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Kribi – „La Belle“
Der Ablauf nach der Tour sieht genau gleich aus. Vielleicht springt man einmal ins Wasser oder gesellt sich zu den am späten Nachmittag spielenden Fussballern. Die Flut kündet das Spektakel des bevorstehenden Sonnenuntergangs an, und wenn sich der Himmel dann schwarz färbt sucht man sich ein Restaurant, um wenigstens einmal aus dem Haus gekommen zu sein.
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Indikatives Zeitverständnis Teil 2: Die Hochzeit
Eine Hochzeit ist der wohl größte Anlass für eine groß angelegte Feier in Kamerun. So auch bei meiner Kollegin und ihrem Bald-Ehemann. Während die Festivitäten schon vor einer Woche mit der traditionellen Übergabe von Geschenken und der Braut vollzogen wurden, standen heute die drei folgenden Punkte auf dem Tagesprogramm: Vermählung im Bürgeramt, Vermählung in der Kirche und Feier am Abend. Der Termin im Bürgeramt ging fast pünktlich eine Stunde nach Programmplan los. Große Unterschiede zu einer deutschen standesamtliche Trauung konnte ich, bis auf die Geräuschekulisse, nicht ausmachen. Tiefpunkt war die arg patriarchische und auch noch langwierige Rede des Standesamtlers, der in monotonem Gebrabbel nicht häufig genug betonen konnte, welche dem…
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Indikatives Zeitverständnis Teil 1: Douala, die Stadt am Meer
Ich mache eine Liste. Ab jetzt mache ich eine Liste. Nur so kann ich nachverfolgen, wie viel Zeit ich während meines Aufenthalts in Kamerun mit reinem Warten verbracht habe. Nur zur Orientierung: Als ich in einem deutschen Podcast hörte, 30 Minuten Wartezeit wären eine Zumutung, brach ich in schallendes Gelächter aus. Ich lachte nicht aus Unverständnis für diese mir sehr plausibel erscheinende Einordnung. Ich lachte aus reiner Verzweiflung. 30 Minuten sind der Himmel auf Erden, wer braucht da noch das Paradies? Heute geht es um meine persönliche Hölle, das „indikative Zeitverständnis“. Der Blog beginnt mit einem typischen Mittwochmorgen – es gab Haferflockenmüsli zum Frühstück und meine seit zwei Wochen leer…
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Die Glückszahl meines Taxifahrers
Schon ein merkwürdiger Geruch, dem die Kameruner jeden Tag ausgesetzt sind, wenn sie allmorgendlich an mir vorbeilaufen: Eine Mischung aus Schweiß, Sonnencreme, Mückenspray und schließlich Parfüm, um im Büro souverän zu wirken. Doch der Austausch von kuriosen Eindrücken ist beidseitig, denn auch ich wurde innerhalb der letzten Woche mit merkwürdigen und eindrucksvollen Dingen konfrontiert, von denen ich euch in diesem Blogeintrag berichten möchte. Fangen wir am besten mit dem ersten Punkt auf meiner eben genannten Odeur-Liste an: Schweiß. Viele Menschen in Kamerun wirken ziemlich sportlich und fit. Während die Muskeln einiger jungen Männer wie Bögen gespannt sind, sieht man Damen nicht selten in kurviger „S“-Form ihres Weges stolzieren. So kommt…
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Meine erste Woche in Yaoundé
Der augenscheinliche Nachteil an chronologisch geschriebenen Reiseberichten ist, dass sich der Autor zwangsläufig einer Liste voller Aufzählungen ergeben muss, die zwar informativ, jedoch wenig unterhaltsam ist. Ich lief also – es war der fünfte Tag meines Aufenthalts – der Zeit entgegengesetzt, rückwärts durch den innerstädtischen Stadtverkehr, verwandelte Kohlendioxid in Sauerstoff und schaute dem Regen dabei zu, wie er von den Wolken aufgesaugt wurde. Und wenn auch die Taxifahrer im Rückwärtsgang fahren, oder das Ei ein Huhn legen würde – es würde in diesem mir noch so unbekannten Treiben hier nicht weiter auffallen. Auch ist der Prozentsatz an französischen Sätzen, die ich verstehe, rückwärts wie vorwärts gesprochen, ungefähr identisch, was an…
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Pizza vor der Reise
Ich sitze auf einer etwas älteren Couch in einem italienischen Wohnzimmer. Das Wohnzimmer ist dank des gefliesten Bodens und der hohen Decken relativ kühl, doch draußen prallt die Sonne – ununterbrochen. Als ich diesen Mai auf dem selben Sofa saß, war der Rasen draußen noch grün, jetzt ist er nicht mal mehr als Rasen, sondern eher als Stroh zu bezeichnen. Auf diesem älteren Sofa versuche ich in meinem dick geschwollenen und doppelt gebrochenen italienisch zu erzählen, wie unsere kleine Reise durch Polen, die Slowakei und Tschechien war. Währenddessen wird hier im Haus auf meinen Wunsch hin gerade eine Pizza Salami zubereitet. Doch warum erzähle ich euch das? In einer Woche…
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Gorillas und der Drang nach Schlaf
Nach zwei Stunden Schlaf saß ich im Taxi und aus dem blechernen Autoradio donnerte mir Whitney Houston ein ganzes Album lang ihre Beziehungsprobleme ins Ohr. Ich richtete meinen Blick auf den leidenschaftlich mitsingenden Fahrer und machte nicht nur das sich im Rückraum des Vehikels ansammelnde Kohlenmonoxid für meine Kopfschmerzen verantwortlich. Es war das Wochenende, an dem ganz Kamerun muslimisch wird und sich den Mond herbeisehnt. Schließlich würde das einen weiteren nationalen Feiertag herbeiführen und damit das Wochenende auf vier Tage verlängern. Und als es dann endlich so weit war, wurde am Montagabend wie an einer deutschen Grundschule der Unterrichtsausfall verkündet: In jedem WhatsApp Status erschien das herbeigesehnte Dekret des Präsidenten…
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West-Kamerun aus dem Sattel: Bloß nicht Pferdreten
Unser Marsch führte uns durch das große hölzerne Eingangstor der Range hindurch und für mehrere Stunden erst entlang der Erdstraßen, die die über die Hügel verteilten Gemeinschaften verbinden, bis wir schließlich auf kleinere Pfade abbogen und schlussendlich über üppig grüne, hohe Wiesen ritten. Unsere Blicke richteten sich auf die vielen Maisfelder, die sich von der kürzlich erfolgten Ernte erholten und in deren Gefilden die Bewohner die Pflanzen für die Kommende vorbereiteten...
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Die Unbezähmbaren fahren zur Weltmeisterschaft
Die Weltmeisterschaft steht vor der Tür und im edlen Hilton Hotel riecht es nach Marihuana. Zugegeben, ich habe nicht immer die besten Quellen, doch ich versichere euch: Beides steht im engen Zusammenhang. Fangen wir dazu einfach am 07. November an...
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Jam Sessions in Cameroon
Despite being quite open on my travels, I haven’t much shared my musical adventures on this blog. Basically, you can find some songs written by me as well as covers under „Musik„. Reality, however, shows that if I do not create own blog posts for it, no one will listen to it. It is time to be more transparent! Today, I want to show you some of the jam sessions I had with people in Cameroon. My latest recording session was with my former flatmate Maude, who got a crazily smoky voice! When we were still living in the same appartment, we had jam sessions together and practiced songs like:…






















