Postkarten aus den Bale-Moutains
Heute melde ich mich mit einem neuen Format, über meine Reisen zu berichten: Digitalen Postkarten! In diesem zwei Minuten Video seht ihr die schönsten Fotos, kurze atmosphärische Videoausschnitte und eine kleine Bildunterschrift.
Im Januar diesen Jahres war ich in den Bale-Mountains unterwegs, das ist der größte zusammenhängende alpine Lebensraum Afrikas. Auf durschnittlich 3,500 Metern Höhe sind wir dabei fünf Tage gewandert – durch weite Hochplateaus, Regenwälder und bis auf die Spitze des zweithöchsten Berges Äthiopiens, 4,377 Meter hoch. Dank unseres erfahrenen und auch sehr speziellen Guides Mahmud haben wir dabei seltene Arten wie den äthiopischen Wolf oder das Bergnyala gesehen. Doch genug der Worte, hier gehts zu den Postkarten!
Als zweites möchte ich euch eine andere Sache nicht vorenthalten: Mahmud, unser Guide. Ein wahres Unikat. Seiner selbst ein rüstiger, kompakter Überlebenskünstler fortgeschrittenen Alters, hat uns so einige Lacher besorgt, die wir nun mit euch teilen wollen.
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„Rrrreally!“ Dieses Wort ruft Mahmud immer dann aus, wenn man mit einer neugierigen Nachfrage wissen will, ob das was er so sagt, wirklich stimmt. Dabei starrt er uns mit leuchtenden Augen, entweder beleidigt, weil wir es nicht glauben wollen, oder stolz über die Geschichte, die er ausgepackt hat!
Wir wandern vorbei an einem dreieckigen Verkehrsschild mit rotem Rand und Reh in der Mitte. Ich weise Mahmud im Scherz darauf hin, dass es hier doch gar keine Rehe gebe, sondern nur Berg-Nyalas. Doch diesen Kommentar nimmt Mahmud nicht leichtfertig hin, er geht der Sache auf den Grund. Als wir wenige Momente später den Parkleiter treffen, durchlöchert Mahmud diesen mit Fragen (und Drohungen). Warum warnt dieses Schild vor Rehen? Und nicht vor Berg-Nyalas? Kann man das nicht genauer darstellen? Alle Schilder gehören in den nächsten Tagen ausgetauscht. Wenn das nicht geschehe, werde er die Sache selber in die Hand nehmen. Nach dem Gespräch ist Mahmud zufrieden: In seiner Welt hat der Leiter nämlich zugesichert, alle Schilder auszutauschen. Wir glauben es ihm. Um des Friedens Willen.


Wir fahren mit dem Tuk Tuk über eine staubig-trockene Straße an den Rand des Nationalparks. Nach 30 Minuten Fahrt ist jede Pore unserer Körper voller Feinstaub. Auch Mahmud ist nicht besser weggekommen. Die ersten Kilometer ruft er uns zu: „I am a dusty boy!“ Erst von Nahem, dann von Weitem, bis er fast ganz hinter dem Horizont verschwunden ist. Unser Guide läuft vor uns weg, wie kann das sein? Wenig später die Aufklärung: An einem Bach wäscht sich Mahmud gründlich sauber und resümiert: „Now I am clean boy.“
Wenn Mahmud eins liebt, dann ist es Kaffee! Jeden Morgen zelebriert er das Buna-Ritual mit frischer Kuhmilch. Dabei wird die Flüssigkeit bis über dem Tassenrand eingefüllt, nur die Oberflächenspannung hält die flüssige Konstruktion aufrecht. Auf meine Nachfrage erklärt er: Wenn einem weniger eingefüllt wird, heißt das, man sei nicht Willkommen. Und das ist Schlimmer, als ein Klecks Kaffee auf der Hose. Ich frage mich, wie Mahmud die nächsten drei Tage ohne Kaffee im Park aushalten wird. Fazit: Erstaunlich gut, er lehnt sogar einmal die Einladung einer Hirtin zum Kaffeetrinken ab. Als wir dann nach drei Tagen wieder in die Zivilisation zurückkehren, ist jedoch klar, wohin unser Weg zuerst geht.


Mahmud ist auf alles vorbereitet. Jede Pflanze, jedes Tier kann er in wenigen Sekunden oder in einem einstündigen Monolog beschreiben. Ein Beispiel? An einer Aussichtsplattform frage ich ihn irgendwas zum Thema Moos. Er entscheidet sich für den Monolog, spricht über die Anpassungsfähigkeit von Moos, kommt auf den Klimawandel zu sprechen, um kurz darauf die aktuelle internationale Klimapolitik zu beurteilen. Kurz darauf sind wir wieder beim Thema Moos. Ich stehe erstaunt da und frage: Ist Moos wirklich so krass? Er schaut mich streng an und sagt: „Rrrreally!“

Wer schreibt hier?
Ich bin André, lebe seit 2022 in Kamerun und bin dein Anlaufpunkt für Reisen in Kamerun. Auf Wohinnoch? erkunde ich mit euch die Welt, schreibe Erfahrungen nieder und gebe euch Reisetipps. Wenn diese Worte nicht meine letzten an dich sein sollen, kannst du meinen Blog abonnieren und mir auf Instagram folgen.




