibilisierung gegen den Verzehr von Bushmeat (Affen, Schlangen, Schuppentiere etc.). Doch selbst als Vegetarier, der Bushmeat per se ablehnt, tue ich mich damit schwer Menschen zu kriminalisieren, die das essen, was in ihrer Umgebung lebt. Nichts anderes haben wir in Europa getan, nur dass wir bis heute erwarten, dass der Rest der Welt unsere auf industrieller Massentierhaltung basierenden Essgewohnheiten von Kuh, Schwein und Huhn übernimmt. Die Menschen hier hingegen bedienten sich über Jahrtausende nur soweit an der Natur, wie es das biologische Gleichgewicht erlaubte. Dass es heute in Zeiten globaler Märkte zum Ausverkauf tropischer Tierarten kommt, würde ich also weniger den Menschen hier, als unserem momentanem Wirtschaftssystem zu Lasten legen, für welches nur wir Westler verantwortlich sind.


Das mildert aber ganz sicher nicht die Freude zu sehen, wie vom Aussterben bedrohte Tiere, und das sind alle freilebenden Schimpansen, durch die mutige Initiative einer einzelnen Person ein unbeschwertes, freies Leben führen können. Leider bleibt uns nicht viel Zeit zum Philosophieren. Schon nach fünfzehn Minuten dreht unser Kapitän die Piroge Richtung Marienberg und wir treten unsere Rückreise an.
Mein Fazit
Marienberg ist ein sehenswertes Reiseziel, noch nie habe ich Affen so frei und sorglos erlebt. Leider jedoch werden einem bei der Reiseplanung einige Steine in den Weg gelegt. Bereits die Telefonnummer des Hotels in Edéa oder Papaye Internationale aufzutreiben war kein leichtes bis unmögliches Unterfangen, ganz zu schweigen von einem kundigen Führer. Der den wir gefunden haben, weigerte sich die Preise transparent zu kommunizieren, kam zu spät am vereinbaren Treffpunkt an und begnügte sich dann auf seine Arbeit als Schlepper zu überhöhten Preisen. Es ist wie so oft in Kamerun: Gewaltiges, aber ungenutztes Potential.

Wer schreibt hier?
Ich bin André, lebe beruflich in Kamerun und liebe alle Arten von Abenteuerreisen. Auf Wohinnoch? erkunde ich mit euch die Welt, schreibe Erfahrungen wieder und gebe euch Reisetipps, wie zum Beispiel zu Marienberg. Wenn diese Worte nicht meine letzten an dich sein sollen, kannst du meinen Blog abonnieren und mir auf Instagram folgen. Und vielleicht erkundest du eines Tages auch die magische Affeninsel!






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