Morgensport in Yaoundé: Laufen, Tanzen, Schwitzen am Mont Fébé
Samstagmorgen, 7 Uhr. An Kreuzungen und Kreisverkehren überall in Yaoundé trifft sich eine riesige Gemeinschaft zum Morgensport. Aus den gelben Taxis steigen nach und nach Männer und Frauen in bunten Regenmänteln. Das Motto: „Das Fett ausschwitzen.“
Auch ich bin dabei. Ohne Regenmantel, dafür aber mit ordentlich Elan, treffe ich meine Kumpels am Kreisverkehr in Bastos. Unser Ziel: Den Mont Fébé joggend bezwingen.
Tanzender Massensport am Parcours Vita
Entlang der breiten Präsidentenstraße strömen Menschenmengen bergauf. In Gruppen organisiert, Sportclubs, Betriebe, Religionsgemeinschaften oder Kompanien, geht es in Schritt, Lauf oder Marsch hinauf. Die Soldaten posaunen im Gleichschritt gewaltige Marschlieder, andere haben Boxen im Schlepptau. Die Straße vibriert!

Nach etwa einem Kilometer erreichen wir den Parcours Vita, einen weitläufigen Sportpark mit Geräten, Sportplätzen und Laufstrecken. Auf dem Hauptplatz hüpfen hunderte Menschen zu wummernden Bikutsi-Rhythmen. Dieser kamerunische Tanz, bei dem beide Füße stampfen, man seinen Rücken „bricht“ und mit den Armen wackelt, scheint wie gemacht für ein HIIT-Workout.

Vor dem Eingang bauen derweil Verkäufer ihre mobilen Stände auf: Sportschuhe, Wundsalben und Waagen. Aus einem Bus reichen junge Damen Flyer für die nächste Volleyballmeisterschaft. Daneben gibt es frisch gepresste Fruchtsäfte und farbenfrohe Salatschalen. Doch die haben wir uns noch nicht verdient – unser Tunnelblick richtet sich auf den nächsten Anstieg: Die Straße zum Gipfel des Mont Fébé!
Der Anstieg auf den Mont Fébé
Der Mont Fébé ist wohl der bekannteste Hügel Yaoundés und ein klassisches Ziel für Touristen. Eine sich windende Asphaltstraße führt zwei Kilometer durch dichtes Blattwerk, vorbei am Staatshotel und einem Kloster, das früher einmal abgeschieden lag. Heute dienen dessen steinerne Stufen für Kardioübungen.
Die Steigung hat es in sich – durchschnittlich sieben Prozent. Die meisten verlangsamen ihren Schritt oder wechseln direkt in den Flaniermodus. Nur ein paar Radfahrer und natürlich wir, als herkulesgleiche Profisportler, kämpfen uns weiter im Laufschritt nach oben. So jedenfalls fühle ich mich in diesem Moment. Workout-Gruppen am Straßenrand feuern uns an und machen ein Aufgeben unmöglich.



Ich keuche wie ein ledriger Blasebalg, aber es lohnt sich: Oben, bei zwei markanten Felsen, öffnet sich ein weiter Blick über das im Morgentau dampfende Yaoundé. Fünf Millionen Menschen tummeln sich irgendwo da unten, während wir hier oben durchatmen und ein paar Dehnübungen machen.


„Komisch, du schwitzt ja gar nicht“, sagt mein Freund und mustert mein durchgeweichtes T-Shirt. Dann erkennt er die eine kleine helle Stelle: „Ah, okay. Du schwitzt überall.“
Die Belohnung: Saft!
Der Abstieg geht leichter. Denn zurück am Parcours Vita wartet unsere Belohnung: Saft! Unsere Lieblingsverkäuferin winkt schon und drückt uns Becher mit Probeschlücken in die Hand, Mango, Orange, Baobab, Hibiskus, Ingwer… in allen möglichen Kombinationen. Für drei Euro gibt’s die 1,5 Liter Flasche zum Mitnehmen.

Jetzt nur noch der lockere Rückweg. Duschen. Balkon. Beine hoch. Saft. Mein idealer Samstagmorgen!

Wer schreibt hier?
Ich bin André, lebe seit 2022 in Kamerun und bin dein Anlaufpunkt für Reisen in Kamerun. Auf Wohinnoch? erkunde ich mit euch die Welt, schreibe Erfahrungen nieder und gebe euch Reisetipps. Wenn diese Worte nicht meine letzten an dich sein sollen, kannst du meinen Blog abonnieren und mir auf Instagram folgen.




One Comment
Ulrich Retz
Ein liebes Hallo aus Vaihingen an der Enz ca 30km von Stuttgart sendet dir Ulli.
Vielleicht erinnerst du dich noch an mich. Habe dir im März geschrieben, damals war ich in Yaounde, hatte gehofft wir könnten uns mal treffen. Bin mittlerweile mit einer Camerunerin verheiratet, wir machen derzeit Papiere das sie nach Deutschland ziehen kann. Jedoch schlägt mein Herz mittlerweile für Camerun ich werde definitiv mein Lebensabend sprich Rente dort verbringen. Ich war schon in fast allen Ländern der Erde aber nirgendwo fühlte ich mich so wohl wie dort. Würde mich freuen mal von dir zu hören. Email: treeclimber1406@gmail.com oder 004915227577011 über WhatsApp. Freundiche Grüße aus Deutschland Ulli