Tansania

3 Wochen Tansania im Rückblick

Eine Woche ist jetzt wieder verstrichen und somit genug Zeit, um die Reise mit ein bisschen Abstand zu betrachten. Das Gute wenn man einen Flug bucht ist, dass man dann schon weiß, dass man es nicht bereuen wird. Es ist tatsächlich für viele schwer viel Geld auszugeben, lange bevor es eigentlich losgeht. Doch man wird um sein Geld nicht betrogen. Jeder Euro zahlt sich zu irgendeinem Zeitpunkt auf der Reise aus. Natürlich ist es ein Unterschied, ob man in den Harz, nach Spanien oder in die dritte Welt reist. Das heißt aber nicht, dass das eine besser oder schlechter ist. Das muss jeder für sich selbst wissen. Da ich sowohl schon auf La Palma und Mallorca in Tarifa und Barcelona und auf dem Brocken war stand für mich diesmal etwas anderes auf der Karte.

Blogeinträge die geplant sind:

  • Ein Überblick über das Land Tansania
  • Reisetipps und Empfehlungen
  • Verhaltensweisen auf Reisen

Ich versuche so wenige Sachen wie möglich zu wiederholen, allerdings wird mir das nicht immer ganz gelingen.

Auch kurz nach dem Sonnenuntergang stehe ich noch am Strand und gucke auf den seichten bläulichen Wellengang des Viktoriasees. Es ist warm und Moskitos plagen mich heute angenehmerweise mal nicht. Es ist der letzte Abend hier in dem Land, das mir die ersten wertvollen Eindrücke von Afrika gegeben hat. Ich denke ein wenig zurück.

So richtig realisieren konnte ich die Situation ja noch nicht, als ich mit meinem Rucksack in der S Bahn auf dem Weg zum Flughafen war. Das ist aber auch gar nicht schlimm, denn das Land Tansania konfrontierte mich noch früh genug mit sich und sorgte selber dafür, dass ich sofort drin war im ostafrikanischen Alltag. Die Ankunft in Sansibar war eine gute Idee, denn von hier aus ging es eigentlich nur in eine Richtung – nämlich aufs Festland. Noch während ich auf Sansibar herumlief war mir gar nicht bewusst, dass sich diese Insel sehr deutlich vom Rest des Landes abhebt. Diese Unterschiede kamen mir aber erst im Nachhinein ins Gewissen. Von Sansibar ist mir als Reisender sehr stark der ausgeprägte Tourismus sowie die mehrheitlich islamische Gesinnung der Bevölkerung im Kopf hängen geblieben.

Mein Konzept alle 2 oder 3 Tage den Ort zu wechseln hat sich als das Richtige für mich herausgestellt. Zwar gingen 2 Tage durch Busfahrten mehr oder weniger verloren, allerdings habe ich dadurch auch viele unterschiedliche Orte gesehen und kennen gelernt. Wenn man auf die Weltkarte guckt, dann sieht Afrika immer so groß aus wie Grönland, dabei ist allein Tansania schon halb so groß wie Grönland (Größenverhältnis: Tansania 3:1 Deutschland). Aufgrund dieser Ausmaße und Entfernungen muss man auf einer 3-wöchigen Reise unweigerlich Abstriche machen. An jedem Ort anhalten und mal 2 Wochen im Dorf leben geht da leider nicht.

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Meine Route: (1) Sansibar, (2) Dar Es Salaam, (3) Bagamoyo, (4) Morogoro, (5) Dodoma, (6) Moshi, (7) Nationalparks, (8) Mwanza

Gleich nachdem ich auf das Festland mit der Fähre übergesetzt habe, stellte sich mir die Frage, ob ich mir die größte Stadt Tansanias „Dar es Salaam“ anschauen will. Ich habe mich dagegen entschieden, da ich nicht gleich am Anfang Zeit verlieren wollte. Wer weiß, was ich dadurch verpasst habe, aber im Endeffekt hat mir diese Entscheidung den Abstecher zum Kilimandscharo ermöglicht!

„Man kann nicht alles sehen.“ Mit diesem Satz wird man regelmäßig konfrontiert, wenn man sich mit anderen Backpackern unterhält. Und er stimmt. Es ist unmöglich.  Gehe ich in Richtung Norden verpasse ich den Süden, und fahre ich zur nächsten Stadt, dann rauschen an mir unendlich viele kleine Dörfer vorbei, ohne, dass ich auch nur meinen Fuß reingesetzt habe. Doch verhält sich mit den Dörfern und Städten innerhalb eines Landes wie überall anders auch. Natürlich kann man überall was anderes entdecken oder erleben, aber um einen Überblick zu bekommen muss man nicht jedes einzelne gesehen haben. Und sobald ich ganz pingelig jedes Dorf nach jedem Detail abklappere, verpasse ich ganz andere Orte in anderen Ländern, für die dann keine Zeit mehr bleibt. Die Frage ist also: Habe ich einen Überblick bekommen?

Ja, ich denke schon. Ich habe sehr viele Leute kennen lernen dürfen und war in den unterschiedlichsten Gegenden. Die Leute haben mir von ihren Sorgen, aber auch von den Freuden ihres Lebens erzählt und gaben mir somit einen Einblick in deren Leben. Drei Wochen sind drei Wochen, also eine begrenzte Zeit. Es geht darum, was man aus dieser Zeit macht. Ein Moskito, dass nachdenklich auf meiner Schulter landet fragt mich, ob ich die Zeit denn optimal genutzt habe. Ich antworte schnell und überzeugt mit „Ja“ und zerklatsche das nervige Viech.

Das Highlight meiner Reise war ganz klar der Tag, als mich die Leute in der Kirche in Morogoro erst dazu eingeladen haben zur Messe am Sonntag zu kommen und mir dort auch noch ein Geschenk überreichten. Danach lud mich mein Kumpel John sogar noch nach Hause ein und zeigte mir seine Gegend. Origineller geht es nicht und ich überlege, warum es hier so einfach ist mit Leuten in Kontakt zu kommen. Mit Sicherheit liegt es auch an der Kultur der Gastfreundschaft, aber auch daran, dass ich alleine gereist bin. Alleine sieht man immer ein bisschen hilfsbedürftig aus und ist auch darauf angewiesen mit anderen Leuten in Kontakt zu kommen, da man sonst, je nach Charakter etwas vereinsamen kann. Zu zweit hat man immer einen Bezugspartner mit dem man sich in der eigenen Sprache eine kleine Kapsel um sich herum aufbaut. Einheimische nehmen einen daraufhin nicht als ganz so hilfsbedürftig wahr. Zudem können Missverständnisse entstehen, wenn der eine nach einem deutschen Witz lacht und der Einheimische nicht weiß, worum es geht.

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Eine selbstgemalte Postkarte. Das Motiv bilden die Massai mit ihren roten Umhängen.

 

Ich bin kurz davor dem Wasser für mindestens ein halbes Jahr den Rücken zu kehren, doch mir kommt noch ein Gedanke: In Tansania konnte ich nur in engeren Kontakt mit den Leuten kommen, die auch Englisch sprechen. Das sind zwangsläufig Leute, die auf eine Schule gegangen sind, einen Job haben und daher nicht bettelarm sind. Die elende Armut, die es in Tansania an vielen Stellen gibt, habe ich immer nur von außen betrachten können. Doch ich habe noch einige Reisen vor mir, um auch das Leben jener Leute genauer kennen zu lernen und daraus zu lernen.

Ich drehe mich um und laufe den Strand hoch in Richtung Straße. Mein Körper weigert sich, doch mein Gehirn zwingt meinen Körper, sich doch noch einmal zu wenden und so gucke ich ein letztes Mal auf die mittlerweile von der Nacht pechschwarz gefärbten Wellen. Ich sage mir: „Egal was du machst – höre nie auf zu reisen!“

André, 26.03.2017 – Berlin

 

Wohinnoch? ist ein Reiseblog, in dem wir mit ausgiebig Zeit die weniger beachteten Orte dieser Welt besuchen.

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