Kribi – „La Belle“
Kribi ist der Ort Kameruns, wo sich auch ein Ballermanntourist wohlfühlen würde. Es ist für alles gesorgt: Strand, Bier und genug Liegen zum Handtuchdrauflegen. Die 60,000 Einwohner Stadt wächst stetig und lockt Investoren aus aller Welt an, die ihre Hotels in den Sandboden bauen. Doch zum Glück befindet sich Kribi noch im Anfangsstadium hin zu einer Beachparty-Metropole. Das heißt: Es gibt noch weiteläufige, traumhafte Sandstrände und man kann bei Sonnenuntergang Milch aus einer Kokosnuss schlürfen, die direkt neben einem auf den Boden gefallen ist. Von diesem Ort handelt dieser Blogeintrag.

Ich habe es für eine ziemlich lange Zeit versucht, was direkt gelogen ist, denn bisher war der Grund für mein Nichterscheinen eher dem sonst schon vollen Programm geschuldet. Doch wurde ich von meinen Kollegen gewarnt, dass ein einmaliger Besuch gleich mehrere weitere nach sich ziehen würde. Dieser Behauptung wollte ich nachgehen.
Mit dem Bus sind es je nach Verkehrsaufkommen und Fahrstil des Busfahrers vier bis acht Stunden Fahrtzeit. Der Fahrstil kann dabei ohne Übertreibung tatsächlich für mehr als eine Stunde Unterschied verantwortlich sein und ich war froh, sowohl bei der Hin- als auch bei der Rückreise ein paar Minuten länger an den Zielort gebraucht zu haben. Dafür kam ich aber auch in ganzen Stücken an. Verkehrsunfälle gehören leider zum Teil des Kameruner Alltags.

Kribi ist eine Medaille mit zwei Seiten, das stellt man nicht nur als Olympionike fest. Einmal der umtriebige Ballungsort, längst nicht mehr Heimat nur für Fischer. Unweit von Kribi entsteht momentan ein riesiger Tiefseehafen. An den Hauptachsen, die meist parallel zum Strand verlaufen, reihen sich Kochstuben mit scharf getrocknetem und scharf gewürztem Fisch. Überall kreisen Mototaxis, in Kleinst-Boutiquen werden Waren für den täglichen Bedarf feilgeboten, während daneben klimatisierte Supermärkte Tiefkühlpizzen verkaufen.




Egal in welche Richtung man fährt, irgendwie kommt man immer wieder am Strand heraus. Die vielleicht auffallendste innerörtliche Sehenswürdigkeit ist der alte Fischerhafen, an dessen Ader, dem Kienké Fluss, sich idyllisch eine Kirche, ein Fischmarkt und ein Standort des Schnelleinsatzkommandos schmiegt. Also aufpassen in welche Richtung man seine Kameralinse richtet. Laut Reiseführer gibt es hier sogar einen Leuchtturm, doch kann dieser nicht allzu groß sein. Ich habe ihn jedenfalls nicht gesehen und müsste doch eigentlich, wieder nach offizieller Kartographie, genau danebengestanden haben.
Nun fuhren wir zu unserer Strandunterkunft „Tara Plage“. Die andere Seite der Medaille: Ruhe, Idylle, Wellen. Kurz: Kribi „La belle“. Ein aus mehreren Rundbungalows bestehender Hotelkomplex mit überdachtem Essbereich im Freien, lädt zum Verweilen ein. Das Merr liegt nur 50 Meter vom Bungalow entfernt.
Nachdem wir unsere Sachen in einem der Rundbungalows abgelegt hatten, zog es uns direkt wieder raus ans Ufer. Am frühen Nachmittag, so sollten wir noch lernen, bieten die Gezeiten dem geneigten Spaziergänger genug Raum für eine trockene Strandwanderung entlang der Palmenpromenade. Nagut, die Mehrzahl der Bäume waren Laubbäume. Funfact: Palmen sind keine Bäume.



Ein Blick hinaus aufs weite Blau offenbarte mir eine wie aus einem Taschenfeuerzeug ausgelöste Flamme, die mir über Kameruns Haupteinnahmequelle Bescheid gab: Petrolium. Doch nicht nur kamerunisches, sondern auch malisches Öl wird vor dieser Küste nach einem langen Weg durch eine inländischen Pipeline in Schiffe gepumpt und in alle Welt verschifft (Italien, China, Niederlande).
Als einer der wenigen Touristen, die nicht zum Studium internationaler Handelsbeziehungen wegen nach Kribi gereist ist, beschloss ich meinen Fokus lieber auf die mutigen Fischer zu werfen, die auf ihren Pirogen den Angereisten täglich das romantische Küstenflair abrunden. Zumal sich die Sonne langsam sank und versuchte den Himmel mit allerlei warmen Farben zu bemalen, was ihr aufgrund der vielen Wolken allerdings nicht so recht gelingen sollte.


Es ist ein schöner Tagesablauf am Meer. Man wacht auf, isst einen Avocadosalat oder gewürzte Kidneybohnen mit Begneits (sowas wie Quarkkeulchen), putzt sich die Zähne (muss sein) und legt sich dann mit einem Buch auf eine Strandliege. Ob man sich schon in einem befindet oder nicht, ziemlich sicher kommt man hier und dort in ein weiteres Gespräch, welches nicht selten mit der Entscheidung heute eine Pirogentour zu machen endet.


Der Ablauf nach der Tour sieht genau gleich aus. Vielleicht springt man einmal ins Wasser oder gesellt sich zu den am späten Nachmittag spielenden Fussballern. Die Flut kündet das Spektakel des bevorstehenden Sonnenuntergangs an, und wenn sich der Himmel dann schwarz färbt sucht man sich ein Restaurant, um wenigstens einmal aus dem Haus gekommen zu sein.



Diese Routine wiederholt sich dann wunderbar öde tagtäglich. Ein paar erwähnenswerte Erlebnisse gab es dann aber doch. Wir saßen, in ein Gespräch vertieft, in einem Restaurant nahe den Lobé Wasserfällen, die direkt ins Meer münden. Ohne Vorwarnung stürmte der heitere Besitzer lautstark mitsamt Entourage und Whisky auf uns zu, erfragte kurz unser OK und schenkte uns daraufhin ein. Innerhalb von wenigen Sekunden nahm der Abend eine ganz andere Richtung, und zwar keineswegs eine, auf die man eher verzichten würde.
Unser Highlight war ganz sicher Doris, die kamerunische Spanischlehrerin, dank derer ich rausgefunden habe wozu rauchen gut ist: Karaoke. Mit Reibseisenstimme schmetterte die Dame im Barcelonatrickot eine Ballade nach der nächsten in unsere Gesichter und bewegte sich dabei wie es Leute tun, die ihrer Gesangsmelodie durch ihre Körperbewegungen Nachdruck verleihen möchten.



Das Mikro wurde selbstverständlich weitergereicht und wir ergänzten uns wirklich hervorragend. Erst sie, dann wieder ich, um das Niveau wieder auf Normalniveau zu senken, dann jemand anderes auf Normalniveau, dann meine Begleiterin im Legendenmodus. Egal wer sang, Doris hörte sich den Gesang aufmerksam an und gab, wenn nötig Ratschläge, oder sprang, wenn nicht, bis an die Decke. Nach einem Falsett oder irgendeiner anderen Gesangstechnik, deren Name schon so kompliziert klingt, dass ich sie niemals lernen würde, rannte sie energiegeladen aus dem Restaurant über den Steg bis hin zu den Wasserfällen. Ich hatte ernsthaft Angst, dass mir die gute Frau heute Abend noch etrinken würde. Glücklicherweise war ihre Begeisterung für das Gesungene dann doch stärker als der Drang ihrer mörderischen Freude Ausdruck zu verleihen. Was für ne Powerfrau!
Was noch? Die Pirogentour, die wir wahrscheinlich eher absolvierten, um sie nun mal gemacht zu haben, bot nicht so spektakuläre Naturspektakel, wie damals in Ebogo. Die vielspurige Autobahn hin zum neuen Hafen außerhalb der Stadt, muss den Fluss naturgemäß irgendwo überqueren. Wir verzichteten auf den Ausflug zu den Indigenen, unser Interesse galt eher der örtlichen Sandindustrie. Immer wieder passierten wir Holzflöße mit zwei Arbeitern. Einer, hoffentlich derjenige, der von seinem Kollegen am Abend ein Bier spendiert kriegt, tauchte unentwegt mit einem Eimer hinab um diesen einmal durch den Bodensand zu fahren. Daraufhin zog der andere das Seil, an dem der Eimer befestigt war, hoch und schüttete ihn dann auf dem Floß aus. Über Rohre wurde der Sand dann ans Ufer gepumpt.




Eines anderen Tages fuhren wir mit einem Guide und einem abenteuerlichen Motoman („Mince, regarde la rue, ehh!“) fast eine halbe Stunden lang außerorts. An einer X-beliebigen Stellen hielten wir an, und liefen querfeldein ins Gestrüpp. Wer hier keine Angst vor der giftigen Mambaschlange bekam, ist noch keiner begegnet. Wenige Meter entfernt befand sich das Ufer und wir liefen über ein paar Monolithen hin zu einer Grotte.
In unwahrscheinlichster Art und Weise stapelten sich hier riesige Felsblöcke gerade so, dass sie nicht wie ein Kartenhaus ineinanderfielen. Nach kurzer Kletterei befanden wir uns innerhalb der Grotte, einer Einbuchtung oder Höhle, in der sich während des ersten Weltkrieges die Einheimischen vor dem maritimen Beschuss der Kolonialmächte verschanzten.


Wie so oft: Die Zeit ging zu schnell vorüber und wir saßen wieder im Bus nach Yaoundé. Ein Mitbringsel brachte ich ungeahnt auch noch mit nach Hause, sollte es aber erst zwei Wochen später erfahren: Malaria. Aber keine Sorge, mir geht es den Umständen entsprechend gut und immerhin konnte ich mich so ganz entspannt darum kümmern, den Blogeintrag, den ich auf die lange Bank geschoben habe, endlich zu veröffentlichen. Ach…und hinsichtlich meiner Untersuchung in Kribi: Meine Kollegen hatten recht.
…pssst…die Seite hat jetzt auch einen Instagram-Account:





5 Comments
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Janni
Vielen vielen Dank für die ganzen Infos. Ich glaube ich habe noch keinen Artikel zum Thema Essen in Kamerun bei dir gefunden, vielleicht hättest du ja Lust noch einen zu schreiben, das würde mich sehr interessieren 🙂
Ganz liebe Grüße
Andre
Vielen Dank für das Feedback! In einem Beitrag habe ich Okok gekocht, aber das ist schon wieder ein Jahr her! Dann widme ich mich dem Thema mal demnächst!
Liebe Grüße!